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Rasierter lehnt Job-«Mogelpackungen» ab

20. Dez 2006 17:43
Henrico Frank
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Der berühmt gewordene Erwerbslose Henrico Frank hat die von SPD-Chef Beck vermittelten Stellen-Offerten durch eine Sprecherin zurückweisen lassen. Politiker kritisierten ihn dafür heftig.

Der Arbeitslose Henrico Frank hat die ihm von SPD-Chef Kurt Beck übermittelten Jobangebote als für ihn ungeeignet abgelehnt. Angesichts seines Gesundheitszustands kämen die angebotenen Tätigkeiten ausnahmslos nicht in Frage, sagte Franks Sprecherin, Brigitte Vallenthin, am Mittwoch in Wiesbaden. Jobs wie Straßenbauarbeiter, Müllwerker oder Lkw-Fahrer seien für einen Mann mit kaputter Schulter und Bandscheibenschaden nicht zu leisten. «Henrico Frank fühlt sich und alle Millionen Hartz-IV-Berechtigten abermals von Kurt Beck verhöhnt», sagte Vallenthin.

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Bei den Jobangeboten habe es sich ausnahmslos um «Mogelpackungen» gehandelt. Die fraglichen Unternehmen hätten klar signalisiert, dass sie den 37-Jährigen mit den beschriebenen gesundheitlichen Einschränkungen nicht einstellen könnten: «Henrico Frank hatte gar keine Chance, einen Job zu bekommen.»

«Solche Kerle zocken ab»

Politiker griffen den Wiesbadener Arbeitslosen für sein Verhalten heftig an. «Ich frage mich: Wer schützt eigentlich die Schwachen vor den Faulen», sagte FDP-Chef Guido Westerwelle der «Bild»-Zeitung: «Bei Behinderten und Pflegebedürftigen wird der Mangel verwaltet und solche Kerle zocken ab!» Die Sprecherin der SPD-Linken, Andrea Nahles, sagte dem gleichen Blatt: «Ich kenne zig Arbeitslose, die sich die Finger schlecken würden, wenn sie acht Arbeitsangebote bekämen». Der SPD-Arbeitsmarktexperte Klaus Brandner sagte, das Verhalten Franks bringe arbeitsuchende Arbeitslose in Misskredit.

Die Stadt Wiesbaden kündigte unterdessen an, den Fall des Langzeitarbeitslosen genau prüfen zu wollen. Unter den Jobangeboten, die SPD-Chef Kurt Beck dem 37-Jährigen übermittelt habe, seien auch Tätigkeiten, die eine Person mit gesundheitlichen Einschränkungen wahrnehmen könne, sagte die Sprecherin der Stadt, Ilka Gilbert-Rolke. Sollte sich herausstellen, dass Frank die Arbeitsangebote aus reiner Unlust ausschlage, könne dies zu einer Kürzung des Arbeitslosengelds II von bis zu 100 Prozent führen.

Als profilierungssüchtig kritisiert

Kritik am Verhalten von Franks Sprecherin übte der Deutsche Gewerkschaftsbund Wiesbaden. Hinter dem ganzen Rummel stecke die reine Profilierungssucht, sagte Gewerkschaftssprecher Frank Huber dem «Tagesspiegel». Weder Frank noch einem anderen Arbeitslosen sei damit geholfen.

Frank war in die Schlagzeilen geraten, nachdem er den rheinland- pfälzischen Ministerpräsidenten Beck bei einer Wahlkampfveranstaltung in Wiesbaden lautstark für seine Arbeitslosigkeit verantwortlich gemacht hatte. Beck hatte ihm daraufhin geraten: «Wenn Sie sich waschen und rasieren, finden Sie auch einen Job.» Der Arbeitslosengeld-II-Empfänger war dem Ratschlag gefolgt und hatte von der Mainzer Staatskanzlei am Montag prompt acht Jobangebote übermittelt bekommen.(nz)

 
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