Hamburger nicht durch Polonium verstrahlt
Kowtun hatte sich am 1. November in London mit Litwinenko getroffen. Am gleichen Tag war Litwinenko mit Polonium vergiftet worden. Der Ex-Spion starb drei Wochen später. Auf dem Weg nach London hatte Kowtun Station in Hamburg gemacht und in der Wohnung seiner Ex-Frau übernachtet. Derzeit wird er nach russischen Angaben in Moskau in einer Spezialklinik wegen einer Strahlenvergiftung behandelt.
In Haselau (Kreis Pinneberg) sind die Untersuchungen laut Polizei beendet. Auf einem Anwesen, das Kowtuns Ex-Schwiegermutter gehört, waren Polonium-Spuren nachgewiesen worden. Eine Polizeisprecherin sagte, es gebe keine Gesundheitsgefährdung für die Bevölkerung.
Unterdessen gibt es eine neue Spur. Litwinenko sei ermordet worden, weil er ein achtseitiges Geheimdossier über eine «hohe Kreml-Figur» für eine britische Firma zusammengestellt habe, zitierte der britische Sender BBC den Ex-Spion Juri Schwez. Scotland Yard verfügt demnach über eine Kopie des Dossiers.
Laut «Focus» liegen den deutschen Ermittlern Auswertungen von Abhörprotokollen der britischen Polizei vor. Daraus ergäben sich Hinweise, dass Litwinenko den russischen Oligarchen Boris Beresowski erpresst haben könnte, der im Londoner Exil lebt.
Das Kanzleramt hat nach «Focus»-Informationen die deutschen Sicherheitsbehörden angewiesen, zum Hamburger Polonium-Fall keine Protokolle anzulegen. Die Regierung nehme damit Rücksicht auf das deutsch-russische Verhältnis. (nz)

