14.12.2006
Herausgeber: netzeitung.de
SPD-Chef Kurt Beck
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Wer sich wasche und rasiere, finde auch einen Job, meint SPD-Chef Beck. Grüne und Linkspartei reagieren empört - andere finden den Ratschlag allerdings «hilfreich».
Heftige Kritik von Grünen und Linkspartei hat sich der SPD-Vorsitzende Kurt Beck mit Hygiene-Tipps für Arbeitssuchende eingehandelt.
«Wer am Boden liegt, braucht Hilfe und keine symbolischen Fußtritte», sagte der Bundesgeschäftsführer der Linkspartei, Dietmar Bartsch, am Donnerstag in Berlin. Grünen-Fraktionsvize Thea Dückert nannte Becks Äußerungen «obernaiv und elitär».
In Union und SPD Verständnis zeigte man dagegen Verständnis für Beck. Der Parteichef hatte laut dem «Wiesbadener Tagblatt» bei einem Wahlkampftermin am Dienstag in Wiesbaden einem Arbeitslosen gesagt: «Wenn Sie sich waschen und rasieren, finden Sie auch einen Job.»
Bartsch warf Beck vor, alte Vorurteile wiederzubeleben, nach denen Arbeitslose selbst schuld an ihrer Lage seien. «Wenn das die neue Programmatik einer modernen Sozialdemokratie sein soll, dann: 'Gute Nacht!'»
Zugleich äußerte er Zweifel an Becks politischer Eignung für höhere Ämter. In Richtung des SPD-Vorsitzenden sagte er: «Selbst wenn Kurt Beck sich rasiert, hat er nicht das Zeug zum Kanzler.»
Dückert :«Verantwortungslose» SichtweiseDückert sagte dem Onlineausgabe der «Welt»: «Bei vier Millionen Arbeitslosen kann man nicht ernsthaft behaupten, dass die Menschen selbst Schuld an ihrem Schicksal sind.» Eine solche Sichtweise sei «verantwortungslos».
Die rheinland-pfälzischen Grünen verlangten von Beck eine Entschuldigung. Dessen Worte seien «an Unverfrorenheit kaum zu überbieten», sagte Vorstandssprecher Nils Wiechmann in Mainz. Mit seinem «hilflosen Verweis» auf die Körperpflege zeige Beck, dass die Regierung außer «flapsigen Sprüchen» keine wirksamen Mittel zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit habe.
Meyer: «Hilfreicher Ratschlag»Der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Laurenz Meyer (CDU), verteidigte dagegen den SPD-Chef. Dessen Äußerung könne «möglicherweise ein hilfreicher Ratschlag gewesen sein», sagte er «Welt online». Auch der wirtschafts- und arbeitsmarktpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Klaus Brandner, nahm Beck in Schutz: Er habe einen «freundschaftlichen Rat« gegeben, »der in jedem Bewerberseminar vermittelt wird».
John-Philip Hammersen, Sprecher der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg, bekräftigte dies. «Sicherlich kommt es bei einer Bewerbungssituation auch auf Äußerlichkeiten an. Es ist traurig, aber wahr, dass man nur einmal eine Chance hat, einen ersten Eindruck zu hinterlassen.» (nz)