06. Dez 2006 07:44
Die Kontrollstelle für Unterhaltungs- Software (USK) hält wenig von der bayerischen Initiative für eine Verschärfung des Verbots von Killerspielen. Den deutschen Jugendschutz hält USK-Chefin Schulz für einen der strengsten.
Von Tilman SteffenDie Unterhaltungs- Software Selbstkontrolle (USK) hat die bayerische Initiative für ein Verbot so genannter Killerspiele als überflüssig kritisiert. «Deutschland hat weltweit das strengste Jugendmedien- Schutzsystem», sagte USK-Chefin Christine Schulz der Netzeitung unter Verweis auf das im Strafgesetzbuch verankerte Verbot von Computerspielen, die Gewalt verherrlichen oder verharmlosen. «Wenn Menschen ohne genaue Recherche über die Unzulänglichkeiten des gesetzlichen Jugendschutzes befinden, ist das problematisch».
Die Soziologin bezog sich damit auf die unter anderem von Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber, seinem Innenminister Günther Beckstein (beide CSU) und Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) erhobene Verbots- Forderung. Bayern kündigte nun eine Initiative an, Hersteller, Händler und Käufer Gewalt verherrlichender Spiele mit bis zu einem Jahr Gefängnis zu bestrafen.Laut Gesetz ist das Prüfen der Spiele Aufgabe der Länder. Die Länder delegierten dies an die USK. Gemeinsam mit den Obersten Landesjugendbehörden nehmen sie die Prüfung vor und erteilen die Freigabe für die jeweilige Altersstufe.
Gewalt verherrlichende oder verharmlosende Spiele sind heute bereits laut Strafgesetzbuch verboten. Doch selbst bei legalen Spielen gelten Einschränkungen: Schulz erläuterte, wenn ein Spiel nicht gemäß der USK- Altersfreigabe verkauft werde, drohten Händlern Ordnungswidrigkeitsverfahren mit Strafen bis zu 50.000 Euro. Deutschlands Nachbarn seien da wesentlich liberaler, indem sie für Spiele nur Alters- Empfehlungen gäben. Diese fielen oft weniger restriktiv aus als die Alters- Kennzeichnungen, mit denen die USK die Spiele versehen lässt.
Schulz hält die Verbotsforderungen zudem für zu wenig fundiert: «Ich weiß nicht, was die Verbotsbefürworter Herr Stoiber, Herr Beckstein, Herr Bosbach und andere unter einem Killerspiel verstehen.» Das Schießen auf Figuren allein könne dafür nicht ausschlaggebend sein. «Ich frage mich mitunter, ob bestimmte Einstellungen und Haltungen, die verantwortliche Erwachsene haben, von Angst diktiert werden.» Manch einer wolle «das 20. Jahrhundert zurückhaben».
Als Killerspiel werde häufig das auch in Deutschland von Millionen junger Leute gern gespielte «Counterstrike» bezeichnet, sagte Schulz. Die Fangemeinde spiele das Spiel jedoch nicht, «um Menschen zu töten». Vielmehr stehe Teamarbeit im Vordergrund und das Vermögen, sich taktisch durchzusetzen. «Wie man Menschen töten kann, lernt man dabei nicht, das lernt man meines Wissens nur in einer Armee.»
Insofern sei auch der «Automatismus nicht wissenschaftlich erwiesen», dass ein Zusammenhang zwischen Computerspielen und Amokläufen wie in Erfurt oder Emsdetten bestehe. Vor wenigen Wochen hatte ein ehemaliger Schüler in einer Schule im nordrhein- westfälischen Emsdetten um sich geschossen, mehrere Menschen verletzt und sich anschließend selbst getötet. «Gäbe es einen direkten Zusammenhang, würden wir alle hochgradig gefährlich leben, weil alle Liebhaber bestimmter Spielegenres sozusagen Zeitbomben wären», so Schulz. Computer gebe es noch nicht sehr lange, Amokläufer dagegen schon.
Dass die Amokläufer von Erfurt oder Emsdetten Spiele wie «Counterstrike» spielten, «ist für mich kein Anlass für Panik», so die USK-Chefin. Eltern sollten sich dadurch nicht völlig verunsichern lassen. Eltern könnten die Verbotsdiskussion jedoch zum Anlass nehmen, sich dafür zu interessieren, was die eigenen Kinder spielen und warum sie es offenbar gern tun.