netzeitung.deKillerspiel-Verbot «kurzsichtig und zwecklos»

 Herausgeber: netzeitung.de

Der Vorstoß der bayerischen Landesregierung für ein Verbot so genannter Killer-PC-Spiele stößt auf breite Ablehnung. Die Grünen warnten, Verbote lockten eher Jugendliche an, als das diese abgeschreckt würden.

Die Grünen haben davor gewarnt, in der Debatte über eine Verbot Gewalt verherrlichender Computerspiele mit zweierlei Maß zu messen. «Wer über ein Verbot nachdenkt, muss dann konsequenterweise die gleichen Kriterien an Bücher und Filme anlegen», sagte der Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Bundestag, Volker Beck, der Netzeitung. Daher halte er ein strafrechtliches Verbot so genannter Killerspiele «für kurzsichtig und für zwecklos».

Beck reagierte damit auf den Vorschlag des bayerischen Innenministers Günther Beckstein (CSU), Herstellung, Vertrieb, Kauf und Nutzung menschenverachtender Computerspiele künftig mit bis zu einem Jahr Haft zu bestrafen.

Auf Kritik stieß Becksteins Vorstoß auch bei führenden SPD-Politikern. «Die Verbotsdebatte ist vordergründig und hilflos. Vielen Politikern fällt nach Vorfällen wie in Emsdetten einfach nichts Besseres ein», sagte SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz der Tageszeitung «Die Welt». Allenfalls bei einzelnen Spielen könne ein Verbot sinnvoll sein. Schleswig-Holsteins Innenminister Ralf Stegner (SPD) sagte, ein Verbot sei «nur scheinbar der sicherste Weg Kinder und Jugendliche zu schützen.» Vielmehr müsse die Medienkompetenz der Heranwachsenden geschult und die Eltern eingebunden werden.

Hamburgs Innensenator Udo Nagel (parteilos) unterstützte dagegen die Initiative. «Als Signal ist dies zu begrüßen», sagte er. Allerdings seien auch die Eltern selbst gefordert, sich dafür zu interessieren, was in den Kinderzimmern läuft. Und sie müssten auch mal den Mut haben, beim Fernseher oder PC den Stecker zu ziehen.» Auch Thüringens Innenminister Karl Heinz Gasser (CDU) begrüßte die Pläne: «Wenn das ein gangbarer Weg ist, werden wir das prüfen.»

Grünen-Innenexperte Beck wies in diesem Zusammenhang auf eine Anhörung der Grünen-Fraktion zu diesem Thema an. «Da war man sich einig, dass ein Verbot so genannter Killerspiele falsch ist und dem Medium Computerspiele nicht gerecht wird.» Entscheidend sei nach Meinung von Fachleuten, dass Erziehungsberechtigte Verantwortung übernehmen und überprüfen, was und wie Kinder Medien konsumieren. «Eine Förderung von Computerspielen – sei es durch Gütesiegel oder finanzielle Mittel – wäre wünschenswert», sagte Beck.

Dagegen sei ein strafrechtliches Verbot auch schon deshalb zwecklos, weil es unproblematisch sei, sich im Internet entsprechende Spiele herunterzuladen. Außerdem befürchte er, «dass Jugendliche von Verbotenem eher angelockt als abgeschreckt werden», warnte Beck.

Auch die Unterhaltungs-Software Selbstkontrolle (USK) nannte die bayerische Initiative überflüssig. «Deutschland hat weltweit das strengste Jugendmedien-Schutzsystem», sagte USK-Chefin Christine Schulz der Netzeitung. Sie verwies dabei auf das bereits im Strafgesetzbuch verankerte Verbot von Gewalt verherrlichenden Computerspielen.

Bei dem Kölner Medienpädagogen Professor Wolfgang Kaminski stieß der Vorstoß Becksteins auf Skepsis. «Wir können in einer demokratischen Gesellschaft nicht, wenn Dinge einer Gruppe von Menschen nicht passen, alles verbieten», sagte Kaminski im ZDF. Auch sei das viel diskutierte Computerspiel «Counterstrike» nicht mehr als «Räuber und Gendarm auf dem Bildschirm». Dass da virtuell geschossen werde «ist nicht viel anders als das, was uns «Casino Royal» und James Bond aktuell auf der Leinwand zeigen», meinte der Wissenschaftler.

Ein Jahr Haft für Killerspiele?
Zuvor hatte die bayerische Landesregierung erste konkrete Pläne für ein Verbot so genannter Killerspiele vorgelegt. Danach will Innenminister Beckstein den Gewaltdarstellungs- Paragrafen 131 des Strafgesetzbuchs so ändern, dass die Herstellung, Verbreitung und Nutzung Gewalt verherrlichender Computerspiele mit bis zu einem Jahr Haft bestraft werden kann. Die Vorschläge seien eine Diskussionsgrundlage und müssten nun mit anderen Ländern und dem Bund abgestimmt werden, sagte sein Sprecher in München. Die Bundesratsinitiative solle Anfang 2007 auf den Weg gebracht werden.


Für das Web ediert von Dietmar Neuerer