Ärger nach «Schwuchtel»-Spruch von CDUler
30.11.2006
Herausgeber: netzeitung.de
«Es ist legitim, sich um die Wähler der Rechten zu kümmern, aber nicht mit dem Vokabular der undemokratischen Rechten», ergänzte Eggert. «Nitzsche ist ein Fall für die Parteiführung, weil man solche Äußerungen nicht unwidersprochen gelten lassen darf .»
Der 47-Jährige war bereits mehrfach wegen seiner Äußerungen aufgefallen. Zuletzt war er 2005 mit der bei Rechtsextremen beliebten Parole «Arbeit, Familie, Vaterland» in den Wahlkampf gezogen. Ebenfalls scharfe Kritik hatte er sich 2003 eingehandelt, als er in einem Vortrag über Zuwanderung vom «letzten Ali aus der letzten Moschee» sprach und sagte, eher würde einem Muslim «die Hand abfaulen», als dass er CDU wähle.
Die sächsische Linkspartei forderte CDU-Landesparteichef Georg Milbradt auf, Nitzsche zur Niederlegung des Bundestagsmandats zu bewegen. Nitzsche sei ein «unverbesserlicher Wiederholungstäter» und vertrete «lupenreine NPD-Positionen». Die SPD warf ihrem Koalitionspartner CDU vor, Probleme und Diskrepanzen in den eigenen Reihen nicht rechtzeitig zu erkennen. Es dränge sich die Vermutung auf, die CDU-Führung habe die Reaktion bewusst verzögert, um «mit der Patriotismusdebatte in Ruhe am rechten Rand zu fischen».
Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer, sagte dem «Tagesspiegel», die Äußerungen seien «tendenziell ein zweiter Fall Hohmann». Nitzsche versuche, «auf der Klaviatur des Herrn Hohmann Klischees und unterschwellige Ressentiments zu bedienen.» Der CDU-Bundestagsabgeordnete habe «NPD-Vokabular» verwendet. «Wenn Herr Nitzsche es nicht für nötig hält, sich zu entschuldigen, sollte die CDU überlegen, welche Konsequenzen sie zieht», forderte Kramer.
Nitzsche sorgte bereits mehrfach mit umstrittenen Äußerungen für Aufsehen. So hatte er im Jahr 2003 in einem Interview gesagt, dass es «vergebliche Liebesmüh sei, um die Wählerstimmen von eingebürgerten Türken zu buhlen». Eher werde einem Muslim «die Hand abfaulen», als dass er die CDU wähle. Daneben soll er auch in einem Vortrag vor einer Dresdner Burschenschaft unter anderem türkische Flüchtlinge als «parasitär» bezeichnet haben.
Die Staatsanwaltschaft Dresden ermittelte gegen Nitzsche wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Nach Zahlung von 5000 Euro an humanitäre Einrichtungen wurden die Ermittlungen jedoch eingestellt. (nz)

