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Minister nimmt Killerspiele- Prüfer in Schutz

23. Nov 2006 07:04
Generationenminister Laschet
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In der Debatte über gewaltlastige Computerspiele gerät die Kontroll- Organisation für Unterhaltungssoftware unter Druck. NRW-Familienminister Laschet verteidigte das Gremium gegen Kritik aus der eigenen Partei und warnte vor Aktionismus.

Von Tilman Steffen

Interview:
Angesichts der Diskussion über Gewalt verherrlichende Computerspiele hat Nordrhein-Westfalens Familienminister Armin Laschet (CDU) die Selbstkontroll-Organisation für Unterhaltungssoftware USK gegen Kritik verteidigt. «Die Mutmaßungen zum Versagen der USK sind nicht belegt», sagte Laschet der Netzeitung. Die Prüfverfahren mündeten in korrekte Entscheidungen. Zudem würden die Verfahren und Entscheidungen ständig begleitend «einer kritischen Würdigung unterzogen».

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Laschet erläuterte, die Jugendminister der Länder und des Bundes hätten eine Überprüfung des Jugendschutzrechtes, der Prüf-Verfahren sowie die Altersfreigaben der USK für PC-Spiele veranlasst. «Auf solider Grundlage» werde festgestellt, ob Änderungen nötig seien. «Das halte ich für den richtigen Weg, auch wenn Schnellschüsse scheinbar populärer sind.» Laschet bezog sich dabei auch auf die Kritik des niedersächsischen Innenministers Uwe Schünemann (CDU), der die USK für unwirksam hält. «Hier muss es ein völlig neues Überprüfungsgremium geben, das allein in staatlicher Hand liegt», hatte Schünemann der Netzeitung gesagt.

Hintergrund:
Das Land Niedersachsen hatte diese Woche in der Netzeitung eine Bundesrats- Initiative angekündigt mit dem Ziel, ein totales Herstellungs- und Verbreitungsverbot von Gewalt verherrlichenden Computerspielen zu erreichen. Angesichts der Schießerei auf eine Realschule im nordrhein-westfälischen Emsdetten werde er der Länderkammer einen entsprechenden Gesetzesentwurf vorlegen, sagte der Landes- Innenminister Schünemann.

Spieler am Ego-Shooter
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Schünemanns Pläne hält Laschet für überflüssig: «Soweit es die Initiative zum Verbot von Gewalt verherrlichenden Computerspielen betrifft, fordert er etwas, was schon verboten ist», sagte der Familienminister. Das Verbot, Gewalt zu verherrlichen, stehe bereits im Strafgesetzbuch. Dennoch sprach sich Laschet für Änderungen aus: «Ob auch der Besitz und die Herstellung - und nicht nur die Weitergabe unter Strafe gestellt werden sollte – kann sicher diskutiert werden». Damit sieht Laschet die Jugend jedoch nicht vor Gefährdung geschützt:

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Man dürfe sich nicht der Illusion hingeben, dass mit einer solchen Verschärfung die kritisierten Spiele nicht mehr zugänglich wären. Im Ausland seien sie legal zu bekommen, und im Internet könne man sie herunterladen. «Auch hier gilt: Aktionismus, der an den Ursachen vorbeigeht, darf es nicht geben.»

Vier Kennzeichnungs- Varianten

Das will der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Wolfgang Speck, nicht in Kauf nehmen und forderte eine Blockierung verbotener Online-Inhalte. «Im Internet müssen wir durch Sperren sicherstellen, dass verbotene Spiele nicht mehr heruntergeladen oder gespielt werden können», hatte Speck der Netzeitung gesagt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte am Mittwoch im Bundestag, das Innenministerium befürwortete die Gesetzesinitiative im Bundesrat.

Wie Minister Laschet erläuterte, sind die Obersten Landesjugendbehörden in der USK mit einem Mitarbeiter vertreten, der die Freigabe der Computer- und Konsolenspiele vornimmt. Die Grundlagen dafür liefern Gesetze: Was gegen Strafrecht verstößt, also etwa Gewalt verherrlichend ist, wird verboten. Was jugendgefährdend ist und durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien zu indizieren wäre, darf nicht in den Handel. Spiele, die weder unter die eine noch die andere Linie fallen, erhalten ein Kennzeichen. Vier Varianten stehen zur Auswahl: Freigegeben ohne Altersbeschränkung, freigegeben ab sechs Jahren, ab zwölf Jahren, ab 16 Jahren und «keine Jugendfreigabe». Bislang bewertete laut Laschet noch niemand ein Spiel mit Alterskennzeichen als strafrechtlich relevant.

Bezug zur Realität verändert

Laschet bezweifelt, dass der Schütze von Emsdetten tatsächlich «exzessiver Spieler» von Killerspielen wie «Counterstrike» war. Selbst wenn man dies annähme, sei der Zusammenhang zwischen der Tat und dem Spielen von «gewalthaltigen Spielen» sicher nicht eine Frage von Ursache und Wirkung. «Kein ernst zu nehmender Wissenschaftler oder Psychologe würde dies behaupten.» «Polizeigewerkschaftschef Speck sieht die Psyche Jugendlicher dagegen durch die Bildschirmgefechte schwer beeinträchtigt. «Diese Spiele verändern den Bezug Jugendlicher zur Realität grundlegend, ihre Realität wird die Videowelt.» Sie steigerten sich in eine «Scheinwelt» hinein und glaubten, dass diese Spiele das eigentliche Leben zeigten. «Das ist gefährlich, denn daraus kann man sie nur schwer wieder zurückholen», warnte Speck.

Laschet verwies auf eine Studie des Mainzer Sozialwissenschaftlers Michael Kunczik, demzufolge keine der bislang durchgeführten wissenschaftlichen Untersuchungen einen solchen Zusammenhang nachgewiesen habe.

«Ich plädiere daher dafür, in diesem sehr ernsten Fall nicht mit einfachen Lösungsformeln zu arbeiten», sagte der Minister. Die Aggression des Täters vom Emsdetten habe sich über Jahre aufgebaut. Trotz Signalen wie Waffengebrauch und sozialer Isolation habe das »soziale Netz« nicht reagiert. «Hier scheinen mir die wichtigen Diskussionspunkte zu liegen und nicht bei aktionistischen Aktivitäten bezüglich der Freigabe oder des Verbots von Computerspielen.»

 
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