Datei für jugendliche Gewalttäter geplant
22.11.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Nagel leitet eine Arbeitsgruppe der Innenministerkonferenz (IMK) zum Thema Jugendkriminalität. Im Auftrag der Länder wird er im kommenden Jahr eine Expertenkommission einberufen, die Maßnahmen gegen die steigende Jugendgewalt erarbeiten soll. Seinen Angaben zufolge geht der Trend zur Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen deutschlandweit nach oben. Von 1993 bis 2005 sei die Zahl der Gewalttaten um 32,5 Prozent gestiegen, die Zahl der Tatverdächtigen unter 21 Jahren habe sich von rund 44.000 auf 88.000 sogar verdoppelt.
Der Berliner Innensenator Ehrhart Körting (SPD) plädierte für eine stärkere Selbstzensur der Computerspielbranche und der Medien. Das sollte nicht nur Killerspiele, sondern auch Gewalt verherrlichende Filme einschließen, sagte der SPD-Politiker am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Verbote würden dagegen kaum etwas bringen. Eine gesetzliche Regelung könne das Problem vielleicht in Deutschland lösen, argumentierte der Senator. Aber so lange solche Spiele im Internet oder «graue Importe» aus anderen Staaten zu bekommen seien, komme man mit Verboten nicht weit.
Für den Fall, dass ein Verbot dazu führt, dass Spiele verstärkt unkontrolliert übers Internet oder als so genannte Grau-Importe nach Deutschland gelangen, schlagen die Gutachter des Bundestages vor, «auch eine Regelung zur Zugriffsbeschränkung für Internetseiten mit entsprechenden Inhalten zu erlassen». Das sei schon deshalb sinnvoll, da «die Verbotsregelung grundsätzlich geeignet ist, den Vertrieb von Killerspielen zu unterbinden oder zumindest erheblich einzuschränken».
Skeptisch zu einem Verbot äußerte sich dagegen die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). «Computerspiele wie 'Counterstrike' sind verabscheuungswürdig. Aber wer glaubt, mit einem Verbot alle Probleme lösen zu können, liegt falsch», sagte der GEW-Vorsitzende Ulrich Thöne der «Berliner Zeitung». Er kritisierte die geringe Zahl von Psychologen an den Schulen. «Wir sagen das seit Jahr und Tag und trotzdem werden Stellen abgebaut.»
Zwei Tage nach den Vorgängen in Emsdetten nahmen unterdessen Schüler, Eltern und Lehrern - aber auch den Hinterbliebenen des getöteten 18-Jährigen - an einem Gottesdienst teil. Mehrere hundert Menschen riefen sich noch einmal den blutigen Überfall auf die Geschwister-Scholl-Realschule und dessen Folgen in Erinnerung. Die Geistlichen der beiden großen christlichen Kirchen schlossen in ihre Fürbitten auch den Attentäter und dessen Hinterbliebene ein. (nz)

