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Datei für jugendliche Gewalttäter geplant

22. Nov 2006 13:24
Geschwister-Scholl-Schule in Emsdetten
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Angesichts des Überfalls eines 18-Jährigen auf eine Schule in Nordrhein-Westfalen wollen die Länder- Innenminister härter gegen Jugendgewalt vorgehen. Ein Verbot von Killerspielen scheint möglich, ist aber heftig umstritten.

Nach dem Überfall eines 18-Jährigen auf eine Realschule in Nordrhein-Westfalen streiten Politiker parteiübergreifend über mögliche Konsequenzen. Der Hamburger Innensenator Udo Nagel warnte davor, die Debatte auf Fälle wie den in Emsdetten zu verengen. «Es geht um die ganz alltägliche Gewalt unter Jugendlichen, und zwar vor allem um die Körperverletzungen», sagte Nagel der Tageszeitung «Die Welt».

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Nagel regte daher an, eine Datenbank für gewalttätige Jugendliche einzurichten. Damit könnten «zielgerichtet polizeiliche Maßnahmen» durchgeführt werden, sagte der parteilose Politiker. «Dies könnte ähnlich organisiert werden wie bei der Gewalttäterdatei Sport, die bisher ja ganz gut funktioniert.»

Nagel leitet eine Arbeitsgruppe der Innenministerkonferenz (IMK) zum Thema Jugendkriminalität. Im Auftrag der Länder wird er im kommenden Jahr eine Expertenkommission einberufen, die Maßnahmen gegen die steigende Jugendgewalt erarbeiten soll. Seinen Angaben zufolge geht der Trend zur Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen deutschlandweit nach oben. Von 1993 bis 2005 sei die Zahl der Gewalttaten um 32,5 Prozent gestiegen, die Zahl der Tatverdächtigen unter 21 Jahren habe sich von rund 44.000 auf 88.000 sogar verdoppelt.

Körting für stärkere Selbstzensur

Von einem Verbot so genannter Killerspiele hält Nagel nichts. «Solch ein Verbot ist auf europäischer Ebene, in Griechenland, schon einmal gescheitert», argumentierte. Aus seiner Sicht seien «erst einmal die Eltern gefragt, zu wissen, was in ihren Kinderzimmern los ist». Eltern hätten einen Erziehungsauftrag, betonte Nagle. «Sie müssen kontrollieren, ob ihre Kinder Gewaltdarstellungen in den Medien konsumieren.»

Der Berliner Innensenator Ehrhart Körting (SPD) plädierte für eine stärkere Selbstzensur der Computerspielbranche und der Medien. Das sollte nicht nur Killerspiele, sondern auch Gewalt verherrlichende Filme einschließen, sagte der SPD-Politiker am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Verbote würden dagegen kaum etwas bringen. Eine gesetzliche Regelung könne das Problem vielleicht in Deutschland lösen, argumentierte der Senator. Aber so lange solche Spiele im Internet oder «graue Importe» aus anderen Staaten zu bekommen seien, komme man mit Verboten nicht weit.

Gutachten sehen Chancen für Verbot

Dagegen räumen Gutachter des Deutschen Bundestages einem gesetzlichen Verbot Gewalt verherrlichender PC-Spiele gute Chancen ein. «Der Bundesgesetzgeber ist generell nicht gehindert, ein Einfuhr-, Verkauf-, Vermiet- und Verleihverbot für Killerspiele zu erlassen», heißt es in einem Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages, das der Netzeitung vorliegt. «Eine solche Regelung würde nicht per se gegen das Grundgesetz verstoßen.» Das Aus für gewaltverherrlichende Computerspiele hatten Politiker nach dem Überfall eines 18-Jährigen auf eine Schule in Emsdetten gefordert.

Für den Fall, dass ein Verbot dazu führt, dass Spiele verstärkt unkontrolliert übers Internet oder als so genannte Grau-Importe nach Deutschland gelangen, schlagen die Gutachter des Bundestages vor, «auch eine Regelung zur Zugriffsbeschränkung für Internetseiten mit entsprechenden Inhalten zu erlassen». Das sei schon deshalb sinnvoll, da «die Verbotsregelung grundsätzlich geeignet ist, den Vertrieb von Killerspielen zu unterbinden oder zumindest erheblich einzuschränken».

Erziehungs-Gewerkschaft skeptisch

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff sprach sich wie sein Innenminister Uwe Schünemann (beide CDU) für ein Verbot von Killer-Computerspielen aus. Altersbeschränkungen reichten nicht aus, sagte der CDU-Bundesvize der «Neuen Osnabrücker Zeitung». «Selbst bei Spielen, die mit 16 freigegeben sind, wird reichlich getötet und fließt jede Menge Blut.» Gefährlich sei, dass sich das Gewaltpotenzial dieser Spiele erst offenbare, wenn die ersten Level durchlaufen seien.

Skeptisch zu einem Verbot äußerte sich dagegen die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). «Computerspiele wie 'Counterstrike' sind verabscheuungswürdig. Aber wer glaubt, mit einem Verbot alle Probleme lösen zu können, liegt falsch», sagte der GEW-Vorsitzende Ulrich Thöne der «Berliner Zeitung». Er kritisierte die geringe Zahl von Psychologen an den Schulen. «Wir sagen das seit Jahr und Tag und trotzdem werden Stellen abgebaut.»

Zwei Tage nach den Vorgängen in Emsdetten nahmen unterdessen Schüler, Eltern und Lehrern - aber auch den Hinterbliebenen des getöteten 18-Jährigen - an einem Gottesdienst teil. Mehrere hundert Menschen riefen sich noch einmal den blutigen Überfall auf die Geschwister-Scholl-Realschule und dessen Folgen in Erinnerung. Die Geistlichen der beiden großen christlichen Kirchen schlossen in ihre Fürbitten auch den Attentäter und dessen Hinterbliebene ein. (nz)

 
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