«Er ist immer zuvorkommend gewesen»
Polizisten bewachen den Pausenhof, rot-weiße Absperrbänder wehen im Wind, Jugendliche stehen ungläubig vor dem Schulgebäude: Auch einen Tag später ist das westfälische Städtchen Emsdetten schwer gezeichnet vom Amoklauf eines 18 Jahre alten Ex-Schülers der Geschwister-Scholl-Realschule. 37 Menschen wurden verletzt, der Amokschütze richtete sich schließlich selbst. An Unterricht ist an diesem Dienstag in der Geschwister-Scholl-Realschule nicht zu denken. Stattdessen durchsuchen Polizisten mit Spürhunden die Räume nach Spuren der blutigen Tat.
Viele Eltern sind auch am Tag danach noch mitgenommen: Sie erzählen von dem Geschrei der Kinder vor der Schule und von verzweifelten Müttern und Vätern auf der Suche nach ihren Kindern. «Das waren so schreckliche Bilder», sagt Marion Rengers, Mutter einer Sechstklässlerin. Nicht alle Schüler lassen sich von den Seelsorgern betreuen: Einige bleiben zu Hause, andere liegen noch im Krankenhaus.
Wie vom Schlag getroffen fühlen sich auch Nachbarn des Amokschützen. «Er ist immer zuvorkommend und höflich gewesen», sagt eine 42 Jahre alte Nachbarin, die mit den Eltern des 18-Jährigen befreundet ist. «Die Eltern haben immer alles für ihren Sohn getan.» Diese hat die Nachricht über den Amoklauf schwer mitgenommen. Sie werden ärztlich behandelt. «Die Familie tut mir unendlich leid», sagt Rengers. «Die Eltern haben einen Sohn verloren - das darf man nicht vergessen.»
Jemand, der ein Schild auf dem Schulhof anbrachte, hatte den gleichen Gedanken: «Lasst die Familie in Ruhe», heißt es dort. Doch am Tag danach blickt manch einer bereits nach vorne. Ein zweites Plakat trägt die Aufschrift: «Es ist passiert - wir können es nicht ändern.« (dpa)

