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Grüne für gezielteren Kampf gegen Nazis

12. Nov 2006 11:47, ergänzt 16:47
Anhänger der rechtsextremen NPD
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Die Bundestags- Grünen wollen die NPD vorrangig inhaltlich bekämpfen und nicht mittels eines neuen Verbotsverfahrens, wie Fraktions- Geschäftsführer Beck der Netzeitung sagte. Doch Teile der Partei und das Land Berlin sehen das anders.

Die Grünen haben sich anlässlich der Proteste gegen den umstrittenen Bundesparteitag der rechtsextremen NPD dafür ausgesprochen, den Kampf gegen Rechtsextremismus neu auszurichten. «Die zivilgesellschaftliche Gegenwehr braucht eine neue Qualität», sagte der Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Bundestag, Volker Beck, der Netzeitung. Er plädiere für «einen Runden Tisch mit Leuten aus Kultur, Rechtsextremismus-Forschern und den Praktikern aus den heutigen Projekten zu veranstalten, um neue, auch kulturbezogene Programme zu entwickeln, die sich gegen die Verbreitung rechtsextremer Musik und Subkultur wenden und attraktive Alternativen dazu entwickeln».

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Beck hält auch eine «verlässliche staatliche Unterstützung» der Zivilgesellschaft beim Kampf gegen den Rechtsextremismus für unabdingbar. «Die Bundesprogramme müssen in ihrem bewährten inhaltlichen Profil und mit einer besseren Mittelausstattung weitergeführt werden», verlangte der Grünen-Innenexperte. Die Finanzierung der Arbeit gegen Rechts müsse zudem auf «mehrere Säulen» gestellt werden. Beck sprach sich in diesem Zusammenhang für ein Bundesprogramm aus für aktuelle modellhafte und lokale Projekte, institutionelle Förderung für Strukturprojekte - etwa innerhalb einer bestehenden Stiftung - und Fördertöpfe auf Landes- bzw. Kommunalebene.

Verbots-Debatte «kontraproduktiv»

Volker Beck
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Von einem erneuten NPD-Verbotsverfahren hält Beck nichts. Entsprechende Forderungen von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit und Innensenator Erhart Körting (beide SPD) wies er als «kontraproduktiv» zurück. Eine Debatte um ein NPD-Verbot, für das man nicht die Voraussetzungen geschaffen habe, verschaffe der NPD Aufmerksamkeit und bringe in der Sache nichts, sagte er. «Ein Verbot der NPD löst auch nicht das Problem des Rechtsextremismus», warnte Beck. «Die Mitglieder und Anhänger würden sich eine neue Hülle suchen und mit anderen bereits vorhandenen rechtsextremen Organisationen fusionieren, wie das auch schon nach dem Verbot der FAP und der ANS/NA geschehen ist.»

Zu einem Verbot gibt es in der Parteiführung jedoch andere Meinungen: Bundesvorstandsmitglied Omid Nouripour plädierte für ein Verbot der rechtsextremistischen Partei und den Abzug der Verbindungsleute des Verfassungsschutzes aus den Parteigremien. «Die Lehren aus dem ersten Verfahren müssen gezogen werden.» In der Hauptsache müsse sich die Gesellschaft jedoch politisch mit der Partei auseinandersetzen. Dafür hatte sich auch Berlins Innensenator Körting ausgesprochen.

Der SPD-Politiker erklärte sich bereit, die Spione des Landesverfassungsschutzes aus der Partei abzuziehen, um ein neues Verbotsverfahren zu ermöglichen. «Es gibt die Auffassung, dass man die NPD politisch bekämpfen sollte», sagte Körting der «Berliner Morgenpost». Er neige jedoch zu dem Standpunkt, «dass die Grenze überschritten ist». Gerade in Berlin sei die NPD nicht eine konservative, rechtsradikale Partei, «sondern sie hat neonazistische und revanchistische Züge». So etwas dürfe sich Deutschland nicht leisten. Auch CDU-Oppositionsführer Friedbert Pflüger sprach sich für ein zweites Verbotsverfahren aus.

Plattform liefern

Ein von Bundesregierung, Bundestag und Bundesrat gemeinsam angestrebtes NPD-Verbot war 2003 vor dem Bundesverfassungsgericht gescheitert, weil der Staat den Einfluss seiner Verfassungsschutzleute in der NPD nicht offen legen wollte.

FDP-Generalsekretär Dirk Niebel dagegen stimmte Beck zu: «Ein weiteres NPD-Verbotsverfahren würde vermutlich genauso kläglich scheitern wie beim ersten Mal», sagte Niebel der in Berlin erscheinenden Tageszeitung «Die Welt». «Statt dieser Partei nochmals eine öffentliche Plattform in jeder Hauptnachrichtensendung zu liefern, muss ihr durch eine vernünftige Politik der Nährboden entzogen werden», regte Niebel an.

«Rechtsstaat nicht demontierten»

Auch Bundestags- Vizepräsidentin Petra Pau (Linkspartei) warnte davor, die NPD um jeden Preis verbieten zu wollen. «Zuweilen höre ich bis in den Bundestag hinein, man könnte doch einfach die Hürden für ein Parteienverbot senken», sagte Pau der «Frankfurter Rundschau». «Ich fände es verheerend, wenn wir auf diese Weise die Demokratie und den Rechtsstaat selbst demontierten.» Pau forderte eine partei- und ressortübergreifende Strategie gegen Rechts.

Gegen der Berliner Vorstoß hatten sich zuvor bereits die Innenminister von Schleswig-Holstein, Bayern und Hessen gewandt. Sie plädieren wie die Grünen stattdessen dafür, die NPD vorrangig inhaltlich zu bekämpfen.

NPD intensiver beobachten

Beck sprach sich dafür aus der NPD durch «konsequentes polizeiliches und staatsanwaltliches Vorgehen aktiv» entgegenzuwirken. «Dies muss mit einer intensivierten Beobachtung der NPD und der rechtsextremen Szene einhergehen», forderte der Grünen-Politiker. Dies setze allerdings voraus, dass die Verfassungsschutzämter der Länder und das Bundesamt für Verfassungsschutz ihren Informationsaustausch verbessern.

Rechte immer besser organisiert

Dies ist nach Ansicht Becks schon deshalb besonders wichtig, weil rechtsextreme Parteien und Gruppierungen einen «immer höheren Organisations- und Vernetzungsgrad» erlangen. «Sie bilden die organisatorische Plattform für einen Großteil rechtsextremer Aktivitäten», warnte er. Dabei spiele die NPD «eine zentrale Rolle».

Vor diesem Hintergrund mahnte Beck eine «Stärkung der zivilgesellschaftlichen Kräfte» gegen den Rechtsextremismus an. «Demokraten müssen auch stärker und konsequenter für die Menschenwürde und die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz eintreten», sagte der Grünen-Politiker. Beck verwies dabei auf Rechtsetremismus- Studien, die gezeigt hätten, dass es rechtes Gedankengut auch bei den Anhängern der Volksparteien gebe. Man dürfe nicht allein auf den «organisatorischen und wahlpolitischen Ausdruck des Rechtsextremismus» schauen, warnte Beck. «Die reale Gefahr ist viel größer.»

 
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