netzeitung.deMerkel will hartes Durchgreifen in Foto-Skandal

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Bericht über Bundeswehr-Skandal (Foto: nz<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Bericht über Bundeswehr-Skandal
Foto: nz
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Im Bundeswehrskandal um die Fotos mit Leichenschändern will Bundeskanzlerin Merkel alle Täter hart bestrafen. Inzwischen stehen auch Offiziere im Verdacht, von den Fotos gewusst zu haben. Thema: Bundeswehr- Skandal Deutsche Soldaten stellen Hinrichtung nach Beer sieht in Soldatenskandal Nato in der Pflicht Jung suspendiert Skandal-Soldaten FDP warnt vor Zeigen weiterer Skandalfotos

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat im Bundeswehrskandal um makabre Fotos mit Totenschädeln eine harte Bestrafung der Täter gefordert. «Wer sich derart verhält, hat in der Bundeswehr nichts zu suchen», sagte die CDU-Vorsitzende in einem «Focus»-Interview. Sie versprach laut Vorabmeldung, dass die Bundesregierung alles in ihrer Macht Stehende tun werde, damit solche Vorfälle nicht mehr passierten.

Inzwischen überprüft das Verteidigungsministerium auch eine Verstrickung von Bundeswehroffizieren in den Skandal. Die Frage der Mitwisserschaft werde mit Hochdruck geklärt, zitierte die «Leipziger Volkszeitung» in einer Vorabmeldung Minister Jung. Er habe gegenüber der militärischen Führung der Bundeswehr klar gemacht, wie notwendig es sei, «dass die Dienstvorgesetzten vor Ort ihre Verantwortung wahrnehmen». Man müsse auf allen Ebenen hart durchgreifen und könne nicht die geringste Toleranz dulden.
Schändungen waren bekannt
Nach Informationen der Zeitung soll ein Teil der Bundeswehrführung in Afghanistan möglicherweise schon seit geraumer Zeit von den makabren Fotos gewusst, aber nichts unternommen haben. Offiziere seien im nordafghanischen Kundus in den vergangenen Jahren mehrfach von besorgten afghanischen Partnern gebeten worden, Berichten über Schändungen im Großraum Kabul nachzugehen, schrieb das Blatt unter Berufung auf einen früheren Mitarbeiter der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ).

An das afghanische Volk appelliert Bundeskanzlerin Merkel, besonnen auf die Leichenschändung durch deutsche Soldaten zu reagieren: «Die schnelle Aufklärung dieser abscheulichen und schockierenden Vorfälle, die Verteidigungsminister Franz Josef Jung durchgesetzt hat, wird ihre Wirkung beim afghanischen Volk hoffentlich nicht verfehlen.» Es komme darauf an, dass Afghanistan sehe: «Solche Vergehen werden nicht geduldet, sondern schonungslos verfolgt und bestraft.» Das Auswärtige Amt befürchtet, dass es Übergriffe auf deutsche Botschaften geben könnte, als Reaktion auf die Bilder mit Bundeswehrsoldaten als Leichenschänder.

Neue Fotos zeigen Fallschirmjäger
Die «Bild»-Zeitung veröffentlichte unterdessen am Samstag eine dritte Fotoserie auf der nach Angaben des Blattes Fallschirmjäger zu sehen seien. Die Aufnahmen sollen Ende 2003 oder Anfang 2004 entstanden sein. Das Verteidigungsministerium wollte zunächst keine genaueren Angaben zur Herkunft der Soldaten machen. «Wir ermitteln in diesem Fall wie in den anderen auch», sagte ein Sprecher der dpa. Auf den Bildern ist unter anderem zu sehen, wie ein Soldat einem aus verschiedenen menschlichen Knochen zusammengesetzten Skelett in der Art einer Hinrichtungsszene eine Pistole an den Totenschädel hält.

Auf einem anderen Foto wurde einem Totenschädel ein Bundeswehr- Barett aufgesetzt. Auf einer weiteren Fotografie ist der Schriftzug «CSR-Team» aus Menschenknochen sichtbar. «CSR» ist laut «Bild» die bei den Soldaten benutzte militärische Abkürzung (englisch: campside reconnaissance, Deutsch: Gelände-Aufklärung rund um das deutsche Camp) für ihre Patrouillen. Dem Blatt liegen nach eigenen Angaben «dutzende neuer Bilder» vor, die deutsche ISAF-Soldaten beim makaberen Umgang mit Leichenteilen zeigen.

Guter Ruf in Gefahr
Die wachsende Zahl von Totenschändungen durch deutsche Soldaten in Afghanistan belasten zunehmend das Ansehen der Bundeswehr. Medien und Politiker schlossen nicht aus, dass es noch weit mehr Fotos als die bisher veröffentlichten gibt. Der «Bild»-Zeitung liegen nach eigenen Angaben «dutzende neuer Bilder» vor, die deutsche ISAF-Soldaten beim makaberen Umgang mit Leichenteilen zeigen. Experten warnten unterdessen jedoch vor der Veröffentlichung der Bilder, da sie Reaktionen wie im Fall der Mohammed-Karrikaturen nicht ausschließen. (nz)