netzeitung.deMuslime sollen Kopftuchgegnerin schützen

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Ekin Deligöz (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Ekin Deligöz
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Nach Morddrohungen von Fundamentalisten gegen die grüne Bundestagsabgeordnete Deligöz hat der Zentralrat der Muslime dazu aufgerufen, sie zu schützen. Deligöz hatte zuvor mangelnde Unterstützung von Muslimen kritisiert.

Führende muslimische Verbände in Deutschland haben sich mit der wegen ihrer Kopftuch-Äußerungen angegriffenen deutsch-türkischen Grünen-Bundestagsabgeordneten Ekin Deligöz solidarisiert. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Axel Ayyub Köhler, sagte der Essener «Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung»: «Ich rufe die Muslime in Deutschland dazu auf, sich schützend vor diese Frau zu stellen.» Auch die mitgliederstarke türkischen Organisation Milli Görüs nahm Deligöz gegen die Angriffe in Schutz.

Die Politikerin hatte an muslimische Frauen in Deutschland appelliert, auf das Kopftuch zu verzichten. Seitdem ist sie Angriffen fundamentalistischer Medien und Prediger in der Türkei und Deutschland ausgesetzt. Auch wenn der Zentralrat die Meinung der Politikerin nicht teile, sei es ungeheuerlich», wenn anders denkende sie deshalb bedrohten, sagte Köhler. «Wir lassen nicht zu, dass die freie Meinungsäußerung unterdrückt wird.»

«Ein paar Spinner»
Ähnlich äußerte sich der Generalsekretär von Milli Görüs, Öguz Ücüncü: «Ich bin deutlich anderer Meinung als Frau Deligöz. Aber in einer Demokratie müssen alle solidarisch füreinander einstehen, wenn ein paar Spinner versuchen, einen Disput abzuwürgen.»

Deligöz hatte sich zuvor über mangelnde Unterstützung der muslimischen Organisationen beklagt. Wegen ihres Appells an Frauen, das Kopftuch abzulegen, sei sie einer «organisierten Hetzkampagne von fundamentalistischer Seite» ausgesetzt, die von den Verbänden kaum kritisiert werde, sagte die Politikerin dem Berliner «Tagesspiegel». «Lediglich die Aleviten haben mir ihre Unterstützung ausgesprochen, aber auch das nicht öffentlich, sondern informell.»

Versucht, «Maulkorb zu verpassen»
Angesichts der erhaltenen Schmähbriefe und Schmähartikel sowie Morddrohungen hätte sie sich «mehr Solidarität der demokratischen Muslime gewünscht, denn es geht hier um die Meinungsfreiheit», so Deligöz. Verbände wie Milli Görüs hätten sogar versucht, ihr «einen Maulkorb zu verpassen». Laut Medienberichten wurde die Grünen-Politikerin mittlerweile unter Polizeischutz gestellt.

Deligöz hatte in der vergangenen Woche zusammen mit anderen deutsch-türkischen Politikerinnen an die muslimischen Frauen in Deutschland appelliert, als Zeichen ihrer Integrationsbereitschaft das Kopftuch abzulegen. «Kommt im Heute an, kommt in Deutschland an. Ihr lebt hier, also legt das Kopftuch ab! Zeigt, dass Ihr die gleichen Bürger- und Menschenrechte habt wie die Männer!», hieß es in dem Aufruf. Das Kopftuch sei ein «Symbol der Frauenunterdrückung», so Deligöz. (nz)