26.10.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Die deutsche Botschaft im Irak
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der afghanische Handelsminister befürchtet nach der Leichenschändung durch deutsche Soldaten ähnliche Auswirkungen wie beim Karikaturen-Streit. Das Auswärtige Amt in Berlin reagierte prompt. Thema: Bundeswehr- Skandal Bundeswehr prüft Soldaten-Ausbildung «Soldatenfotos wirken wie Brandbeschleuniger» Auslandspresse: Ruf der Bundeswehr beschädigt Nato verurteilt Totenkopf-Fotos der Bundeswehr Sechs Männer wegen Schändung im Verdacht
Als Reaktion auf die Veröffentlichung der makabren Fotos von deutschen Soldaten mit einem Totenschädel hat das Auswärtige Amt seine Botschaften in der Region zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen. «Die Botschaften sind frühzeitig über die Bilder unterrichtet und sensibilisiert worden, damit sie die Sicherheitsmaßnahmen entsprechend anpassen konnten», sagte ein Sprecher des Ministeriums am Donnerstag in Berlin. Betroffen seien vor allem Vertretungen in der afghanischen Hauptstadt Kabul, aber auch in der gesamten Region des Nahen und Mittleren Ostens.
Die «Bild»-Zeitung hatte am Mittwoch die fünf Fotos veröffentlicht, auf denen Bundeswehrsoldaten in Afghanistan in teils obszönen Gesten mit Überresten eines Toten posieren. Der Vorfall hatte Sorge um die Sicherheit der deutschen Soldaten in Afghanistan ausgelöst.
Afghanischer Minister: «Tat einer kleinen Gruppe»Der afghanische Handelsminister Amin Farhang hielt es demnach für möglich, dass es zu einer Eskalation kommen könnte - wie im Streit um die Veröffentlichung von Karikaturen des Propheten Mohammed vor einigen Monaten. Damals hatte es weltweit gewaltsame Proteste gegeben. «Daraus könnte etwas werden wie bei den Karikaturen, auch wenn das nicht vergleichbar ist», sagte Farhang dem «Kölner Stadt-Anzeiger». «Die Afghanen sind da sehr empfindlich. Natürlich werden die Terroristen Propaganda machen», fügte der Minister hinzu.
Farhang selbst wandte sich aber dagegen, den Vorfall zu dramatisieren. «Die Tat ist schlimm, aber es ist die Tat einer kleinen Gruppe. Die hat mit der Bundeswehr überhaupt nichts zu tun», nahm er die deutschen Soldaten insgesamt in Schutz. Diese hätten «ihre Pflicht in den letzten Jahren ehrenhaft erfüllt».
«Tief betrübt»Zuvor hatte es in einer ersten offiziellen Reaktion der Regierung in Kabul geheißen: «Die Regierung und das Volk Afghanistans sind von der Nachricht über die Schändung eines menschlichen Schädels tief betrübt worden.» Das Außenministerium teilte in Kabul mit: «Das Ministerium und die Islamische Republik Afghanistan verurteilen die Tat scharf, die gegen islamische Werte und afghanische Traditionen verstößt.»
Man appelliere an die deutschen Behörden, den Vorfall - wie von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsminister Franz Josef Jung (beide CDU) versprochen - zu untersuchen, die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen und sicherzustellen, dass sich solche Zwischenfälle nicht wiederholen. Gewalttätige Proteste in der islamischen Welt wegen der Totenschändung wurden zunächst nicht bekannt.
Laut Angaben von Verteidigungsminister Jung sind mittlerweile sechs Verdächtige ermittelt, vier von ihnen seien nicht mehr bei der Bundeswehr. (nz)