Untersuchung zu Fall Kurnaz vereinbart
Das Verteidigungsministerium begann bereits, Soldaten zu befragen und wollte dazu einen Zwischenbericht vorlegen. «Selbstverständlich konnten in der Kürze der Zeit nicht alle Fragen erschöpfend und umfassend beantwortet werden», sagten die beiden verteidigungspolitischen Sprecher von Unions- und SPD-Fraktion, Siebert und Arnold. Deshalb hätten sich Union und SPD zu dem Schritt entschlossen, den Ausschuss in das Untersuchungsgremium umzuwandeln.
Bundeswehrsoldaten hätten dem Verteidigungsministerium in Berlin bereits Anfang 2002 von einem deutschsprachigen Gefangenen in Afghanistan berichtet. Diese Meldung über den Fall habe jedoch nicht die politische Spitze erreicht, hatte Ministeriumssprecher Thomas Raabe am Mittwoch bekannt.
Die Opposition will auf jeden Fall verhindern, dass Kurnaz sowie die Aktivitäten des KSK nur im Verteidigungsausschuss behandelt werden, der traditionell nicht öffentlich tagt. Der bestehende Untersuchungsausschuss zur Aufklärung der Aktivitäten des Bundesnachrichtendienstes reiche dafür aus, sagte Linksfraktionsvize Petra Pau dem Nachrichtensender N24.
Auch FDP und Grüne zeigten sich Skeptisch zu einer Untersuchung im Verteidigungsausschuss. Der stellvertretende Vorsitzende der Grünen- Bundestagsfraktion, Christian Ströbele, forderte von der Bundesregierung die Offenlegung aller Fakten im Fall Kurnaz. Die Regierung müsse die Soldaten benennen, die in Afghanistan gewesen seien und direkt mit Kurnaz zu tun hatten, sagte Ströbele dem Nachrichtensender n-tv. «Diese Soldaten müssen dann möglichst in einer öffentlichen Sitzung im Deutschen Bundestag aussagen.»
Die Aufklärungspolitik der Regierung sei bisher «eine Art Tarnen und Täuschen» gewesen. Zunächst sei geleugnet worden, dass überhaupt KSK-Leute in Afghanistan gewesen sind. «Jetzt wissen wir, das war doch so und es waren auch viele, die auch Kontakt und Sichtkontakt (hatten) und offenbar auch mit Kurnaz gesprochen haben», sagte Ströbele. (nz)

