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SPD-Linke gibt eigener Partei Schuld an Armut

14. Okt 2006 19:20
Ottmar Schreiner
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In der SPD ist ein parteiinterner Streit um den Umgang mit Verwahrlosung entbrannt. Der SPD-Linke Schreiner machte die eigene Partei für die Entstehung einer Unterschicht verantwortlich.

Der SPD-Linke Ottmar Schreiner hat der eigenen Partei vorgeworfen, Schuld am Entstehen einer gesellschaftlichen Unterschicht zu sein.

Mehr in der Netzeitung:
«Armut und soziale Ausgrenzung sind nicht über uns gekommen», sagte Schreiner dem «Tagesspiegel am Sonntag». «Sie sind das Ergebnis der Politik von Gerhard Schröder.» Besonders die «liberalistische» Hartz-IV-Arbeitsmarktpolitik des Ex-SPD-Bundeskanzlers habe dazu geführt, dass «Millionen Menschen keine Chance mehr haben, aus dem Niedriglohnsektor mit seinen Hungerlöhnen herauszufinden», sagte Schreiner.

SPD-Parteichef Kurt Beck hatte vor einer Woche auf eine wachsende Unterschichten-Problematik hingewiesen. Der Parteilinke Schreiner forderte ihn nun zum Umsteuern auf. Es sei «erschreckend, wie viele Menschen keine Perspektive mehr für sich sehen und resignieren».

Heil für «neue Philosophie»

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sagte in der selben Zeitung, gegen die Probleme der so genannten Unterschichten wolle die SPD «eine neue Philosophie» für den Sozialstaat erarbeiten. «Die neue Armut in unserem Land ist nicht nur materielle Armut», betonte er. Es sei auch eine Armut an Bildung, an Kultur, an Chancen auf ein gesundes Leben. Die SPD wolle «mit einem vorsorgenden Sozialstaat» mehr Lebenschancen schaffen: «Das soll sich auch in der Debatte um das Grundsatzprogramm der SPD niederschlagen und auch unsere Politik in der Bundesregierung prägen», kündigte Heil an.

Heil sagte aber, weder Beck noch die SPD machten sich den Begriff «Unterschichten» zu eigen. Es bestehe die Gefahr, dass Menschen dadurch «stigmatisiert» würden.

Zielgerichteter Sozialstaat

Er räumte ein, dass es Fehlentwicklungen im deutschen Sozialsystem gebe: «Die Art und Weise, wie wir heute den Sozialstaat organisieren, führt in vielen Bereichen nicht mehr dazu, dass wir die Gesellschaft durchlässiger machen», sagte der SPD-Politiker. Diese Einsicht bedeute keinesfalls eine generelle Absage an den Sozialstaat. Dieser müsse aber zielgerichteter eingreifen.

«Wir dürfen uns nicht auf materielle Transfers beschränken, sondern müssen die frühe Förderung von Bildung und Gesundheit gewährleisten», forderte Heil. «Das heißt beispielsweise, dass wir Vorsorge-Untersuchungen für Kinder verpflichtend machen und durch Anreize dafür sorgen, dass alle Eltern davon Gebrauch machen.»
Auch müssten die Kindergärten Schritt für Schritt beitragsfrei werden. (nz)

 
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