netzeitung.deGrüne kritisieren Warnsystem von der Leyens

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Renate Künast (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

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Für die Chefin der Grünen-Bundestagsfraktion, Künast, reicht das geplante Warnsystem zum Kinderschutz nicht aus. Städte und Gemeinden bräuchten eine bessere Ausstattung. Bremen kontrolliert indes alle Problemfamilien.

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast hat das Modellprojekt von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen zur Schaffung eines Frühwarnsystems für vernachlässigte Kinder kritisiert. «Was nützt ein Modellprojekt à la von der Leyen, wenn wir nicht an den Kern des Problems herangehen», schreibt Künast in einem Beitrag für die «Bild am Sonntag». Die Bundestagsabgeordnete forderte: «Das Kindeswohl muss in Deutschland immer vor Kassenlage gehen und vor falsch verstandenem Elternrecht.»

«Unsere Städte und Gemeinden brauchen Ausstattung und Strukturen, damit die Familien, die es benötigen, spätestens ab der Geburt der Kinder systematische Begleitung und Hilfe bekommen», schreibt die Grüne. Von der Jugendhilfe bis zur Polizei müsse ein gut funktionierendes Netzwerk aufgebaut werden.

Im Bremer Fall Kevin sieht sie Versäumnisse bei Beamten und Politikern. «Weder Behörden noch Politiker können sagen, sie hätten nichts gewusst. Trotz deutlicher Warnungen ließen sie den Jungen bei seinem Vater», kritisierte die Grünen-Politikerin. Sie forderte Beamte mit Zivilcourage, die sagten: «Dieses Kind kommt an einen geschützten Ort, ich überlasse es nicht der Bürokratie oder Pfennigfuchsern in meiner Behörde.» Künast kritisierte aber auch, dass Jugendämtern der Geldhahn zugedreht werde und die Mitarbeiter oft bis über ihre Grenzen belastet seien.

Warnsysten stößt auf Interesse
Von der Leyens angekündigtes Frühwarnsystem ist nach Angaben der CDU-Politikerin auf großes Interesse bei den Kommunen gestoßen. Der Tod des zweijährigen Kevin aus Bremen lasse niemanden kalt, der in der Familien- und Sozialpolitik eine verantwortliche Position habe, sagte von der Leyen dem «Tagesspiegel». Solche Fälle seien wahrscheinlicher, wenn Eltern sozial abrutschten. «Das Drama der Familien in sozial schwierigen Verhältnissen ist, dass sie isoliert sind, dass Bildung keinen Wert mehr hat und sie zwei bis drei Mal häufiger als andere Gruppen innerfamiliäre Gewalt erleben», sagte von der Leyen dem Blatt. «Diese Mischung ist für Kinder katastrophal.»

Weil diese Kinder unter Beziehungsleere, einem schlechten Gesundheitszustand und Bildungsarmut litten, müssten sie in eine beziehungsreiche Umgebung wie in Kinderkrippen oder Tagesstätten geholt werden.

Kontrolle für Problem-Kinder
In Bremen sollen indes in Folge des Tods des zweijährigen Kevin in den kommenden Tagen alle Problemfamilien kontrolliert werden. «Wir müssen wissen, wie es diesen Kindern geht», sagte Bürgermeister Jens Böhrnsen. Das dringend Notwenidge sei für Kevin nicht getan werden, räumte er im «Weser-Kurier» ein. «Man hätte regelmäßig das Kind besuchen und sich mit eigenen Augen überzeugen müssen, wie es ihm geht und wie es betreut wird.»

Das Jugendamt hatte Kevin von Geburt an überwacht, weil dessen drogenabhängige Mutter als gewalttätig galt. Sie starb im November 2005. Danach übernahm das Jugendamt die Vormundschaft für das Kind. Vergangenen Dienstag fanden Polizisten, die Kevin in Amtshilfe für das Jugendamt abholen sollten, den Jungen tot im Kühlschrank seines drogenabhängigen Vaters. (nz)