netzeitung.deSenatorin tritt wegen Kinderleiche zurück

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Zurückgetretene Bremer Sozialsenatorin Karin Röpke (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Zurückgetretene Bremer Sozialsenatorin Karin Röpke
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Bremer Sozialsenatorin Röpke gibt ihr Amt auf. Sie zieht Konsequenzen aus dem Fund einer Kinderleiche in einem Kühlschrank.

Die Bremer Sozialsenatorin Karin Röpke ist im Zusammenhang mit dem Fund eines toten Kindes zurückgetreten. Die SPD-Politikerin sagte am Mittwoch, sie übernehme die politische Verantwortung für den Fall. Der Junge stand seit 2005 unter der Vormundschaft des Jugendamtes, die Behörden hatten das Kind aber seit Juli nicht mehr gesehen.

Die Leiche des zweieinhalb Jahre alten Kevin in Bremen war in einem Kühlschrank entdeckt worden. Gegen den drogenabhängigen Vater wurde Haftbefehl wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen und Totschlags erlassen, wie die Polizei mitteilte.

Noch kein Ergebnis der Obduktion
Das Ergebnis der Obduktion der am Dienstag in der elterlichen Wohnung gefundenen Leiche des Kindes steht nach wie vor aus. Kevin stand unter der Obhut des Jugendamtes und sollte am Dienstag abgeholt werden.

«Wir haben hier unglaublich viele Fälle pro Sachbearbeiter», sagte Stern. Bei Drogenabhängigen sei aber ein «besonders waches Auge» gefragt. «Wenn die Eltern nicht entgiftet und clean sind, sollten die Kinder nicht bei ihnen leben.» Im aktuellen Fall hatten die Behörden darauf verwiesen, dass der Vater ein Methadon-Programm absolvierte.

Die Behörden in Bremen sind in dem Fall in die Kritik geraten. In der Hansestadt sei es offizielle Linie, Kinder eher bei ihren drogenabhängigen Eltern zu lassen, sagte die Leiterin des Bremer Kinderschutzzentrums, Petra Stern, in einem dpa-Gespräch. «Ich sehe die derzeitige Praxis mit großer Skepsis.» Sie favorisiere besonders im Fall von Heroinabhängigen wie Kevins Vater die Unterbringung der Kinder in Heimen oder bei Pflegefamilien.

Spuren von Mangelerscheinungen
«Das ist allerdings wesentlich teurer», sagte Stern. Die Idee hinter der Bremer Kinderschutzpolitik sei, dass süchtige Eltern besser als gar keine Eltern seien. Gerade Junkies hielten sich aber oft nicht an die Auflagen und Termine. «Man braucht viel Arbeitskapazität, um da hinterher zu sein.»

Polizisten und städtische Beamte hatten die Leiche des Kindes im Kühlschrank in der Wohnung des Vaters entdeckt, als sie ihm das Kind entziehen wollten. Ein Gericht hatte dies eine Woche zuvor angeordnet. Das Kind sei nicht erst in den vergangenen Tagen gestorben, hieß es. Den Ermittlern zufolge wies die Leiche des Kindes Spuren von Mangelerscheinungen auf. In den vergangenen Jahren mussten mehrere Kinder qualvoll an Mangelversorgung sterben.

«Es muss geklärt werden, in wiefern es in der zuständigen Behörde Fehleinschätzungen zu dem Fall gegeben hat», sagte Jugendamt-Leiter Jürgen Hartwig. Das Kind wurde seit seiner Geburt von der Jugendhilfe begleitet, da die Mutter dem Säugling gegenüber gewalttätig war. Das letzte Lebenszeichen des Kindes stammt vom Juli 2006, als ein Arzt das Kind gesehen hatte. Seitdem bekam es kein Mitarbeiter der Sozialbehörde mehr zu Gesicht. Zu der Frage, ob ein solcher Zeitraum für angemessen gehalten wird, machte das Ressort keine Angaben. (nz)