netzeitung.deCDU befürchtet Zweifel an Afghanistan-Einsatz

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Unionspolitiker Siebert (Foto: CDU Hessen<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Unionspolitiker Siebert
Foto: CDU Hessen
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Unions-Sicherheitspolitiker Siebert sieht nach dem Tod zweier Deutscher Journalisten die Akzeptanz für den Afghanistan- Einsatz der Bundeswehr schwinden. Sein SPD-Kollege Arnold kritisiert den Alleingang der Reporter.

Von Tilman Steffen

Der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Bernd Siebert (CDU), befürchtet nach dem gewaltsamen Tod zweier Journalisten im afghanischen Norden Akzeptanzprobleme für den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr. «Die Menschen in Deutschland fragen sich jetzt schon, ob die Arbeit der letzten Jahre erfolgreich war», sagte Siebert der Netzeitung. «Das ist schon ein Rückschlag.»

Die Bundeswehr hilft im Rahmen des Nato-geführten Isaf-Mission beim Wiederaufbau im afghanischen Norden und bei der Sicherung des Friedensprozesses in dem Land. Erst vor wenigen Tagen verlängerte der Bundestag den Einsatz der deutschen Soldaten.

Nach Ansicht von Sieberts SPD-Kollegen Rainer Arnold hätten die beiden, von Unbekannten erschossenen Journalisten nicht unbegleitet reisen sollen. «Nach allem, was bisher klar ist, waren sie allein unterwegs», sagte Verteidigungsexperte Arnold der Netzeitung. «Das ist sicher nicht ganz unproblematisch.» Sie hätten sich von Ortskundigen begleiten lassen müssen, um Risiken zu minimieren.

Drastische Zunahme
Der Vorfall mache deutlich, dass sich die «Risikolage auch im Norden Afghanistans verschärft» habe, so Siebert. Das sei seit Monaten zu beobachten. Der Aufenthalt im Land sei deshalb für Zivilisten wie Soldaten gefährlich.

Seit Jahresbeginn war die Zahl der Anschläge in Afghanistan drastisch angestiegen. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hatte vor Monaten angeordnet, dass Soldaten sich im Land nur noch in gepanzerten Fahrzeugen bewegen sollten.

Unübersichtliche Gemengelage
Die beiden freien Mitarbeiter der Deutschen Welle (DW), die 30-jährige Kölner Journalistin Karen F. und der 38-jährige Berliner Techniker Christian S., waren in der Nacht zum Samstag auf dem Weg von der nordafghanischen Provinz Baghlan in die Nachbarprovinz Bamian erschossen worden. Die radikalislamische Taliban bestritt eine Beteiligung noch am Samstag.

Als Motiv der Täter kommt für Arnold verschiedenes in Frage: «Im Norden Afghanistans haben wir eine Gemengelage, bei der man nicht weiß, ob so eine Tat einen terroristischen Hintergrund hat.»

Von Kugeln durchsiebt
Die Journalistin F. und der Techniker S. hielten sich zu Recherchen in Afghanistan auf, allerdings nicht im Auftrag der Deutschen Welle, wie der Sender mitteilte. Durch frühere längere Aufenthalte im Land waren sie mit den dortigen Gegebenheiten vertraut. DW-Intendant Erik Bettermann zeigte sich tief betroffen und betonte, beide hätten Pionierarbeit beim Wiederaufbau des Mediensystems in Afghanistan geleistet.

In Berichten hieß es, die Täter hätten die Reporter in ihrem Zelt, unweit der Wegstrecke, getötet. In anderen Berichten war von einem «von Kugeln durchsiebten» Fahrzeug die Rede.

Verbrecherische Tat
Im Gegensatz zu Siebert sah Arnold keine Auswirkungen des Vorfalls auf die Akzeptanz des Bundeswehreinsatzes. Die Deutschen wüssten, dass dieses Land gefährlich ist. Gefahr drohe dort Zivilisten wie Soldaten gleichermaßen.

Siebert verurteilte die Tötung der beiden Journalisten als «verbrecherische Tat, die sehr bedauerlich ist». Jedoch sei unerheblich, dass die Erschossenen Journalisten waren. «Das hätte jedem anderen auch passieren können.»

Hinweise auf Täter
FDP-Fraktionsvize Birgit Homburger teilte diese Einschätzung. Die beiden Getöteten seien «Opfer der Gesamtlage geworden», sagte sie der Netzeitung. Die «erschütternde Gewalttat zeigt, wie weit Afghanistan von Stabilität entfernt ist». Die Taliban erstarke, der Drogenanbau nehme zu. Alltagskriminalität präge die Situation. Die FDP-Sicherheitspolitikerin verteidigte den Einsatz deutscher Truppen in Afghanistan: «Die Bundeswehr trägt viel zu Stabilität im Norden Afghanistans bei». Wäre sie nicht dort, «sähe es im Land weitaus schlimmer aus.» Es sei richtig gewesen, den Einsatz zu verlängern. Afghanistan durch die Nato-Truppe beim Wiederaufbau zu unterstützen und die Sicherheit im Land zu schaffen, sei wichtig.

Unterdessen gibt es erste Hinweise auf die möglichen Täter. Der Gouverneur der nördlichen Provinz Baghlan, Sayed Ekram Masumi, teilte mit, fünf bis sechs Personen würden verdächtigt, in das Verbrechen verwickelt zu sein. Festnahmen gab es nach seinen Worten aber noch nicht.