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Deutsch-Syrer Tibi rechnet mit Deutschland ab

07. Okt 2006 12:47
Religionswissenschaftler Tibi
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Der Erfinder des Begriffs «Leitkultur», der Göttinger Religionswissenschaftler Tibi, spricht Deutschland die Integrationsfähigkeit ab. Bevor der Deutsch-Syrer sein Gastland verlässt, attackiert er noch einmal seine Kritiker.

Hintergrund:
Weil Deutschland Zugewanderten keine Identität ermögliche, will der aus Syrien stammende Islamwissenschaftler Bassam Tibi nach 44 Jahren Deutschland verlassen. Seinen Entschluss begründete er im Berliner «Tagesspiegel» mit bitteren Vorwürfen gegen die Integrationsfähigkeit der Deutschen: «Auf Dauer fühle ich mich fremd in diesem Land und werde entsprechend behandelt», schrieb Tibi, der den Begriff der Leitkultur geschaffen hat, in dem Beitrag unter der Überschrift «Warum ich gehe». Er wandere aus, weil er «dieses Fremdsein nach 44 Jahren nicht mehr ertrage», betonte Tibi.

Mehr in der Netzeitung:
Tibi beklagte, dass Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) die Debatte um Leitkultur neu beleben wolle, ohne seinen Namen zu nennen. Tibi zeigte sich verärgert darüber, dass die Kanzlerin ihn nicht zu ihrem Integrationsgipfel im Sommer eingeladen habe. Der Wissenschaftler attackierte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU), der einen «verhunzten deutschen Islam» dem europäischen Islam vorziehe – sicherlich mit Blick auf Schäubles kürzlich begonnene, auf zwei Jahre angelegte Islamkonferenz.

Kritik von Kollegen

«Ich habe es auch satt, ein 'Syrer mit deutschem Pass' zu sein, der seinem miesepetrigen Gastvolk dafür danken soll, dass ihm die Erfüllung des »deutschen Bürgertraums« gewährt wurde.» Aber das Leben eines Professors «an der Provinzuniversität Göttingen als 'deutschen Bürgertraum' zu bezeichnen, ist erbärmlich.»

Tibi klagt in dem Gastbeitrag zudem Kritik an seiner Arbeit als Religionswissenschaftler. Fachkollegen hätten ihn öffentlich als «als schwer integrierbar» und als «Schwachstelle» bezeichnet. Er frage sich auch, was er in einem Land noch solle, «wenn nach 40 Jahren des Schaffens an einem modernen Islam, an Konzepten der Integration und an einem zivilgesellschaftlichen Konsens meine Bücher als 'semi- wissenschaftlich' tituliert werden». In eine deutsche Professorenschaft komme man als Ausländer kaum je hinein, meint Tibi. (nz)

 
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