netzeitung.deBerliner Senat will «Idomeneo» zurück

 Herausgeber: netzeitung.de

Erhart Körting (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Erhart Körting
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Berliner Senat hat sich festgelegt. Er will, dass die aus Angst vor Islamisten abgesetzte Oper «Idomeneo» wieder gespielt wird. Die Opposition gibt Innensenator Körting persönlich Schuld an der Krise.

Der Berliner Senat hat angekündigt, so schnell wie möglich die Bedingungen für die Wiederaufnahme der Oper «Idomeneo» zu schaffen. «Berlin will diese Inszenierung», sagte Kultursenator Thomas Flierl (Linkspartei) am Mittwoch. Innensenator Erhart Körting (SPD), er selbst und der Berliner Ausländerbeauftragte Günter Piening seien sich in dieser Frage einig. An der Initiative sollten sich auch Kirchen und islamische Verbände beteiligen.

Die Deutsche Oper hatte eine moderne Inszenierung des Mozart-Werkes abgesetzt, weil die Polizei vor islamistischen Störungen warnte. Im Epilog der Aufführung präsentiert die Hauptfigur die abgeschlagenen Köpfe von Poseidon, Jesus, Buddha und des islamischen Propheten Mohammed.

Flierl hatte die Entscheidung der Intendantin Kirsten Harms zunächst unterstützt. Er sei von einem «Sicherheitsszenario» ausgegangen, das nicht der realen Bedrohung entsprochen habe, sagte er nun. «Man kann sich mit dieser Entscheidung nicht abfinden.»

«Panik», «Angst» und «Schrecken»
Körting räumte ein, dass es keine konkreten Hinweise auf eine Gefährdung gegeben habe. Allerdings sei das Landeskriminalamt (LKA) zum Schluss gekommen, dass eine Gefahrensituation eintreten könnte. Er sei es selbst gewesen, «der mit Frau Harms gesprochen hat und sie auf die Risiken hingewiesen hat». Die Berliner CDU warf Körting das ungerechtfertigte Schüren von Ängsten vor. «Körting hat übertrieben Panik verbreitet und Frau Harms damit in Angst und Schrecken versetzt», sagte Generalsekretär Frank Henkel. Der FDP-Partei- und Fraktionsvorsitzende Guido Westerwelle sagte, die politische Verantwortung liege klar bei Körting und den Sicherheitsbehörden.

Auch die Deutsche Oper äußerte Kritik an den Berliner Sicherheitsbehörden vor. Sie warf ihnen vor, angesichts der Gefährdungsanalyse die Intendantin Kirsten Harms «allein gelassen zu haben». Sie sei keine Expertin und könne daher auch nicht die wahre Bedrohung ermessen, sagte ein Opernsprecher.

Der Deutsche Bühnenverein teilte mit, es sei zwar Aufgabe des LKA zu beurteilen, ob die Gefährdungsanalysen Sicherheitsmaßnahmen erforderlich machten oder nicht. Eine solche Entscheidung könne aber nicht den betroffenen Theatern oder Konzertsälen überlassen werden. (nz)