Muslime in Europa
27. Sep 2006 14:32
Aus den unterschiedlichen Beziehungen zwischen Staat und Religion in den EU-Staaten folgen auch verschiedene Konzepte beim Umgang mit dem Islam. Die Netzeitung dokumentiert die Unterschiede.
Islam in Belgien anerkannt
Herkunftsländer der rund 400.000 Muslime in Belgien sind Marokko und die Türkei. Die Zahl der Moscheen beträgt 328, Imame gibt es schätzungsweise 300. Der Islam gehört in Belgien zu den vom Staat anerkannten Religionsgemeinschaften. Dies hat zur Folge, dass islamische Geistliche vom Staat bezahlt werden können. Bisher ist dies noch nicht der Fall, da das Vertretungsorgan Muslimexekutive zersplittert und zerstritten war. Das zuständige Justizministerium ordnete im vergangenen Jahr Neuwahlen zum Muslimrat an, der über die Zusammensetzung der Muslimexekutive entscheidet.
Frankreich finanziert «Rat der Muslime»
In seriösen Untersuchungen ist von 4,1 Millionen Muslimen in Frankreich die Rede, das entspricht einem Bevölkerungsanteil von acht Prozent. Die wichtigsten Herkunftsländer sind die ehemaligen Kolonien Algerien (1,5 Millionen), Marokko (eine Million), Tunesien (350.000) und Türkei (315.000). Es existieren etwa 1200 muslimische Gebetsstätten und Moscheen für Muslime, die von etwa 1500 Imamen betreut werden. Die Moschee von Paris hat über fünf Muftis die Aufsicht über etwa 150 Imame, die überwiegend vom algerischen Staat bezahlt werden. Vertretungsorgan ist der «Rat der Muslime in Frankreich», ein vom französischen Staat gelenktes Gremium. Der Muslimrat ist zuständig für muslimische Abteilungen auf Friedhöfen, Feiertage, Moscheebau und Ausbildung der Imame.
Großbritannien fördert Islamschulen
Nahezu zwei Drittel der bis zu 1,8 Millionen Muslime stammen aus Pakistan und Bangladesch. Seit 1998 können Islamschulen eröffnet werden, die auch öffentliche Förderung beanspruchen können. Inzwischen gibt es 80 private islamische Schulen. Die Zahl der Imame wird auf etwa 1.000 geschätzt, sie stammen zumeist aus den Herkunftsländern der britischen Muslime. Eine politische Interessenvertretung der muslimischen Minderheit ist der «Muslim Council of Britain», dem mehr als 250 muslimische Organisationen angehören. Daneben gibt es muslimische Parteien.
Zwei Ansprechpartner in den Niederlanden
In den Niederlanden leben rund 950.000 Muslime, davon 340.000 marokkanischer und 295.000 türkischer Herkunft. Es existieren rund 530 muslimische Organisationen. Jüngsten Studien zufolge sind nur ein Prozent der Muslime aus Marokko und sieben Prozent der türkischstämmigen Muslime organisiert. Die Zahl der Moscheen beläuft sich auf rund 450, es gibt etwa 500 islamische Geistliche. Zudem gibt es mehr als 30 Islamschulen. Ansprechpartner staatlicher Stellen sind das «Contactorgaan Moslims en Overheid», das rund 500.000 Muslime vertritt, sowie die «Contact Groep Islam», die für 115.000 Muslime, vorwiegend Aleviten und Schiiten, spricht.
Islamunterricht an Österreichs Schulen
Anders als in den meisten europäischen Ländern ist der Islam in Österreich bereits seit 1912 rechtlich anerkannt. Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich, die alle Glaubensrichtungen vertritt, hat den Status einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft und darf als offizielle Vertretung der Muslime islamischen Religionsunterricht an Schulen erteilen. (epd)