Islamische Spitzenverbände in Deutschland
27. Sep 2006 14:19
Die vier großen islamischen Spitzenverbände vertreten laut eigener Darstellung den Großteil der Moscheegemeinden. Die meisten Muslime sind jedoch nicht organisiert.
Türkisch-Islamischen Union (Ditib)
Der Türkisch-Islamischen Union - nach türkischer Abkürzung Ditib - gehören bundesweit mehr als 870 Mitgliedsvereine an, darunter 730 Moscheevereine. Die größte islamische Organisation hierzulande tritt laut Selbstdarstellung für einen weltoffenen und liberalen Islam ein. Organisatorisch ist die DITIB eng mit der staatlichen türkischen Religionsbehörde verbunden. So werden die rund 490 Imame, die in Ditib-Moscheen arbeiten, von der Regierung in Ankara bezahlt. Für Kirchen und Behörden ist die Ditib oft der bevorzugte Ansprechpartner auf islamischer Seite.
Islamrat
Der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland wirbt für eine Integration der Muslime in die deutsche Gesellschaft, bei der jedoch die islamische Identität gewahrt bleiben müsse. Dem Islamrat gehören nach eigenen Angaben 31 Mitgliedsorganisationen türkischer, bosnischer, arabischer, deutscher und anderer Muslime an. Insgesamt sind dem Dachverband nach eigenen Angaben 550 bis 600 Moscheevereine angeschlossen. Mit Abstand größtes Einzelmitglied ist die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG), die vom Verfassungsschutz als islamistische Organisation eingestuft und beobachtet wird.
Zentralrat der Muslime
Kleinster unter den islamischen Spitzenverbänden in Deutschland ist der Zentralrat der Muslime in Deutschland. Ihm gehören 19 Verbände und Organisationen deutscher, türkischer, arabischer, bosnischer und iranischer Muslime mit zahlreichen Moscheen an. Der Verband sieht sich als «Diskussions- und Handlungsebene» seiner Mitglieder. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 hatte der Zentralrat eine «Islamische Charta» verabschiedet, in der sich die Muslime zu Demokratie und Menschenrechten bekannten. Einzelne Mitgliedsorganisationen - nicht der Zentralrat als Ganzes - werden allerdings von den Verfassungsschutzbehörden beobachtet, weil sie der islamistischen Muslimbruderschaft nahe stehen sollen.
Verband der Islamischen Kulturzentren
Trotz seiner Größe tritt der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) öffentlich wenig in Erscheinung. Der türkisch-islamischen Organisation, die wie alle anderen Verbände ihren Hauptsitz in Köln hat, gehören bundesweit mehr als 300 Moscheegemeinden an. Der VIKZ war Mitbegründer des Zentralrats, schied aber im Jahr 2000 aus. Besonders Gewicht legt der Verband auf die religiöse Ausbildung durch Korankurse. Der Verband bildet einen Teil seiner Imame in Deutschland aus. (epd)