Merkel kritisiert Opern-Absetzung27. Sep 2006 07:31, ergänzt 10:35  |  Szene aus der Oper 'Idomeneo' an der Deutschen Oper Berlin (Probenfotos vom 11.03.2003) | Foto: dpa |
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Kanzlerin Merkel hält die Absage von «Idomeneo»-Aufführungen an der Deutschen Oper wegen befürchteter islamistischer Proteste für falsch. Auch Bundestagspräsident Lammert kritisierte die Absetzung der Inszenierung.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Absetzung der Mozart-Oper «Idomeneo» aus Angst vor islamistischen Anschlägen scharf kritisiert. «Wir müssen aufpassen, dass wir nicht aus Angst vor gewaltbereiten Radikalen immer mehr zurückweichen. Selbstzensur aus Angst ist nicht erträglich», sagte Merkel der in Hannover erscheinenden Tageszeitung «Neuen Presse».
Zulässig sei Selbstbeschränkung nur, «wenn sie aus Verantwortung im Rahmen eines echten, vollkommen gewaltlosen Dialogs der Kulturen folgt».Die Deutsche Oper Berlin hatte die Inszenierung, in der König Idomeneo neben Jesus, Buddha und Poseidon auch den abgeschlagenen Kopf von Mohammed präsentiert, aus Angst vor islamistischen Anfeindungen abgesetzt. Merkel äußerte sich vor der ersten deutschen Islam-Konferenz in Berlin, bei der die Bundesregierung das Verhältnis von Muslimen und Nichtmuslimen auf eine tragfähige Grundlage stellen will.
 |  Norbert Lammert | Foto: dpa |
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Vor Beginn der Konferenz im Berliner Schloss Charlottenburg rief Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) den Westen dazu auf, seine eigenen Werte nicht aufzugeben. Bei der Konferenz müsse deutlich werden, welche verfassungsmäßigen Grundlagen in Deutschland bestünden, sagte der CDU-Politiker im Deutschlandfunk. In diesem Zusammenhang kritisierte er die Absetzung der Oper «Idomeneo» in Berlin. In der islamischen Welt sei der Respekt vor der westlichen Zivilisation zurückgegangen, weil dort der Eindruck entstanden sei, diese Kultur stehe nicht mehr zu sich selbst, betonte Lammert. Für das Zusammenleben mit Muslimen sei es dringend nötig, Vereinbarungen über den Islamunterricht an deutschen Schulen sowie über die Ausbildung von Imamen in Deutschland zu treffen.
 |  Maria Böhmer | Foto: dpa |
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Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, nannte die Absetzung der Mozart-Oper fatal. «Es besteht wieder die Gefahr, dass die Muslime unter generalverdacht geraten. Zugliche wird die Freiheit der Kunst gefährdet», sagte die CDU-Politikerin der «Bild»-Zeitung. All dies schade dem Dialog der Kulturen.
 |  Dieter Wiefelspütz | Foto: dpa |
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Der SPD-Politiker Dieter Wiefelspütz sagte, die Intendanz der Deutschen Oper blamiere sich grenzenlos. «Idomeneo ist als Oper Weltklasse. Die Entscheidung der Intendantin ist nicht einmal Kreisklasse», sagte der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion den «Ruhr Nachrichten». Wenn akute Gründe vorlägen, müsse möglicherweise eine Opernaufführung abgesagt oder auch ein Flug storniert werden. Er könne diese Gefahr in diesem Fall aber nicht erkennen. «Wenn nicht einmal mehr die Intendantur eines Opernhauses für die Freiheit der Kunst ficht und streitet, wer soll das denn sonst tun?» Hier fehle ein Mindestmaß an Zivilcourage, kritisierte Wiefelspütz.Der bayerische Innenminister Günther Beckstein mahnte, die Achtung religiöser Gefühle von Minderheiten dürfe nicht zu einer übertriebenen Selbstbeschränkung der Meinungsäußerung und Kunstfreiheit führen. Die Absetzung der Mozart-Oper sei ein trauriger Beleg dafür, dass die islamistisch-extremistische Agitation gegen die Meinungsfreiheit offenbar bereits Wirkung zeige, sagte der CSU-Politiker der «Frankfurter Rundschau». Er betonte, unter Integration verstehe er nicht, «unsere Rechts- und Werteordnung zu Gunsten der Scharia aufzugeben». Der Schlüssel zum Integrationserfolg seien vielmehr deutsche Sprachkenntnisse und ein Bekenntnis zur deutschen Rechts- und Werteordnung. «Da ist kein Platz für Multi-Kulti-Träume oder Sozialromantik», sagte der Minister.
 |  Angela Merkel | Foto: dpa |
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Kanzlerin Merkel wies indessen Kritik der Islamverbände an der Auswahl der Teilnehmer an der deutschen Islam-Konferenz als «nicht nachvollziehbar» zurück. Der Dialog mit dem Islam sei notwendig und wichtig, betonte sie. «Es war eine richtige Entscheidung, dass wir das Thema Integration von der speziellen Frage des Dialogs mit dem Islam getrennt haben.»
 |  Aiman Mazyek | Foto: dpa |
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Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, warnte im Vorfeld der Konferenz vor zu hohen Erwartungen. Es werde keine «Schönwetterveranstaltung» geben, sagte er und äußerte Skepsis, ob es zu dem angekündigten Gesellschaftsvertrag zur Integration des Islams kommen werde. Gleichwohl begrüßte Mazyek, dass die Bundesregierung endlich mit den Muslimen spreche und nicht nur über sie. (nz)
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