netzeitung.deCDU will Sprachtest für Vierjährige

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CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla
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Der CDU-Bundesvorstand plant, mit Sprachtests und Förderung die Zukunftschancen von Kindern zu verbessern. Er greift damit einen alten Vorschlag von SPD-Vizekanzler Müntefering auf. FDP und Grüne kritisierten die Pläne.

Mit einem obligatorischen Sprachtest für alle Vierjährigen will die CDU die Zukunftschancen von Kindern aus bildungsfernen Familien verbessern. Fällt der Test negativ aus, soll es im Kindergarten eine verpflichtende Sprachförderung geben.

Das sieht ein Leitantrag für den Dresdner Parteitag Ende November vor, der vom CDU-Bundesvorstand einstimmig beschlossen worden ist. Generalsekretär Ronald Pofalla und Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen stellten das von einer Fachkommission der CDU erarbeitete Papier am Montag in Berlin vor. Darin plädiert die CDU dafür, bei der Sprachförderung das Elternhaus intensiv einzubeziehen, und zwar ausdrücklich nicht nur bei Familien mit Migrationshintergrund.

In dem Papier stellt die Kommission einen engen Zusammenhang zwischen einem geringen Bildungsgrad des Elternhauses und der Wahrscheinlichkeit für eine ausreichende Förderung des Kindes sowie für einen Kindergartenbesuch fest. Die Verbindung von geringem sozialem Status und Migrationshintergrund verringere die Wahrscheinlichkeit für einen Kindergartenbesuch nochmals erheblich.

Ohne vorherige Förderung aber hätten Kinder aus einem solchen familiären Umfeld beim Schulbeginn hochproblematische Startbedingungen. Negative Lernerfahrungen, frühzeitige Versagensängste und Frustration seien nahezu unausweichlich.

Normen früh vermitteln
Den Bundesländern empfiehlt die Kommission unter Vorsitz von von der Leyen eine Umschichtung der Bildungsfinanzierung: Es müsse mehr Geld auf die frühkindliche Bildung und den Kindergartenbesuch und weniger auf den Hochschulbereich konzentriert werden. Mittelfristig solle der Kindergartenbesuch gratis sein.

Nachdrücklich plädiert die Kommission dafür, dass gemeinsame Normen und Werte bereits in Kindergarten und Schule vermittelt werden. Wer seine religiösen und kulturellen Wurzeln nicht kenne, besitze weder ein verlässliches Wertefundament für sein Leben noch die Fähigkeit zur Integration und zur Toleranz. Daher brauche man neben der festen Verankerung des christlichen Religionsunterrichts in den Schulen auch Religionsunterricht in anderen Weltreligionen, «insbesondere des Islam, der an öffentlichen Schulen in deutscher Sprache, unter deutscher Schulaufsicht und mit in Deutschland ausgebildeten Lehrern erteilt wird».

Der heutige Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) hatte bereits im Januar 2005 in einem Brief an alle SPD-Vorstandsmitglieder gefordert, einen verpflichtenden Sprachtest bei allen Vier- bis Fünfjährigen durchzuführen. Um die Integration von Ausländern zu fördern, plante auch Müntefering, wer den Test nicht bestehe, solle an einem «verbindlichen Sprachkurs» teilnehmen, der die Kinder auf den Schulbeginn vorbereite.

Bei FDP und Grünen stieß das neue CDU-Papier auf Kritik. Die kinder- und jugendpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion im Bundestag, Miriam Gruss sagte, der Bericht sei vom einem «seltsamen Widerspruch zwischen moderner Familienpolitik und urkonservativem Werteverständnis» geprägt. Ekin Deligöz, kinderpolitische Sprecherin der Grünen, forderte einen Rechtsanspruch auf Betreuung für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr. (nz)