CDU will Sprachtest für Vierjährige
11.09.2006
Herausgeber: netzeitung.de
In dem Papier stellt die Kommission einen engen Zusammenhang zwischen einem geringen Bildungsgrad des Elternhauses und der Wahrscheinlichkeit für eine ausreichende Förderung des Kindes sowie für einen Kindergartenbesuch fest. Die Verbindung von geringem sozialem Status und Migrationshintergrund verringere die Wahrscheinlichkeit für einen Kindergartenbesuch nochmals erheblich.
Ohne vorherige Förderung aber hätten Kinder aus einem solchen familiären Umfeld beim Schulbeginn hochproblematische Startbedingungen. Negative Lernerfahrungen, frühzeitige Versagensängste und Frustration seien nahezu unausweichlich.
Nachdrücklich plädiert die Kommission dafür, dass gemeinsame Normen und Werte bereits in Kindergarten und Schule vermittelt werden. Wer seine religiösen und kulturellen Wurzeln nicht kenne, besitze weder ein verlässliches Wertefundament für sein Leben noch die Fähigkeit zur Integration und zur Toleranz. Daher brauche man neben der festen Verankerung des christlichen Religionsunterrichts in den Schulen auch Religionsunterricht in anderen Weltreligionen, «insbesondere des Islam, der an öffentlichen Schulen in deutscher Sprache, unter deutscher Schulaufsicht und mit in Deutschland ausgebildeten Lehrern erteilt wird».
Der heutige Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) hatte bereits im Januar 2005 in einem Brief an alle SPD-Vorstandsmitglieder gefordert, einen verpflichtenden Sprachtest bei allen Vier- bis Fünfjährigen durchzuführen. Um die Integration von Ausländern zu fördern, plante auch Müntefering, wer den Test nicht bestehe, solle an einem «verbindlichen Sprachkurs» teilnehmen, der die Kinder auf den Schulbeginn vorbereite.
Bei FDP und Grünen stieß das neue CDU-Papier auf Kritik. Die kinder- und jugendpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion im Bundestag, Miriam Gruss sagte, der Bericht sei vom einem «seltsamen Widerspruch zwischen moderner Familienpolitik und urkonservativem Werteverständnis» geprägt. Ekin Deligöz, kinderpolitische Sprecherin der Grünen, forderte einen Rechtsanspruch auf Betreuung für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr. (nz)

