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Schutz für Frauenrechtlerin Ates gefordert

04. Sep 2006 22:00
Seyran Ates
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Mit Bestürzung haben Politiker zur Kenntnis genommen, dass die Rechtsanwältin Ates ihren Beruf nach Drohungen aufgegeben hat. Die Forderungen reichen von einer Überprüfung des Zeugenschutzprogramms bis hin zu Bodyguards.

Dass die türkischstämmige Berliner Frauenrechtlerin und Anwältin Seyran Ates ihren Beruf aufgegeben hat, hat Politiker aller Parteien bewegt. Ates hatte kürzlich aus Angst um ihr Leben ihre Anwaltszulassung zurückgegeben und ihre Kanzlei aufgelöst.

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Die Berliner Justizsenatorin Karin Schubert (SPD) will den Fall nun zum Anlass nehmen, das Zeugenschutzprogramm zu überprüfen. Wenn Ates bedroht werde, sei sie selbst Opferzeugin und nicht Anwältin, sagte die SPD- Politikerin am Montag im Radio Multikulti. Schubert sagte, es müsse alles getan werden, damit Ates nicht aufgebe.

Vorbild für muslimische Frauen

Auch nach Ansicht der Grünen muss darüber nachgedacht werden, wie Frauen wie Ates besser geschützt werden können. Es sei bestürzend, wenn eine mutige Kämpferin für Frauenrechte aufgebe, weil sie sich nicht mehr genügend geschützt fühle, erklärten die Fraktionsvorsitzende im Abgeordnetenhaus, Sibyll Klotz, und die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen im Bundestag, Irmingard Schewe-Gerigk.

Die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) forderte Personenschutz für die Rechtsanwältin. Frauen wie Ates, die sich nie gegen ihre Ursprungskultur gestellt hätten und das Leben in zwei Kulturen vorlebten, seien eminent wichtig für die Integration vor allem muslimischer Frauen, sagte Süssmuth dem «Tagesspiegel». «Wenn sie sich jetzt zurückzieht, haben diejenigen gewonnen, die sie bedrohen. In diesem Moment hat eine demokratische Gesellschaft unter Beweis zu stellen, dass sie nicht zurückweicht.»

Zusagen für Schutz gefordert

Die Juristin hat bundesweit einen Namen als Kämpferin für die Rechte muslimischer Frauen. Sie nahm öffentlich gegen Zwangsverheiratungen und so genannte Ehrenmorde Stellung. Nach eigenen Angaben litt sie zunehmend unter Bedrohungen durch Männer ihrer Mandantinnen. Sie will sich aber weiter politisch engagieren.

Der Berliner Anwaltsverein und der Deutschen Juristinnenbund (djb) boten ihr Hilfe bei der Wiederaufnahme ihrer Anwaltstätigkeit an. Beide wollen nun eine Anwaltssozietät suchen, die Ates aufnimmt. Der djb verlangte konkrete Zusagen seitens der zuständigen Behörden, wie sie Ates schützen würden, um ihr die Wiederaufnahme ihrer Arbeit zu ermöglichen.

Innensenator Ehrhart Körting (SPD) appellierte Presseberichten zufolge an türkische Verbände, aktiv zu werden und Unterdrückungsmechanismen bis hin zur Bedrohung nicht zuzulassen. Auch die Islamische Religionsgemeinschaft in Berlin schloss sich Appellen an, für ein Klima zu sorgen, in dem Frauen wie Ates unbedroht arbeiten können. (nz)

 
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