Muslime brauchen Politik der Anerkennung
Bisher haben wir uns in Deutschland relativ sicher vor islamistischen Terror gefühlt - bis die Pläne der so genannten Kofferbomber von Köln bekannt wurden. Nun mussten wir auf erschreckende Weise erfahren, dass dieser Terrorismus keine Grenzen kennt. Wir haben es mit einem internationalen und globalisierten Phänomen zu tun, das sich auch direkt vor unserer Haustür in Köln-Ehrenfeld, einnisten kann.
Verständlich und richtig ist es angesichts dieser Bedrohung, wenn sich Politiker aller Couleur Gedanken darüber machen, welche Maßnahmen angesichts der Bedrohung ergriffen werden müssen. Fundamentalismus und Extremismus zu bekämpfen ist die oberste Pflicht einer wehrhaften Demokratie - so viel steht fest.
Überreaktionen aber sind wenig hilfreich - vor allem wenn sie zu einem «Generalverdacht» gegen alle Muslime in Deutschland und Europa führen. Ein solcher aber scheint in Teilen der Bevölkerung vorhanden zu sein. Das Misstrauen richtet sich vor allem gegen diejenigen, die «islamisch» aussehen. Sie sind in Gefahr, auf der Straße beleidigt oder gar angegriffen zu werden. Dabei wird aber leicht vergessen, dass die meisten bisher gefassten Terroristen überhaupt nicht muslimisch gekleidet waren.
Angesichts der vereitelten Terroranschläge steht aufs Neue die Forderung im Raum, die Muslime in Deutschland sollten sich aktiv von Terror und Extremismus abgrenzen. Damit wird unterstellt, die Mehrheit der Muslime in Deutschland stünde nicht auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall: wie in der Mehrheitsbevölkerung so ist auch bei den Muslimen nur ein verschwindend geringer Anteil der Menschen dem Extremismus zuzuordnen.
Um dieser kontraproduktiven Polarisierung etwas entgegenzusetzen ist es zunächst notwendig, dass wir uns klar machen, dass der Islam und die Muslime in Deutschland in mehrfacher Hinsicht kein homogener Block sind. Im deutschen Islam gibt es viele verschiedene Glaubensrichtungen, und die Vielfalt des Islam ist so groß wie die Vielfalt der Kulturen, aus denen die Muslime stammen.
Auf diese Differenzierung aufbauend, sollten wir der Polarisierung etwas entgegen setzen. Wir brauchen eine Politik der Anerkennung für die Muslime. Aber auch diese wäre kein Allheilmittel gegen den Terrorismus: der islamistische Terror würde auch dann nicht aufhören, wenn der Islam in Deutschland dem Christen- und Judentum rechtlich gleichgestellt würde. Einen solchen kausalen Zusammenhang herzustellen ist allzu simpel. Wer den Terrorismus bekämpfen will, muss nach ideologischen, psychologischen und ökonomischen Gründen zugleich fragen.
Denn - und da ist nichts zu beschönigen - diese Rattenfänger, die islamischen Hassprediger gibt es auch in Deutschland. Ihr schädliches Wirken und ihr Einfluss muss begrenzt werden. Hier sind neben dem Verfassungsschutz die muslimischen Dachverbände in der Pflicht. Denn die Hassprediger verkünden ihre Botschaft nicht im Nirgendwo, sondern in Moscheevereinen, von denen einige Mitglieder dieser Dachverbände sind.
Auch wenn es sich bei alle dem um eine verschwindend geringe Minderheit und um schwarze Schafe handelt: Wir dürfen sie nicht länger tolerieren und die muslimischen Dachverbände müssen - jenseits von pauschalen Vorverurteilungen - Antworten darauf finden, wie sie mit Fanatikern und Extremisten in ihren Reihen umgehen wollen. Denn eins muss uns allen klar sein: dort wo die Religion die Demokratie bedroht, hört sie auf Privatsache zu sein.
Der Terrorismus bedroht uns alle. Die Terroristen haben bei ihren Anschlägen nie nach der Religionszugehörigkeit ihrer Opfer unterschieden. Wir sitzen alle im gleichen Boot!

