«Terroristen outen sich nicht in Moscheen»
21. Aug 2006 14:35, ergänzt 15:38
 |  Burhan Kesici | Foto: Privat |
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Die Forderung nach einer strengeren Kontrolle muslimischer Studenten hält der Vizepräsident der Islamischen Föderation in Berlin für sinnlos. Denn Terroristen zeichne aus, dass sie nicht im Vorhinein zu entdecken sind.
Der Vizepräsident der islamischen Föderation in Berlin, Burhan Kesici, hat den Ruf nach einer stärkeren Kontrolle von muslimischen Studenten aus den Reihen der CDU zurückgewiesen. «Solche Forderungen zeigen, dass Politiker beim Thema Terrorbekämpfung einfach überfordert sind und von falschen Gegebenheiten ausgehen», sagte Kesici der Netzeitung.
Eine stärkere Überprüfung muslimischer Studenten aus «Krisengebieten im Nahen Osten», wie sie der brandenburgische CDU-Generalsekretär Sven Petke im Gespräch mit der Netzeitung gefordert hat, sei nicht machbar: «Der Weg zur Radikalisierung ist lang und nicht Jahre vorher schon zu kontrollieren», sagte er.Im Fall des Kieler Studenten könnte es sich auch um eine relativ spontane Aktion gehandelt haben. Kesici bezog sich dabei auf Berichte, nach denen der am Sonntag dem Ermittlungsrichter vorgeführte Verdächtige Familienbindung im Libanon habe und möglicherweise einer seiner Verwandten im Konflikt mit Israel umgekommen sei.
«Wut über Ungerechtigkeit»
In muslimischen Kreisen sei insbesondere beim Thema Libanon-Konflikt eine gesteigerte «Wut über die Ungerechtigkeit» spürbar, sagte Kesici. Es würde verstärkt diskutiert, wie es zu dem Konflikt gekommen sei und warum dabei Zivilisten sterben mussten.Den Vorwurf Petkes, die islamischen Organisationen seien bei diesem Problem keine Hilfe, wies er von sich: «Terroristen outen sich nun einmal nicht in Moscheen.» Zugleich kritisierte er, dass nur wenige Politiker tatsächlich von sich aus mit islamischen Organisationen das Gespräch suchen würden.
«Knallhart» einschreiten
Auch CSU-Generalsekretär Markus Söder forderte die muslimischen Organisationen am Montag in Deutschland auf, sich «glasklar» von den Anschlagsversuchen zu distanzieren. Führungskräfte in Moscheen und muslimischen Organisationen müssten gegen extremistische Tendenzen «knallhart einschreiten», verlangte er.Petke hatte zuvor in der Netzeitung das «enorme Sicherheitsleck» in Hochschulen kritisiert. Die Frage, wer in Deutschland studieren dürfe, müsse restriktiver behandelt werden, sagte er. Auf die Hilfe deutsche Muslime zu setzen, sei nicht sinnvoll, weil von ihnen «keinerlei Hilfe» komme. Stattdessen müsse jetzt eine «Wanderungsbewegung von potenziellen Terroristen an unsere Hochschulen» verhindert werden.
Griff in die Mottenkiste
Die Grünen-Chefin Claudia Roth kritisierte indes die Forderungen der Union nach mehr Videoüberwachung, bewaffneten Zug-Kontrolleuren und ähnlichem als «sicherheitspolitische Ladenhüter aus der Mottenkiste». Der Fahndungserfolg in Kiel beweise doch gerade, «dass der Rechtsstaat bereits heute erfolgreich aufklären kann». Der «reflexartige Versuch von Unionspolitikern, angesichts des Fahndungserfolgs Angst zu schüren und den weiteren Abbau von Bürgerrechten zu fordern», sei nicht nachvollziehbar. Mit überhöhten Forderungen nach mehr Sicherheit kapituliere die Union «vor einem Terrorismus, der unseren offenen Rechtsstaat aushebeln will und gefährdet eine effiziente Terrorismusbekämpfung», ergänzte sie. Es gebe kein sicherheitspolitisches Allheilmittel.
Für das Web ediert von Ann Kathrin Sost