netzeitung.deKanzlerin Merkel begeistert Präsident Bush

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Merkel und Bush auf dem Alten Markt in Stralsund (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Merkel und Bush auf dem Alten Markt in Stralsund
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Gegenseitiges Lob und gemeinsame Interessen - Deutschland und die USA haben am Donnerstag im Wahlkreis der Kanzlerin Einigkeit demonstriert. Tausende Protestierten gegen den Staatsgast.

Geschützt durch den teuersten Polizeieinsatz der Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns, haben US-Präsident George W. Bush und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag Einigkeit demonstriert. Beide betonten beim Besuch Bushs in der Hansestadt Stralsund, gemeinsam globale Krisen bewältigen zu wollen, darunter der eskalierende Nahost-Konflikt sowie der Streit über Irans Atomprogramm.

«Wir haben gemeinsame Werte und gemeinsame Interessen», sagte Bush nach einem Gespräch mit der Kanzlerin. Beide zeigten sich besorgt über die Konfrontation zwischen Israel und dem Libanon, aber auch über den Atomstreit mit Teheran, dessen Lösung mit der Überweisung an den UN-Sicherheitsrat erneut stockt.

Bereits bei der Ankunft Bushs in Merkels Wahlkreis in Mecklenburg- Vorpommern bekräftigten der Präsident und die Kanzlerin demonstrativ das enge Verhältnis von USA und Deutschland. «Wir können zusammen so viel erreichen, wenn Amerika und Deutschland Seite an Seite stehen», sagte Bush vor mehreren hundert ausgewählten, applaudierenden Menschen auf dem Alten Markt der Hansestadt. Bush ist wenige Tage vor dem G8-Gipfel der sieben größten Wirtschaftsnationen und Russlands St. Petersburg zum dritten Mal in Deutschland.
Bush mahnt Israel zur Vorsicht
Nach dem rund einstündigen Gespräch im Amtszimmer des Stralsunder Oberbürgermeisters Harald Lastovka (CDU) bekräftigten Bush und Merkel ihre ablehnende Haltung zum iranischen Atomprogramm.

Nachdem die UN-Vetomächte und Deutschland sich entschlossen hatten, den Konflikt erneut an den Sicherheitsrat zu überweisen, forderten beide den Iran abermals zur Kooperation auf. «Die Tür ist nicht zu», sagte die Kanzlerin.

Im Nahost-Konflikt verteidigten beide zwar das militärische Vorgehen Israels im Libanon, warnten aber zugleich vor einer Schwächung der demokratischen Regierung in Beirut. «Israel hat das Recht, sich zu verteidigen. Jede Nation muss sich verteidigen gegen terroristische Angriffe», betonte Bush. Was auch immer Israel tue, es dürfe nicht dazu führen, dass die Regierung im Libanon geschwächt werde. Der Präsident fordert auch Syrien auf, bei der Deeskalation zu helfen.

Ehepaar auf Mittelalter-Tour
Kanzlerin Merkel forderte, die dass die libanesische Hisbollah die entführten israelischen Soldaten freilasse und den Raketenbeschusses auf Israel beende. Israel hatte zuletzt seine am Mittwoch begonnene Militäroffensive im Süden des Libanons fortgesetzt und am Donnerstag auch den Flughafen von Beirut bombardiert. Der US-Präsident sprach von einer «sehr traurigen Lage». Es gebe allerdings nach wie vor gute Chancen für eine Zwei-Staaten-Lösung.

Am Mittag setzte Bush gemeinsam mit seiner Frau das Besuchsprogramm fort. Das Präsidentenpaar besichtigte die historische Nikolaikirche am Alten Markt. Der Bau wurde im 13. Jahrhundert begonnen – für US-Amerikaner eher ungewohnt, ist doch Architektur in den Vereinigten Staaten kaum älter als 300 Jahre. Mit dabei waren unter anderen auch US-Außenministerin Condoleezza Rice und ihr deutscher Amtskollege Frank-Walter Steinmeier (SPD). Die Kirche, durch die der örtliche Pfarrer die prominenten Gäste führe, gilt als eines der schönsten Sakralgebäude im nördlichen Europa.
Blauer Himmel und Fahnen
In ihrer Begrüßungsrede am Morgen auf dem Alten Markt in Stralsund hatte Merkel an die Hilfe der USA bei der Wiedervereinigung erinnert: «Wir haben den Vereinigten Staaten viel zu verdanken, dass wir in Frieden und Freiheit heute gemeinsam in einem Land, in Deutschland, leben können», sagte die Kanzlerin.

In seiner Erwiderung - in der er auf Deutsch die Bürger mit den Worten «Guten Morgen» begrüßte - lobte Bush Merkel in den höchsten Tönen: «Ich bin sehr stolz, sie einen guten Freund nennen zu können (...) Ich habe Achtung vor ihrem Urteilsvermögen und lege Wert auf ihre Meinung.» Merkel habe eine kühne Vision, «ein Herz voller Demut» und sei «auch bereit, harte Entscheidungen zu treffen». Schon bei einem Merkel-Besuch in Washington hatte der Präsident die Kanzlerin ausführlich gelobt.


Menschenmenge mit US-Fahnen
Unter strahlend blauem Himmel schwenkte die von historischen Bürgerhäusern eingerahmte Menschenmenge US-Fahnen und applaudierte Gast und Gastgeberin. Während des Besuchs gilt die höchste Sicherheitsstufe. 12.500 Polizisten sind im Einsatz, ein Großteil davon aus anderen Bundesländern und vom Bundeskriminalamt. Die Kosten allein für den Polizeieinsatz summieren sich auf bis zu 20 Millionen Euro.

Rund 3500 Menschen nahmen an den Gegenveranstaltungen zum Bush-Besuch teil, wie eine Polizeisprecherin sagte. Zum Protestprogramm gehörten ein Straßenfest, ein Demonstrationszug und eine Kundgebung, zu der sich rund 700 Bush-Gegner versammelten. Die Veranstalter sprachen Auf Nachfrage der Netzeitung von insgesamt 3000 bis 4000 Teilnehmern - fast soviele wie erwartet. Unter den Rednern war auch der stellvertretende Ministerpräsident Wolfgang Methling (Linkspartei).

Rot-Rot verstimmt
Um die Beteiligung von Kabinettsmitgliedern an den Protesten der Bush-Gegner hatte es Missstimmung innerhalb der im Land regierenden rot-roten Koalition gegeben. Die Bundes-CDU hatte Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD) gar Führungsschwäche vorgeworfen.

Für Überraschungen, vor allem bei der Polizei, sorgte die Umweltschutzorganisation Greenpeace: Aktivisten drangen in die Sperrzone ein und entrollten vom Turm der Nikolaikirche ein Banner mit der Aufschrift «No Nukes - No War - No Bush». 13 Personen wurden vorübergehend festgenommen. Greenpeace gelang es zudem, an der Marienkirche, an einer Brücke und an anderen Orten mit Transparenten gegen Bushs Umwelt- und Sicherheitspolitik zu protestieren.
Bush will die Sau anstechen
Für den Abend ist im Dorf Trinwillershagen zwischen Rostock und Stralsund ein Grillfest zu Ehren des Präsidenten geplant. Für Bush Grund zu besonderer Vorfreude: «Ich habe wahrscheinlich die große Ehre, die Wildsau dann anstechen zu dürfen.» (nz)