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Rechte inszenieren Bücherverbrennung

04. Jul 2006 16:32
Erst zerfleddert, dann verbrannt: das 'Tagebuch der Anne Frank'
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Ein Sonnenwendfeuer in Sachsen-Anhalt – dann flog ein zuvor mit Fußtritten malträtiertes Exemplar des «Tagebuch der Anne Frank» in die Flammen. Nun ermittelt der Staatsanwalt.

Rechtsextremisten haben in dem Dorf Pretzien südöstlich von Magdeburg (Sachsen-Anhalt) eine Bücherverbrennung inszeniert. Wie der «Tagesspiegel» berichtet, feierten Dorfbewohner am 24. Juni die Sonnenwende mit einer Tanzveranstaltung und einem offenen Feuer. In einen lodernden Haufen aus Holz und Stroh habe dann ein Rechtsextremist eine US-Flagge und ein Buch geworfen – das weltweit bekannt gewordene Tagebuch der 1945 im KZ Bergen-Belsen getöteten Jüdin Anne Frank. Daraufhin habe ein Mitarbeiter des zuständigen Ordnungsamtes die Veranstaltung abgebrochen.

Das Buch soll bereits zerfleddert gewesen sein, zitiert der «Tagesspiegel» Schilderungen von Augenzeugen aus der «Magdeburger Volksstimme». Die Extremisten hätten damit Fußball gespielt. Die Extremisten ahmten damit die Bücherverbrennung der Nationalsozialisten nach, die 1933 auf dem Berliner Opernplatz und in anderen deutschen Städten «undeutsches Schrifttum» in die Flammen werfen ließen.

«Angriff auf die menschliche Kultur»

SPD- Landesinnenminister Holger Hövelmann bezeichnete den Vorfall in Pretzien laut «Tagesspiegel» im MDR-Hörfunk als «Angriff auf die menschliche Kultur». Der Direktor des Anne-Frank-Zentrums Berlin sprach von einem «ungeheuerlichen Vorgang» und erstattete Anzeige. Der Landesverband der Linkspartei bekundete, er sehe «ein ernstes Zeichen für die Gefährdung der Zivilgesellschaft». Selbst die Staatsanwaltschaft zeigte sich von dem Vorfall entsetzt: Er könne sich nicht erinnern, so etwas schon einmal erlebt zu haben, sagte Ermittler Uwe Hornburg.

Die Linkspartei ist von dem Vorfall besonders hart getroffen – Pretziens Bürgermeister Friedrich Harwig - selbst Parteimitglied - habe zugeschaut, als Anne Franks Tagebuch ins Feuer flog, hieß es. Die Linkspartei forderte Harwig zum Austritt auf, dem sei er nachgekommen. Das Bürgermeisteramt habe er jedoch noch inne. (nz)

 
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