28.06.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Holocaust-Archiv
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Bundesregierung stimmt der Öffnung des Holocaust-Archivs in Bad Arolsen zu. Damit beendet sie einen jahrzehntelangen Konflikt mit den USA und Frankreich.
Die Bundesregierung hat der Öffnung des Holocaust-Archivs im hessischen Bad Arolsen formell zugestimmt. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte am Mittwoch in Berlin, damit sei der wissenschaftliche Zugang zu Dokumenten über 17,5 Millionen Verfolgte des Nazi-Regimes eingeleitet.
Allerdings könne das Archiv erst dann tatsächlich von Forschern genutzt werden, wenn die Öffnung von den elf Ländern des Ausschusses für den Internationalen Suchdienst des Roten Kreuzes (ITS) schriftlich abgesegnet sei. Die Elf-Staaten-Kommission hatte sich schon am 16. Mai für die Öffnung des Archivs ausgesprochen. Unterzeichnet werden soll die Übereinkunft laut Bundesregierung voraussichtlich Ende Juli in Berlin. Maximal sechs weitere Monate soll die Ratifizierung durch die Länderparlamente dauern.
Jahrelanger StreitUm die Freigabe des weltweit bedeutendsten Archivs zur Geschichte de NS-Gewaltherrschaft hatte es einen fast zehnjährigen Streit gegeben. Die USA waren für eine schnelle Öffnung, Deutschland und Italien dagegen. Auch Frankreich und die Niederlanden hatten die Freigabe der Dokumente verlangt. Das Archiv durfte auf Grund internationaler Verträge bisher nur für den Internationalen Suchdienst des Roten Kreuzes genutzt werden.
Die Daten sollen nun digital gespeichert und an die Mitgliedstaaten übergeben werden. Dazu gehören neben Deutschland die USA, Großbritannien, Frankreich, Belgien, Luxemburg, die Niederlande, Israel, Italien, Griechenland und Polen. Die Kopien können dann in einem nationalen Archiv Forschern zugänglich gemacht werden.
Das Holocaust-Archiv ist ein Überbleibsel des Zweiten Weltkriegs. 1943 vom Britischen Roten Kreuz begründet, kümmert sich der Suchdienst seit 1946 um das Schicksal während der NS-Zeit verschleppter und verschwundener Zivilpersonen. Sein Kernbestand sind Karteien von NS-Behörden wie SS und die Verwaltungen von Konzentrationslagern. Im vergangenen Jahr gingen knapp 151.000 Anfragen beim Suchdienst ein, der seit 1955 dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) untersteht. Derzeit sind mehr als 320.000 Anfragen noch unbearbeitet. (nz)