«Elite ist in Deutschland ein Tabu»
Dem Sender sagt er, generell sei der Begriff Elite in der Bundesrepublik sehr belastet: «Man thematisiert das kaum.» Dieses Tabu habe mit dem Missbrauch des Begriffs Elite während der nationalsozialistischen Herrschaft zu tun. «Zwischen 1933 und 1945 gab es die spezifische Form der Eliterekrutierung anhand von Merkmalen, die genetisch gegeben waren», so der 46-Jährige. Danach habe man den Begriff verdrängt. Stattdessen «haben wir Mechanismen mit einem hochgradig egalisierten Hochschulsystem geschaffen».
Das sei nicht mehr zeitgemäß. «Eine demokratische Gesellschaft tut sich keinen Gefallen, wenn sie vorgibt, es existiere keine Elite. Dann kann man diese nicht beurteilen oder kritisieren.» In der Konsequenz würde die aktuelle soziale und wirtschaftliche Krise «entweder auf die politischen Institutionen oder auf die satt gewordene Bevölkerung zurückgeführt». Dass aber die eigene Leistungselite, also Spitzenpolitiker, Staatssekretäre, Unternehmer oder Wissenschaftler ein Teil des Problems sind, gerate aus dem Blickfeld: «Weil man über sie ja nicht sprechen darf.»
Zürn bemängelt im Interview mit 100,6 Motor FM zudem einen «häufig begrenzten Erfahrungshorizont» der so genannten Elite. Und das in Zeiten der Globalisierung. Er sieht England als ein positives Beispiel, dort rekrutierten staatliche Ministerien bewusst internationale Kräfte.
Für Zürn steht das Tor zur Welt in Berlins Mitte weit offen: die Hälfte seiner Studenten stammt aus dem Ausland.
Das vollständige Interview hören Sie bei «Sonntags ab zehn» auf 100,6 Motor FM oder auf: www.netzeitung/audio.
