10.05.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Volker Beck
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Sprache sei «etwas Lebendiges und nichts Statisches», meint der Grünen-Politiker Beck. Der Versuch der CDU-Politikerin Steinbach, Deutsch per Gesetz schützen zu lassen, sei «eine Schnapsidee».
Überlegungen der CDU-Politikerin Erika Steinbach, die deutsche Sprache gesetzlich schützen zu lassen, stoßen auf heftige Kritik bei den Grünen. «Das ist eine Schnapsidee», sagte der Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Bundestag, Volker Beck, der Netzeitung. «Ich weiß nicht, ob sich Frau Steinbach vorstellt, dass jeder, der ein englisches Wort benützt, künftig eine Geldstrafe bezahlen soll.» Sprache sei «etwas Lebendiges und nichts Statisches». Steinbachs Versuch, sie «einzufrieren», sei «abwegig».
Kritik kam auch von der Linkspartei. Fraktionsvize Petra Pau sprach in Berlin, von ein er «Regelwut der CDU». Dies überrasche sie, «zumal ich genug Gesetze kenne, die deutsch sprechende Deutsche wirklich ausgrenzen, etwa 'Hartz IV'».
«Gesetz zum Schutz der deutschen Sprache»Steinbach hatte ein «Gesetz zum Schutz der deutschen Sprache» vorgeschlagen. Englisch verdränge Deutsch in vielen Lebensbereichen, sagte die Bundestagsabgeordnete und Präsidentin des Bundes der Vertriebenen der «Bild»-Zeitung. «Aber 30 Prozent der Deutschen sprechen gar kein Englisch. Sie schämen sich nur, das zuzugeben. Sie werden ausgegrenzt.»
Beck betonte, er sei für die «Freiheit der Sprache». Dazu gehöre auch, dass man «aus anderen kulturellen Umfeldern und Sprachen Wörter entlehnt», erläuterte der Grünen-Politiker. «Deshalb setzen wir uns auf das 'récamière' und nicht auf die 'Langbank' und gehen nicht ins 'Tanzlokal', sondern manchmal sogar in die 'Diskothek', und dabei fassen wir uns an die 'Nase' und nicht an den 'Gesichtserker'.»
Lafontaine als «Spritzbrunnen»Beck äußerte in diesem Zusammenhang die Vemutung, dass auch Steinbach nicht gänzlich auf entlehnte Wörter verzichte. «Vielleicht legt selbst Frau Steinbach unbeobachtet etwas Rouge auf», sagte er.
Linkspartei-Politikerin Pau mahnte, wenn Steinbach im Zeitalter der Globalisierung schon über eine Deutschschreibpflicht nachdenke, «dann bitte konsequent». Dann müsse die Boulette «Fleischklopsbratling heißen, das Labor (lateinisch) Prüfraum, das Baby (englisch) Kleinstkind, die Sauna (finnisch) Schwitzkasten und Lafontaine (Linkspartei) Spritzbrunnen oder Quelle».