Presse findet Erziehungs-Bündnis überheblich
21.04.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Ursula van der Leyen
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Dass in der Erziehung erst einmal nur christliche Werte vermittelt werden sollen, wie Familienministerin von der Leyen sagt, empört nicht nur deren eigene Partei. Auch deutsche Leitartikler können dem nicht viel abgewinnen. .zwischentitel { font: bold 11px verdana, arial, helvetica, sans-serif; display: block; padding: 1px 3px 1px 3px; } «Süddeutsche Zeitung»: Trivialer Ansatz Mit ihrem «Bündnis für Erziehung» jedenfalls hat es sich Familienministerin Ursula von der Leyen zu leicht gemacht. Ihr Ansatz ist trivial im schlechten Sinne. Einfach die Vertreter der beiden christlichen Kirchen um sich zu scharen, weil die doch etwas von Werten verstünden, ist mindestens naiv, wenn nicht taktlos. Zweifellos leisten katholische und evangelische Kindergärten, Schulen und soziale Einrichtungen wichtige Dienste und oft vorbildliche Arbeit; gewiss kann der christliche Glaube das Fundament einer guten Erziehung sein. Doch Vertreter anderer Religionen und Atheisten hat die Ministerin brüskiert. «Südkurier»: Lärm, viel Papier, wenig Ergebnisse Der Chor derer, die nicht geladen waren, posaunt so laut, dass der zarte Sopran der Ministerin untergeht. Sonst würde man ihr Argument hören: Wichtige Jahre der Erziehung spielen im Kindergarten. 72 Prozent dieser Einrichtungen in freier Trägerschaft werden von der evangelischen oder katholischen Kirche betrieben. Und nicht von der FDP oder dem Zentralrat der Muslime, die sich wortreich gegen die CDU-Ministerin wenden. So ist es durchaus logisch, wenn Ursula von der Leyen die ersten Pfeiler des Bündnisses mit den beiden Kirchen skizziert. Aber sie rudert schon zurück: Später werden alle in die Runde einbezogen. Dann wird die deutsche Konsens-Maschine, wie gewünscht, angeworfen. Alles Weitere wird nach Plan laufen: Einiger Lärm, viel Papier, wenig Ergebnisse. Das nennt man wert-los. «FTD»: Überhebliche Vorstellungen Familienministerin Ursula von der Leyen sorgt sich, ob Kinder noch ausreichend Werte vermittelt bekommen. Deshalb hat sie mit den beiden großen christlichen Kirchen ein Bündnis für Erziehung geschlossen. Das Anliegen ist berechtigt. Doch die Vorstellung, die Erziehung zu Respekt, Verlässlichkeit oder Vertrauen sei besonderes Merkmal christlicher Wertevermittlung, ist überheblich. Und mehr als eine schöne Überschrift hat die Ministerin nicht zu bieten: Einen Aktionsplan gibt es so wenig wie Finanzmittel für die Initiative. Von der Leyen sah wohl Handlungsbedarf in eigener Sache. Vielen Unionsanhängern gilt sie, die Hauptverfechterin des geplanten Elterngelds, als ultraliberale Modernisiererin. Deshalb kommt es ihr zupass, wenn sie ihr Image mit eine christlich geprägten Erziehungsbündnis zurechtrücken kann. «Rhein-Neckar-Zeitung»: Andere sollen sich anschließen Natürlich, der Aufschrei derer, die eine neue christliche Ideologisierung der Erziehung unterstellen, musste kommen. Aber was haben sie an Stelle der allgemein gültigen Grundlagen unseres Kulturkreises, auf denen sogar das Grundgesetz steht, anzubieten, angesichts ausufernder Gewalt, angesichts des Zerfalls schulischer Disziplin und einer von der kommerzialisierten Mediengesellschaft geförderten Erosion elterlicher Autorität? Ursula von der Leyen hat die Partner für ihr Bündnis versammelt, die bei diesem Thema als erste mitreden können - und sollen. Andere können und sollen sich anschließen. Wenn sie etwas beizutragen haben. «Neue Osnabrücker»: Wenig praxistauglich Einen breiten Fächer von Maßnahmen, die bei der Erziehung helfen, hat Familienministerin Ursula von der Leyen versprochen. Von Fächern weiß man eines: Sie machen Wind. Und das ist offenbar auch in diesem Fall nicht anders. Kurz gesagt: Das Bündnis für Erziehung, mit dem die Ministerin Werte wachsen lassen will, ist schön gedacht. Praxistauglich scheint es nicht. Schade für die Christdemokratin, die nach dem Gezerre um das Elterngeld sicher gern Punkte gemacht hätte. Der entscheidende Punkt: Die Eltern, die wirklich Hilfe brauchen, sind durch Vorträge und Seminare gewiss nicht zu erreichen. Da sind ganz konkrete, freilich auch teure Maßnahmen wie ein kostenfreies Kindergartenjahr hilfreicher. «Volksstimme»: Bündnis wirkt ausgrenzend Eigentlich eine tolle Idee, ein Bündnis für Erziehung zu schmieden. Doch Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen stützt sich dabei zunächst ausschließlich auf die beiden großen christlichen Kirchen. Alle anderen, die mit Erziehung befasst sind, dürfen zusehen. Dieses Bündnis wirkt auf Nicht-Christen ausgrenzend. Dabei ist Deutschland ein säkularer Staat. Damit ist nichts gegen Werteerziehung auf der Basis christlicher Vorstellungen gesagt. Kritiker erinnern aber zu Recht daran, dass das deutsche Grundgesetz vor allem auf universellen Menschenrechten beruht. Frau von der Leyen nennt als Beispiele christlicher Werte Verantwortung, Respekt, Aufrichtigkeit und Zivilcourage. Was, bitteschön, ist daran das ausschließlich Christliche? «Sächsische Zeitung»: Kein Gottesstaat zu befürchten Deutschland ist nicht auf dem Weg zum Gottesstaat, weil die Familienministerin eines ihrer Vorhaben durch ein Gespräch mit den Kirchen eröffnet. Wer das annimmt oder befürchtet, schätzt nicht nur die Ministerin, sondern auch die Kirchen falsch ein. Die Aufregung um die angebliche Ausgrenzung von Gewerkschaften und Verbänden zeigt im Gegenteil: Von einer religiösen Orientierung ist dieses Land sehr weit entfernt. Und auch Ursula von der Leyen wird daran nichts ändern. «Stuttgarter Nachrichten»: 10 gebote nicht das Schlechteste Von der Leyen hat alle eingeladen, am Bündnis für Erziehung teilzunehmen. Aber jeder, der mitmachen will, muss wissen, dass in diesem Land christliche Werte keine Verfügungsmasse sind, dass sie windige multikulturelle Interpretationen nicht duldet. Christliche Werte gehören nicht versteckt: Die zehn Gebote sind nicht die schlechteste Schule für Kinder. (nz)
«Süddeutsche Zeitung»: Trivialer AnsatzMit ihrem «Bündnis für Erziehung» jedenfalls hat es sich Familienministerin Ursula von der Leyen zu leicht gemacht. Ihr Ansatz ist trivial im schlechten Sinne. Einfach die Vertreter der beiden christlichen Kirchen um sich zu scharen, weil die doch etwas von Werten verstünden, ist mindestens naiv, wenn nicht taktlos. Zweifellos leisten katholische und evangelische Kindergärten, Schulen und soziale Einrichtungen wichtige Dienste und oft vorbildliche Arbeit; gewiss kann der christliche Glaube das Fundament einer guten Erziehung sein. Doch Vertreter anderer Religionen und Atheisten hat die Ministerin brüskiert.
«Südkurier»: Lärm, viel Papier, wenig ErgebnisseDer Chor derer, die nicht geladen waren, posaunt so laut, dass der zarte Sopran der Ministerin untergeht. Sonst würde man ihr Argument hören: Wichtige Jahre der Erziehung spielen im Kindergarten. 72 Prozent dieser Einrichtungen in freier Trägerschaft werden von der evangelischen oder katholischen Kirche betrieben. Und nicht von der FDP oder dem Zentralrat der Muslime, die sich wortreich gegen die CDU-Ministerin wenden. So ist es durchaus logisch, wenn Ursula von der Leyen die ersten Pfeiler des Bündnisses mit den beiden Kirchen skizziert. Aber sie rudert schon zurück: Später werden alle in die Runde einbezogen. Dann wird die deutsche Konsens-Maschine, wie gewünscht, angeworfen. Alles Weitere wird nach Plan laufen: Einiger Lärm, viel Papier, wenig Ergebnisse. Das nennt man wert-los.
«FTD»: Überhebliche VorstellungenFamilienministerin Ursula von der Leyen sorgt sich, ob Kinder noch ausreichend Werte vermittelt bekommen. Deshalb hat sie mit den beiden großen christlichen Kirchen ein Bündnis für Erziehung geschlossen. Das Anliegen ist berechtigt. Doch die Vorstellung, die Erziehung zu Respekt, Verlässlichkeit oder Vertrauen sei besonderes Merkmal christlicher Wertevermittlung, ist überheblich. Und mehr als eine schöne Überschrift hat die Ministerin nicht zu bieten: Einen Aktionsplan gibt es so wenig wie Finanzmittel für die Initiative. Von der Leyen sah wohl Handlungsbedarf in eigener Sache. Vielen Unionsanhängern gilt sie, die Hauptverfechterin des geplanten Elterngelds, als ultraliberale Modernisiererin. Deshalb kommt es ihr zupass, wenn sie ihr Image mit eine christlich geprägten Erziehungsbündnis zurechtrücken kann.
«Rhein-Neckar-Zeitung»: Andere sollen sich anschließenNatürlich, der Aufschrei derer, die eine neue christliche Ideologisierung der Erziehung unterstellen, musste kommen. Aber was haben sie an Stelle der allgemein gültigen Grundlagen unseres Kulturkreises, auf denen sogar das Grundgesetz steht, anzubieten, angesichts ausufernder Gewalt, angesichts des Zerfalls schulischer Disziplin und einer von der kommerzialisierten Mediengesellschaft geförderten Erosion elterlicher Autorität? Ursula von der Leyen hat die Partner für ihr Bündnis versammelt, die bei diesem Thema als erste mitreden können - und sollen. Andere können und sollen sich anschließen. Wenn sie etwas beizutragen haben.
«Neue Osnabrücker»: Wenig praxistauglichEinen breiten Fächer von Maßnahmen, die bei der Erziehung helfen, hat Familienministerin Ursula von der Leyen versprochen. Von Fächern weiß man eines: Sie machen Wind. Und das ist offenbar auch in diesem Fall nicht anders. Kurz gesagt: Das Bündnis für Erziehung, mit dem die Ministerin Werte wachsen lassen will, ist schön gedacht. Praxistauglich scheint es nicht. Schade für die Christdemokratin, die nach dem Gezerre um das Elterngeld sicher gern Punkte gemacht hätte. Der entscheidende Punkt: Die Eltern, die wirklich Hilfe brauchen, sind durch Vorträge und Seminare gewiss nicht zu erreichen. Da sind ganz konkrete, freilich auch teure Maßnahmen wie ein kostenfreies Kindergartenjahr hilfreicher.
«Volksstimme»: Bündnis wirkt ausgrenzendEigentlich eine tolle Idee, ein Bündnis für Erziehung zu schmieden. Doch Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen stützt sich dabei zunächst ausschließlich auf die beiden großen christlichen Kirchen. Alle anderen, die mit Erziehung befasst sind, dürfen zusehen. Dieses Bündnis wirkt auf Nicht-Christen ausgrenzend. Dabei ist Deutschland ein säkularer Staat. Damit ist nichts gegen Werteerziehung auf der Basis christlicher Vorstellungen gesagt. Kritiker erinnern aber zu Recht daran, dass das deutsche Grundgesetz vor allem auf universellen Menschenrechten beruht. Frau von der Leyen nennt als Beispiele christlicher Werte Verantwortung, Respekt, Aufrichtigkeit und Zivilcourage. Was, bitteschön, ist daran das ausschließlich Christliche?
«Sächsische Zeitung»: Kein Gottesstaat zu befürchtenDeutschland ist nicht auf dem Weg zum Gottesstaat, weil die Familienministerin eines ihrer Vorhaben durch ein Gespräch mit den Kirchen eröffnet. Wer das annimmt oder befürchtet, schätzt nicht nur die Ministerin, sondern auch die Kirchen falsch ein. Die Aufregung um die angebliche Ausgrenzung von Gewerkschaften und Verbänden zeigt im Gegenteil: Von einer religiösen Orientierung ist dieses Land sehr weit entfernt. Und auch Ursula von der Leyen wird daran nichts ändern.
«Stuttgarter Nachrichten»: 10 gebote nicht das Schlechteste Von der Leyen hat alle eingeladen, am Bündnis für Erziehung teilzunehmen. Aber jeder, der mitmachen will, muss wissen, dass in diesem Land christliche Werte keine Verfügungsmasse sind, dass sie windige multikulturelle Interpretationen nicht duldet. Christliche Werte gehören nicht versteckt: Die zehn Gebote sind nicht die schlechteste Schule für Kinder. (nz)