20.04.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Sterzinsky, von der Leyen, Käßmann bei der "Bündnis"-Gründung
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Unter breitem Protest hat die Regierung sich mit den Kirchen zu einem so genannten «Bündnis für Erziehung» zusammengetan. Es soll dabei um Wertevermittlung gehen. Andere Gruppen fühlten sich ausgeschlossen.
Regierung und Kirchen haben am Donnerstag ein heftig kritisiertes «Bündnis für Erziehung» geschlossen. Damit will Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) eine bessere Wertevermittlung bei Kindern erreichen und auch Eltern Orientierung und Unterstützung geben. Die Initiative der katholischen und evangelischen Kirche und des Ministeriums wurde von Protesten begleitet. Gewerkschaften, Verbände und Opposition warfen von der Leyen vor, ein «Signal der Ausgrenzung» gegeben zu haben.
Die Ministerin verteidigte jedoch ihr Vorgehen. Das Bündnis mit den Kirchen sei erst ein Anfang, andere Religionsgemeinschaften und Verbände sowie möglichst auch die Wirtschaft seien gehalten, sich ab Herbst anzuschließen.
«Hiesige Kultur gründet auf Christentum»Das Bündnis war gemeinsam mit der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann und dem Berliner Erzbischof Kardinal Georg Sterzinsky vorgestellt worden. Von der Leyen betonte, die beiden großen christlichen Kirchen stellten immerhin über 74 Prozent der Kindergartenplätze in freier Trägerschaft. Außerdem gründe die hiesige Kultur auf christlichen Werten.
Das Bündnis, eine Fortsetzung einer Initiative von der früheren Familienministerin Renate Schmidt, hat zum Ziel, Kindern schon früh Regeln und Grundsätze wie Respekt, Verlässlichkeit, Vertrauen und Aufrichtigkeit nahe zu bringen. «Aber Werte wachsen nicht von selber», mahnte die Ministerin. Sie müssten auch vorgelebt werden. Die Eltern trügen die Verantwortung, seien aber selbst oft verunsichert und suchten Orientierung.
Unklare UmsetzungWie genau das «Bündnis» die Wertevermittlung in Kitas und Familien stärken will, ließ von der Leyen offen. Die Bündnispartner wollen laut der Ministerin nun erst einmal mit Fachleuten «Bausteine» für die Praxis erarbeiten. Vier Regionalkonferenzen sind im Sommer in Düsseldorf, Hannover, Berlin und München geplant.
Im Vorfeld hatten bereits der Zentralrat der Juden in Deutschland und der Zentralrat der Muslime kritisiert, nicht beteiligt zu werden. Auch Norbert Hocke, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), zeigte sich verärgert: «Ursula von der Leyens diplomatisches Ungeschick hat einer guten Idee einen kapitalen Fehlstart beschert.» Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) nannte das Bündnis einen «unausgegorenen Schnellschuss».
«Christentum mit Brechstange»Der Bundesvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt, Wilhelm Schmidt (SPD), meinte: «Man muss es düpierend nennen, wenn bei einem Bündnisgipfel zum Thema Erziehung engagierte gesellschaftliche Partner, Lehrer, Familienverbände, Erzieherinnen und Pädagogen, Vertreter der Wissenschaft 'draußen vor der Tür' bleiben».
Die FDP-Familienexpertin Ina Lenke nannte es «intolerant und gefährlich, in einem Staat, in dem viele Andersgläubige leben, mit der Brechstange das Christentum zum Leitwert aller Eltern und an der Erziehung Beteiligten zu erheben.» (nz)