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Politiker für Schutz von Sürücü-Sohn

18. Apr 2006 12:12
Gegen Sorgerecht für Familie: Jugendsenator Böger
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Politiker halten es für ausgeschlossen, den Sohn der ermordeten Türkin Sürücü deren Verwandten zu überlassen. Das Opfer des Ehrenmordes von Berlin sei vor der Familie des Täters zu schützen.

Berlins Jugendsenator Klaus Böger ist dagegen, das Sorgerecht für den Sohn der in Berlin aus Gründen der «Ehre» ermordeten Türkin Hatun Sürücü deren Familie zu übertragen. Er unterstütze den Kurs des Jugendamtes, den Sohn in einer Pflegefamilie unterzubringen, sagte der SPD-Politiker.

Auch der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz hält es für nicht vorstellbar, dass deutsche Behörden der Familie Sürücü das Sorgerecht für den Sohn der ermordeten Hatun zuspreche. «Es ist ausgeschlossen, dass dies in Betracht kommt», sagte er der «Berliner Zeitung».

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  • Wie Medien am Wochenende berichteten, will die Schwester der Ermordeten das Sorgerecht für den sechsjährigen Sohn beantragen. Mehrere Geschwister der Ermordeten sprachen sich laut «Berliner Morgenpost» unterdessen von dem Täter los, der seine Schwester wegen ihres westlichen Lebensstils erschossen hatte und vergangenen Donnerstag zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden war. «Ayhan ist kein Familienmitglied mehr», zitierte das Blatt die Geschwister Arzu und Mutlu.

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    Böger begründete im Gespräch mit der «Berliner Zeitung», normalerweise sei die Vermutung richtig, dass ein Kind am besten bei Familienmitgliedern aufgehoben sei. «In diesem außerordentlichen Fall aber ist dies absolut falsch: Es kann nicht zum Wohle des Kindes sein, dem Familienclan das Sorgerecht zu übertragen.»

    Auch der Grünen-Fraktionsgeschäftsführer im Bundestag, Volker Beck, wandte sich im Gespräch mit der Netzeitung gegen ein Sorgerecht für die Familie. Die Familie der Täter dürfe jetzt nicht noch Zugriff auf das Opfer erhalten. Zudem solle der Staat die Opfer von Zwangsverheiratungen besser schützen. Hatun Sürücü war in der Türkei verheiratet worden, hatte sich jedoch von ihrem Mann gelöst und war nach Deutschland zurückgekehrt, um ein selbst bestimmtes Leben zu führen. In Berlin erlernte sie den Beruf der Elektroinstallateurin.

    Das Gericht, das den 20-jährigen Bruder der Ermordeten, Ayhan Sürücü, zu neun Jahren Haft verurteilte, hatte keine hinreichenden Beweise dafür gefunden, dass ein Familienrat den Tod der jungen Frau beschlossen hätte. Die beiden älteren Brüder waren vom Vorwurf des gemeinsamen heimtückischen Mordes freigesprochen worden. «Durch die Reaktion der Familie auf das Urteil ist deutlich geworden, dass sie - jenseits einer abschließenden strafrechtlichen Würdigung - den Mord an der Mutter des Jungen zu verantworten hat», so Böger. (nz)

     
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