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Sürücü-Schwester will Sohn der Ermordeten

16. Apr 2006 16:24
Die ermordete Hatun Sürücü
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Die Schwester der ermordeten Deutschtürkin Hatun Sürücü will das Sorgerecht für deren Sohn beantragen. Während des Prozesses war der Familie der Umgang mit dem Jungen verboten worden.

Nach dem Urteil im so genannten Ehrenmord-Prozess will eine Schwester der ermordeten Hatun Sürücü das Sorgerecht für deren sechsjährigen Sohn beantragen. «Das wollten wir von Anfang an. Wir haben nur das Urteil abgewartet», sagte sie. Nach Angaben der türkischen Zeitung «Hürriyet» will der in Istanbul lebende Vater des Kindes das Sorgerecht beantragen, falls Sürücüs Antrag abgelehnt wird. Für die Dauer des Prozesses hatten die Sürücüs Kontaktverbot zu dem Kind, das bei einer Pflegefamilie untergebracht ist.

«Familie Sürücü soll Deutschland verlassen»

In dem Berliner Prozess war am vergangenen Donnerstag der jüngste Bruder von Hatun Sürücü zu neun Jahren und drei Monaten Jugendhaft verurteilt worden. Zwei weitere Brüder wurden aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Nach Einschätzung der Richter musste die junge Frau wegen ihres westlichen Lebensstils sterben. Die 23-Jährige war aus einer Zwangsehe geflohen, um ein Leben nach ihren eigenen Vorstellungen zu führen.

Mehr in der Netzeitung:
  • Bosbach für Abschiebung nach Ehrenmord 15. Apr 2006 08:32, ergänzt 13:34
  • Lange Haftstrafe in Berliner Ehrenmord-Prozess 13. Apr 2006 09:51, ergänzt 14:23
  • «Ehrenmord»-Prozess: Stationen des Verfahrens 13. Apr 2006 10:26
  • Die durch das Urteil ausgelöste Debatte um Integration hält unterdessen an. Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) bekräftigte am Sonntag seine Forderung, die Familie Sürücü solle Deutschland verlassen. «Es sind die Sürücüs, die die türkische Gemeinschaft und das Miteinander der Menschen hier in Berlin belasten», sagte Körting der Zeitung «B.Z. am Sonntag». Die Schwester der Ermordeten sagte dagegen dem «Tagesspiegel»: «Deutschland ist unsere Heimat. Wir sind fremd in der Türkei.»

    Körting widersprach dem Vorwurf des Türkischen Bundes, mit seinen Bemerkungen Hass auf Ausländer zu schüren: «Der überwiegende Teil der türkischen Gemeinschaft missbilligt die Tat und die Haltung der Familie dazu.»

    CDU-Landesgeneralsekretär Frank Henkel forderte Körting auf, Schritte zu unternehmen, um die Familie auszuweisen. «Die Bilder mit dem breiten Lachen auf dem Gesicht der Familienmitglieder sind kaum zu ertragen», sagte Henkel am Sonntag. Nach Auskunft der Senatsverwaltung für Inneres ist eine Ausweisung rechtlich nicht möglich. Laut Presseberichten kündigte ein 26-Jähriger Sürücü-Bruder an, das Land freiwillig zu verlassen, wenn die Stimmung gegen ihn sei. (nz)

     
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