16. Apr 2006 16:24
Die Schwester der ermordeten Deutschtürkin Hatun Sürücü will das Sorgerecht für deren Sohn beantragen. Während des Prozesses war der Familie der Umgang mit dem Jungen verboten worden.
Die durch das Urteil ausgelöste Debatte um Integration hält unterdessen an. Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) bekräftigte am Sonntag seine Forderung, die Familie Sürücü solle Deutschland verlassen. «Es sind die Sürücüs, die die türkische Gemeinschaft und das Miteinander der Menschen hier in Berlin belasten», sagte Körting der Zeitung «B.Z. am Sonntag». Die Schwester der Ermordeten sagte dagegen dem «Tagesspiegel»: «Deutschland ist unsere Heimat. Wir sind fremd in der Türkei.»Körting widersprach dem Vorwurf des Türkischen Bundes, mit seinen Bemerkungen Hass auf Ausländer zu schüren: «Der überwiegende Teil der türkischen Gemeinschaft missbilligt die Tat und die Haltung der Familie dazu.»
CDU-Landesgeneralsekretär Frank Henkel forderte Körting auf, Schritte zu unternehmen, um die Familie auszuweisen. «Die Bilder mit dem breiten Lachen auf dem Gesicht der Familienmitglieder sind kaum zu ertragen», sagte Henkel am Sonntag. Nach Auskunft der Senatsverwaltung für Inneres ist eine Ausweisung rechtlich nicht möglich. Laut Presseberichten kündigte ein 26-Jähriger Sürücü-Bruder an, das Land freiwillig zu verlassen, wenn die Stimmung gegen ihn sei. (nz)