03.04.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Edmund Stoiber (CSU)
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
In der Debatte um die Integration von Zuwandererkindern schlägt Bayerns Ministerpräsident Stoiber die Einführung von Sonderklassen vor. Sein Land wolle damit noch in diesem Jahr beginnen, so der Regierungschef. Thema: Gewalt an Schulen Schavan für Netzwerke gegen Schulmisere Thierse warnt vor Integrationsproblemen Schäuble für Härte gegen Schul-Randalierer Alarmruf aus Schule in Berlin-Wedding Presseschau: Lehrer-Hilferuf kam zu spät Ausländische Kinder mit mangelhaften Deutschkenntnissen sollen in Bayern nicht mehr für normale Schulen zugelassen werden. «Bei uns gilt ab September: Kinder, die nicht Deutsch können, werden nicht mehr in eine deutsche Regelschule eingeschult. Sie müssen dann zuerst einmal in spezielle Förderklassen», sagte Ministerpräsident Edmund Stoiber der «Bild»-Zeitung. Er empfahl dieses Modell anderen Ländern zur Nachahmung. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) forderte ein neues Verständnis von Schulen ein. Früher sei es fast nur um Wissensvermittlung gegangen, sagte Wowereit der «Berliner Zeitung». «Heute muss ein Ersatz fürs Elternhaus geleistet werden.» Dies sei für die Schule eine andere Herausforderung. Viele Kinder lernten zu Hause kein gruppenfähiges Sozialverhalten mehr, Kulturtechniken würden nicht beherrscht. «Das muss in der Schule nachgeholt werden, das ist leider heute die Situation», sagte Wowereit. Andere Lösungsvorschläge wie das «Bussing», also das Verteilen schwieriger Schüler per Bus auf andere Schulen der Stadt, auch um hohe Migrantenquoten zu verhindern, lehnte der Regierende Bürgermeister als nicht praktikabel ab. «Wir werden im Gegenteil damit zurechtkommen müssen, dass es in manchen Schulen 80, 90 oder auch 100 Prozent Migrantenkinder gibt.» Stoiber warnte, wer sich nicht dauerhaft integriere, müsse Deutschland wieder verlassen. Er werde in Berlin darauf dringen, das Zuwanderungsgesetz entsprechend zu ändern, kündigte der CSU-Chef an. Wer in Zukunft in Bayern an der Schule randaliere, «fliegt aus der Klassengemeinschaft», fügte er hinzu. Nach Ansicht des bayerischen Regierungschefs war Deutschland bislang viel zu tolerant bei den Sprachanforderungen. «Wenn wir die Integration von Ausländern jetzt nicht durchsetzen, dann werden wir unser Land in 20 Jahren nicht mehr wiedererkennen», sagte Stoiber. Die Vorgänge an der Berliner Rütli-Schule hatten in der vergangenen Woche eine bundesweite Debatte über Gewalt an Schulen und die Integration von Zuwandererkindern ausgelöst. (nz)
Ausländische Kinder mit mangelhaften Deutschkenntnissen sollen in Bayern nicht mehr für normale Schulen zugelassen werden. «Bei uns gilt ab September: Kinder, die nicht Deutsch können, werden nicht mehr in eine deutsche Regelschule eingeschult. Sie müssen dann zuerst einmal in spezielle Förderklassen», sagte Ministerpräsident Edmund Stoiber der «Bild»-Zeitung. Er empfahl dieses Modell anderen Ländern zur Nachahmung.
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) forderte ein neues Verständnis von Schulen ein. Früher sei es fast nur um Wissensvermittlung gegangen, sagte Wowereit der «Berliner Zeitung». «Heute muss ein Ersatz fürs Elternhaus geleistet werden.» Dies sei für die Schule eine andere Herausforderung. Viele Kinder lernten zu Hause kein gruppenfähiges Sozialverhalten mehr, Kulturtechniken würden nicht beherrscht. «Das muss in der Schule nachgeholt werden, das ist leider heute die Situation», sagte Wowereit.
Andere Lösungsvorschläge wie das «Bussing», also das Verteilen schwieriger Schüler per Bus auf andere Schulen der Stadt, auch um hohe Migrantenquoten zu verhindern, lehnte der Regierende Bürgermeister als nicht praktikabel ab. «Wir werden im Gegenteil damit zurechtkommen müssen, dass es in manchen Schulen 80, 90 oder auch 100 Prozent Migrantenkinder gibt.»
Stoiber warnte, wer sich nicht dauerhaft integriere, müsse Deutschland wieder verlassen. Er werde in Berlin darauf dringen, das Zuwanderungsgesetz entsprechend zu ändern, kündigte der CSU-Chef an. Wer in Zukunft in Bayern an der Schule randaliere, «fliegt aus der Klassengemeinschaft», fügte er hinzu.
Nach Ansicht des bayerischen Regierungschefs war Deutschland bislang viel zu tolerant bei den Sprachanforderungen. «Wenn wir die Integration von Ausländern jetzt nicht durchsetzen, dann werden wir unser Land in 20 Jahren nicht mehr wiedererkennen», sagte Stoiber.
Die Vorgänge an der Berliner Rütli-Schule hatten in der vergangenen Woche eine bundesweite Debatte über Gewalt an Schulen und die Integration von Zuwandererkindern ausgelöst. (nz)