netzeitung.de«Massivste» Bedenken gegen Kongo-Einsatz

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Flüchtlinge in Kongo (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Flüchtlinge in Kongo
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Die Regierungen in Berlin und Paris sind zu einer «maßgeblichen» Beteiligung an einer EU-Truppe für den Kongo bereit. Vertreter der Union und der FDP äußerten «massivste» Vorbehalte.

Der geplante Einsatz von rund 500 Bundeswehrsoldaten im Kongo stößt in der Union auf «allergrößte Skepsis». CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer sagte am Dienstag in Berlin, mindestens ein Drittel der Bundestagsabgeordneten von CDU und CSU hätten «massivste Vorbehalte», deutsche Soldaten zur Absicherung der ersten demokratischen Wahlen im Kongo seit 45 Jahren einzusetzen.

Deutschland und Frankreich bekräftigten unterdessen ihre Bereitschaft zur Unterstützung der UN-Militäroperation.

Ramsauer kritisierte, dass Deutschland und Frankreich je 500 Soldaten stellen sollen und der Rest der Europäischen Union zusammen ebenfalls nur 500 Soldaten. Deutschland sei im Kongo keine Kolonialmacht gewesen und trage deshalb keine historische Verantwortung für das Land. «Insofern werden wir hier noch viele Fragen klären müssen», betonte der CSU-Politiker.

Merkel und Chirac nennen Bedingungen
Auch die FDP meldete Bedenken an. Der außenpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Werner Hoyer, erklärte: «Das ist ein sehr gefährliches Mandat. Die Voraussetzungen sind weder politisch noch militärisch geklärt. Die Vorbereitung auf der europäischen Ebene ist katastrophal.» Allerdings habe Europa auch eine große Verantwortung gegenüber Afrika.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Jacques Chirac nannten nach einem Gipfeltreffen in Berlin erneut mehrere Bedingungen für einen EU-Einsatz in dem zentralafrikanischen Land. Dazu zählten die Akzeptanz der kongolesischen Regierung, ein UN-Mandat sowie eine klarer zeitlicher Rahmen. Der kongolesische Informationsminister Henri Mova Sakanyi sagte, sein vom Bürgerkrieg gezeichnetes Land benötige dringend die Unterstützung der EU-Soldaten. «Wir sind absolut für den Einsatz», sagte Sakanyi der Nachrichtenagentur AP.

Struck für deutsche Beteiligung
Die Vereinten Nationen haben die EU gebeten, bei der Sicherung der am 18. Juni geplanten Präsidentschaftswahl in der Demokratischen Republik Kongo zu helfen. Dazu sollen die Europäer die bereits vor Ort stationierte UN-Truppe unterstützen. Die Kräfte der 17.000 Mann starken Friedenstruppe seien vor allem in den gefährlichen Rebellengebieten im Osten des Landes gebunden.

SPD-Fraktionschef Peter Struck sagte, er halte es für erforderlich, dass Deutschland im Rahmen eines größeren europäischen Kontingents eine Rolle übernehme. Es seien aber noch viele Fragen offen. Eine Regierungsentscheidung müsse bis Ende März fallen.

Bundeswehrverband kritisiert Planungen
Der Wehrbeauftragte Reinhold Robbe forderte die Bundesregierung auf, die Einsatzbedingungen genau zu klären. In der Truppe herrsche Unsicherheit, weil viele Fragen ungeklärt seien. «Die Politik ist es den Soldaten schuldig, sie bis zum letzten Komma zu beantworten.»

Mit scharfen Worten attackierte der Vorsitzende des Bundeswehrverbands, Bernhard Gertz, den EU-Außenbeauftragten Javier Solana wegen dessen Einsatzplanung. Gertz sagte, Solana habe «nicht wirklich gut vorgearbeitet». Es handele sich schließlich nicht um einen symbolischen Beitrag. «Mir riecht das Ganze verdächtig nach Show-Business», meinte Gertz. «Und dafür das Leben deutscher Soldaten aufs Spiel zu setzen, da habe ich ernsthafte Probleme.» (nz)