UN kritisiert deutsche Schulen: Frühe Auslese bringt Nachteile:
Uno kritisiert deutsches Bildungssystem
Die bestehenden Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern zu groß, betonte Muñoz und rief zu einer Debatte über weitere Reformen im deutschen Bildungssystem auf.
Für die Kultusministerkonferenz wies der Berliner Schulsenator Klaus Böger darauf hin, dass es in den Ländern keinen Konsens über die Schulstruktur gebe. Die KMK habe die Strukturdebatte nach der Pisa-Diskussion ausgeklammert, sich aber auf sieben andere Handlungsfelder geeinigt. Bundesbildungsministerin Annette Schavan plädierte für eine Weiterentwicklung der föderalen Struktur. Bund und Länder müssten sich dabei auf gemeinsame Ziele einigen. Entscheidend sei, dass keine Entscheidung in der Schullaufbahn eines Kindes bereits eine Entscheidung über einen bestimmten Abschluss sein dürfe.
Mit seiner Kritik rührt Muñoz an einer sensiblen Stelle deutscher Politik: Seit Jahren betonen die Bundesländer energisch ihre Verantwortung und Zuständigkeit für das Bildungswesen. Als Bund und Länder in der vergangenen Wahlperiode im Rahmen der so genannten Föderalismusreform über eine Neuaufteilung der Beziehungen zwischen Bund und Ländern sprachen, scheiterte eine Einigung an ebendieser Bildungsfrage.
Auch die bundesweite Vertretung der Türken und türkischstämmigen Deutschen hatte über die Aufteilung der Kinder auf die verschiedenen Schultypen geklagt, was zu einer Trennung von Migranten- und deutschen Kindern führe. «Migrantenkinder füllen nach und nach die Hauptschulen, deutsche Schüler eher die Gymnasien», schrieb der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, an Muñoz Villalobos.
Auch im Vorschulbereich sei die Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher nicht geeignet, Kindern nichtdeutscher Herkunftssprache die deutsche Sprache als Zweitsprache beizubringen. Kolat beklagte zudem deren schlechte Bezahlung. Das Verdienstniveau sei in allen Ländern, die in dem europaweiten «Pisa»-Bildungsvergleich besser abgeschnitten hätten, höher. Es mangele auch an mehrsprachigen Betreuern.
Dabei werde in 20 bis 30 Jahren in deutschen Ballungszentren kaum eine Schule zu finden sein, in der weniger als 50 Prozent Schüler aus Zuwandererfamilien lernten, prognostizierte Kolat. Wie Kolat schrieb, lernen an Deutschlands allgemeinbildenden Schulen etwa 1,15 Millionen Schüler nichtdeutscher Herkunft mit ausländischem oder deutschem Pass. Davon sind etwa 550.000 türkischer Herkunft. (nz)

