netzeitung.deActionfilm «Tal der Wölfe» entzweit Union

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Filmplakat zu "Tal der Wölfe" (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Filmplakat zu "Tal der Wölfe"
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Politik streitet über den richtigen Umgang mit dem Film «Tal der Wölfe». Auf Antrag Nordrhein-Westfalens wird die Altersfreigabe neu geprüft, Grüne und das Deutsch-Türkische Forum der Union fordern Meinungsfreiheit.

Der türkische Actionfilm «Tal der Wölfe» hat einen politischen Streit ausgelöst. Das Deutsch-Türkische Forum der CDU und der Grünen- Politiker Christian Ströbele sprachen sich gegen die von Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) geforderte Absetzung des Films aus. «Wir bewegen uns schrittweise auf einen Kampf der Kulturen zu, das ist gefährlich», sagte der Forums-Vorsitzende Bülent Arslan, dem «Kölner Stadt-Anzeiger».

Stoiber hatte die Kinobetreiber aufgefordert, den «rassistischen und antiwestlichen Hass-Film» sofort abzusetzen. Der Zentralrat der Juden in Deutschland kritisierte, wer den Film zeige, unterstütze den Antisemitismus. Im Film kämpft ein türkischer Agent im Irak gegen die USA. Er rächt sich für die Verschleppung türkischer Soldaten durch US-Elitetruppen. Kritikern zufolge werden der Westen, Juden und Christen als Feinde des Islam dargestellt.

Der Film habe zwar keinen guten Einfluss auf türkische Jugendliche in Deutschland. Aber auch viele Hollywood-Filme würden mit platten Feindbildern arbeiten, so Arslan. Wie in solchen Fällen habe auch jetzt die Meinungsfreiheit Vorrang. Ströbele sagte dem Blatt: «Das mag ein unerfreulicher Film sein. Aber für irgendwelche Maßnahmen sehe ich überhaupt keinen Anlass.»

Appell an Kinobetreiber
Der Europaabgeordnete Elmar Brok (CDU) appellierte dagegen wie Stoiber an die Kinobetreiber. Es liege in deren Verantwortung, die Verbreitung von Feindbildern nicht zu akzeptieren. Der Filmverleih «Maxximum Film» wies diesbezügliche Forderungen nach einer Absetzung des Films zurück.

Der kultur- und medienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Börnsen, sagte: «Filme, die Hass säen, bei Heranwachsenden zur Rache aufrufen, gegen Glaubensgemeinschaften undifferenziert Front machen, die Werte anderer Kulturen herabsetzen und blanke Gewalt predigen, haben im Kino nichts verloren». Er appellierte ebenfalls an die Kinobetreiber und kritisierte die Entscheidung der Freiwilligen Film-Selbstkontrolle, den Film ab 16 Jahren freizugeben. «Falls die Rechtslage keinen Ausstieg mehr möglich macht, wäre ein solcher Film nur mit einem kritischen Begleitkommentar vertretbar», so Börnsen.

Neue FSK-Prüfung
Auf Antrag von Nordrhein-Westfalen kommt der am 9. Februar gestartete Film jetzt erneut vor die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK). Das Land rief am Montag den Appellations-Ausschuss der FSK an, wie Geschäftsführerin Inge Kempenich mitteilte. Es beantragte, das Mindestalter der Zuschauer von 16 auf 18 Jahre heraufzusetzen.

Der nordrhein-westfälische Jugendminister Armin Laschet (CDU) nannte den Streifen jugendgefährdend und «sozial desorientierend». Der Film könne dazu beitragen, den Dialog der Kulturen zu zerstören und den Konflikt zwischen den Religionen zu schüren. Er zeichne sich auch durch einen latenten und unverhohlenen Antisemitismus aus.

Die FSK hatte dem Werk zuerst eine ideologische Tendenz bescheinigt, die 16-Jährige überfordern könne. Deshalb gab sie ihn zunächst erst ab 18 frei. Der Verleih focht das aber erfolgreich an, und der Film wurde ab schon 16 freigegeben. Der Appellationsausschuss ist die letzte Instanz der FSK. Nach Auskunft der Organisation muss er binnen eines Monats entscheiden.

Der Film wird in Deutschland bislang nur in türkischer Sprache mit deutschen Untertiteln gezeigt. Er läuft laut «Maxximum Film» in 65 Kopien vor allem in den großen Multiplex-Kinos. Eine deutsche Synchronfassung sei für März «angedacht», hieß es. Der Film ist auch in anderen Ländern wie Österreich, Belgien, den Niederlanden, Dänemark, England und der Schweiz zu sehen. Dort blieben Proteste wie in Deutschland aber bislang aus. (nz)