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Schavan: Chancengleichheit auch für Jüngere

13. Feb 2006 15:25
Bundesbildungsministerin Schavan
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Die Uno nimmt Deutschlands Schulen ins Visier: Ein Sonderbeauftragter spürt Nachteilen für Migranten nach. Ministerin Schavan sieht Deutschland nach der «Pisa»-Studie auf dem Weg der Besserung.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sieht das deutsche Schulsystem auf dem Wege der Besserung. «So viel Reform wie im Moment und so viel Bewegung, wie es im Moment in unseren Schulen gibt, gab es seit 50 Jahren nicht mehr», sagte Schavan vor einem Treffen mit dem UN-Sonderbeauftragten für Menschenrechte und Chancengleichheit, Vernor Munoz Villalobosim, im ZDF.

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Der UN-Beauftragte soll am Montag in Deutschland eintreffen und für neun Tage die Bundesrepublik bereisen. Dabei soll er besonders die Situation von Migranten und deren Bildungserfolg im Blick haben. Deutschlands Schulen stehen spätestens seit 2001 unter starker Beobachtung: Die «Pisa»-Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hatte den damals 15-jährigen Schülern erhebliche Leistungsdefizite bescheinigt.

In den letzten Bildungsjahren vermittele das deutsche Bildungssystem sehr viel Chancengleichheit, sagte Schavan. Jetzt sei die Aufgabe, dies stärker für die ersten Bildungsjahre zu verwirklichen. Anders als in anderen Ländern gelang es den deutschen Schulen bislang nicht, herkunftsbedingte Nachteile beim Lernen auszugleichen. Besonders Kinder aus Migrantenfamilien stehen selbst Jahre nach Pisa noch immer schlechter da: Umfassende Angebote der Bildungsförderung für weniger begabte Migrantenkinder sind viel zu selten, ergab eine vor einem Jahr veröffentlichte Studie der Körber-Stiftung. Talentierte und engagierte Migrantenkinder stießen hier auf bessere Bedingungen, erkannten Fachleute.

Nicht nur über Fußball reden

Auch die Unkenntnis und Ignoranz von Lehrern über die Herkunftskultur ihrer Schüler sei verantwortlich für deren Desinteresse, förderten die Experten zutage. «Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass an deutschen Schulen ein Mangel an interkultureller Kompetenz vorherrscht», bemängelte damals Studienleiter Cem Özdemir. Im Gegenzug hielt der Europa-Grünen-Politiker aber auch mehr Entgegenkommen der Migrantenfamilien vonnöten: «In der türkischen Teestube sollten sich die Gespräche nicht nur um Fußball, sondern auch um die Bildungserfolge ihrer Kinder drehen.» Auch türkische Familien müssten lernen, dass «der entscheidende Punkt für die Akzeptanz in der Gesellschaft die Bildungsfrage ist».

Wie die OECD damals bilanzierte, landete Deutschland in der internationalen Gesamtwertung je nach untersuchtem Schulfach zwischen dem 20. und 25. Rang - auf dem Niveau von Russland und Brasilien. In einer Kategorie erreichte Deutschland sogar nur noch den vorletzten Platz, vor Mexiko.

Sozial Schwache schlechter

Besonders erschreckend für Kultusminister wie Schulforscher war damals: Gut jeder fünfte deutsche Schüler erreichte bei der so genannten Lesekompetenz nur die niedrigste Leistungsstufe. Die Fähigkeit beim Lesen und Verstehen gilt aber als eine der wichtigsten Voraussetzungen, um sich im Leben und im Beruf zurecht zu finden und sich auch mathematische und naturwissenschaftliche Kenntnisse anzueignen. Die Mehrzahl dieser als leistungsschwach bewerteten Schüler ist männlich und stammte aus sozial schwachen Milieus.

Schulbetrieb in Deutschland
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In die Kritik geriet mit «Pisa» auch das mehrgliedrige Schulsystem, das die Lernenden in Grund-, Mittel-, Oberschüler teilt und selbst in diesen Stufen je nach angestrebtem Abschluss noch weiter trennt. In den Staaten mit Spitzenleistungen werden die Kinder nicht wie in Deutschland üblich als Zehnjährige auf verschiedene Schulformen verteilt. Sie besuchen mindestens bis zur neunten Klasse gemeinsam die Schule. Auch brachten Länder mit Ganztagsschulen die besten Ergebnisse.

Ideologische Grabenkämpfe beenden

Die 2001 veröffentlichte Pisa-Studie löste in Deutschland eine heftige Debatte um die Prinzipien des Bildungssystems aus. Der Industrieverband BDI sah die Nation in «einer Bildungskatastrophe». Die damalige Bildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) plädierte dafür, Kinder früher auf das Lernen vorzubereiten. Bildungsgewerkschaftler forderten eine «Qualitätsoffensive für bessere Schulen» und ein Ende «ideologischer Grabenkämpfe» bei der Diskussion um eine Reform des Schulwesens.

Für die 2001 veröffentlichte Untersuchung waren im Auftrag der OECD im Sommer 2000 weltweit über 260.000 Schüler von 15 Jahren getestet worden, darunter rund 10.000 Deutsche. 2002 folgte eine nationale Auswertung, für die im Auftrag der Kultusminister weitere 50.000 Schüler einbezogen wurden. Im Jahr 2005 veröffentlichte die OECD einen weiteren Bundesländer-Vergleich, der einen noch stärkeren Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen nachwies.

Der UN-Berichterstatter Muñoz will sich auf seiner Visite bis Dienstag kommender Woche unter anderem mit Regierungsvertretern, Lehrern und Bildungsexperten treffen. Geplant sind Schulbesuche und Gespräche in Berlin, Potsdam, Bonn und München. (nz)

 
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