Bundestag ruft zum Dialog der Kulturen auf
Grünen-Parteichef Reinhard Bütikofer plädierte für europäische Solidarität mit Dänemark, wo die umstrittenen Karikaturen zuerst publiziert worden waren. «Verachtenswert» sei es, dass sich Konzerne wie Nestlé und Carrefour in Anzeigen von Dänemark distanzierten, sagte Bütikofer. Es sei fundamental notwendig, dass Europäer auch unter Druck an gemeinsamen europäischen Werten wie der Pressefreiheit festhalten. Das gelte auch dann, wenn man zu der Mohammed-Karikatur eine kritische Haltung habe.
Für die FDP meinte deren Fraktionschef Wolfgang Gerhardt, auch in der arabischen Welt müsse die Schärfe der Pressefreiheit gelegentlich ertragen werden. Die Proteste gegen die Karikaturen hätten inzwischen aber jedes Maß überschritten. Der SPD-Abgeordnete Niels Annen sagte, dem «Kalkül von Fundamentalisten» dürfe man nicht aufsitzen. Er wie auch andere Redner forderten zu mehr Gelassenheit in der Auseinandersetzung auf.
Es sei selbstverständlich, dass man sich bemühe, die Kultur der Freiheit zu verteidigen, Missbrauch von Religion abzuwehren und Gewalt entschieden zu widersprechen, sagte Thierse. Aber man solle das ganze nicht immer wieder dazu benutzen, um selber Unsicherheit und Ängste vor kulturellen, religiösen oder mentalen Unterschieden zu mobilisieren und für die eigenen politischen Absichten zu missbrauchen.
Thierse wandte sich damit unter anderem gegen Versuche aus den Unionsparteien, die gewalttätigen Proteste in der islamischen Welt zum Anlass zu nehmen, die EU-Perspektive der Türkei erneut in Frage zu stellen. (nz)

