netzeitung.deCohn-Bendit greift «Welt» in Satirestreit an

 Herausgeber: netzeitung.de

Daniel Cohn-Bendit (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Daniel Cohn-Bendit
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Fraktionschef der Grünen im EU-Parlament hat den Nachdruck von Mohammed-Karikaturen scharf kritisiert. Dies habe einen «strengen heuchlerischen Geruch», sagte er. Thema: Mohammed-Satire Karikaturenstreit führt zu Hackerangriffen Wieczorek-Zeul lehnt Beihilfe-Kürzung ab Karikaturen 2005 auch in Ägypten gedruckt Irans Vizepräsident wirft USA Lügen vor Karikaturen-Streit Thema beim Nato-Treffen Grüne Beer warnt vor Sanktionen gegen Iran

Der Co-Vorsitzende der Fraktion der Grünen im Europäischen Parlament, Daniel Cohn-Bendit, hat mit scharfen Worten auf die deutsche Diskussion über die umstrittenen Mohammend-Karikaturen reagiert. «Dieses ganze Sich-in-die-Brust-Werfen für Meinungsfreiheit hat bei uns einen strengen heuchlerischen Geruch», sagte er der «tageszeitung» (taz).

So nehme er der Tageszeitung «Die Welt» die Haltung nicht ab, die Karikaturen im Namen der Meinungsfreiheit abgedruckt zu haben, kritisierte der Grünen-Politiker. «Wenn es Karikaturen gewesen wären, die das Christentum oder das Judentum beleidigen, hätte das Blatt sie nicht gedruckt», sagte Cohn-Bendit. «Eine Zeitung wie Charlie Hebdo, die im Rahmen der Anti-Aids-Kampagne Christus mit einem Steifen und Pariser darauf am Kreuz sagen lässt, ich ficke nur mit Pariser, die kann auch Mohammed-Karikaturen drucken», gab er zudem zu bedenken und mahnte zugleich, die Debatte zu versachlichen: «Lasst uns Luft aus der Sache nehmen.»

Die Karikaturen waren zuerst in Dänemark veröffentlicht worden, inzwischen wurden sie aber quer durch Europa nachgedruckt. Seitdem gibt es vor allem in islamischen Ländern heftige Proteste, bei denen mehrere Menschen ums Leben kamen.

Nach Cohn-Bendits Einschätzung haben die «jetzigen Massenaktionen» in der muslimischen Welt mit dem Abdruck der Karikaturen in Dänemark «gar nichts zu tun», weil dort kaum jemand etwas über Dänemark wisse. Es sei vielmehr so, dass es in muslimischen Gesellschaften Teile der Bevölkerung gebe, «die leicht gegen den Westen zu mobilisieren» seien. «Wenn sich die Fundamentalisten der Sache annehmen, dann rollen die Massendemonstrationen», sagte der Grünen-Politiker. «Der geringste Anlass genügt.»

Cohn-Bendit äußerte vor diesem Hintergrund die Vermutung, dass sich «offensichtlich» ein Teil der muslimischen Gesellschaft immer mehr vom Westen entferne. Wie groß dieser Teil sei, könne man aber nicht mit Gewissheit sagen. Einigen Aufschluss gäben jedoch Presseartikel in den muslimischen Ländern und Internetforen, erläuterte der Grünen-Politiker. «Sie zeichnen ein gelasseneres Bild als das, das die Demos vermitteln.»

Ungeachtet dessen ist sich Cohn-Bendit sicher, dass es zumindest bei denen, die auf die Straße gingen, ein «Gefühl tiefer Kränkung» gebe. «Ich glaube, dass die Wurzel dieser Kränkung in der Überzeugung besteht, dass die islamische, besonders aber die arabische Welt permanent von den USA, dem 'Satan' und den anderen westlichen Ländern unterdrückt wird», sagte er. (nz)