Cohn-Bendit greift «Welt» in Satirestreit an
So nehme er der Tageszeitung «Die Welt» die Haltung nicht ab, die Karikaturen im Namen der Meinungsfreiheit abgedruckt zu haben, kritisierte der Grünen-Politiker. «Wenn es Karikaturen gewesen wären, die das Christentum oder das Judentum beleidigen, hätte das Blatt sie nicht gedruckt», sagte Cohn-Bendit. «Eine Zeitung wie Charlie Hebdo, die im Rahmen der Anti-Aids-Kampagne Christus mit einem Steifen und Pariser darauf am Kreuz sagen lässt, ich ficke nur mit Pariser, die kann auch Mohammed-Karikaturen drucken», gab er zudem zu bedenken und mahnte zugleich, die Debatte zu versachlichen: «Lasst uns Luft aus der Sache nehmen.»
Cohn-Bendit äußerte vor diesem Hintergrund die Vermutung, dass sich «offensichtlich» ein Teil der muslimischen Gesellschaft immer mehr vom Westen entferne. Wie groß dieser Teil sei, könne man aber nicht mit Gewissheit sagen. Einigen Aufschluss gäben jedoch Presseartikel in den muslimischen Ländern und Internetforen, erläuterte der Grünen-Politiker. «Sie zeichnen ein gelasseneres Bild als das, das die Demos vermitteln.»
Ungeachtet dessen ist sich Cohn-Bendit sicher, dass es zumindest bei denen, die auf die Straße gingen, ein «Gefühl tiefer Kränkung» gebe. «Ich glaube, dass die Wurzel dieser Kränkung in der Überzeugung besteht, dass die islamische, besonders aber die arabische Welt permanent von den USA, dem 'Satan' und den anderen westlichen Ländern unterdrückt wird», sagte er. (nz)

