Deutschland trauert um Johannes Rau:
Bestürzung über den Tod von Johannes Rau
27. Jan 2006 14:02, ergänzt 20:55
 |  Johannes Rau | Foto: dpa |
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Mit Bestürzung und Trauer haben Politiker auf den Tod von Johannes Rau reagiert. Der Altbundespräsident war am Freitagmorgen gestorben.
Die Nachricht vom Tod des früheren Bundespräsidenten Johannes Rau hat in Politik und Gesellschaft Bestürzung und Trauer ausgelöst.
Köhler: Rau bleibt unvergessen
Der amtierende Bundespräsident Horst Köhler hat seinen Vorgänger Johannes Rau als Politiker gewürdigt, der die Welt menschlicher gemacht hat. Köhler sagte: «Der Tod von Johannes Rau erfüllt mich mit tiefer Trauer.» Deutschland habe einen Politiker verloren, der sich mit ganzer Kraft für das Wohl seiner Mitmenschen eingesetzt habe. Der gläubige Christ Rau habe Brücken gebaut, statt Gräben gezogen. Er habe «versöhnt statt gespalten».
Katzav: großer Freund Israels
Der israelische Staatspräsident Mosche Katzav hat den verstorbenen Rau als «großen Freund Israels und des jüdischen Volkes» gewürdigt. Rau habe als Bundespräsident maßgeblich zu den engen deutsch-israelischen Beziehungen beigetragen, erklärte Katzav am Freitag in Jerusalem. Damit habe er den von Bundeskanzler Konrad Adenauer eingeschlagenen Weg fortgesetzt. Zugleich erinnerte Katzav an Raus entschlossenes Eintreten gegen Antisemitismus und die Leugnung des Holocaust.
USA: Stimme des Gewissens
Der Sprecher des US-Außenministeriums, Sean Mc Cormack, würdigte Rau mit den Worten, dieser sei die Stimme des moralischen Gewissens Deutschlands, ein Vorkämpfer der Menschenrechte und ein Fürsprecher der nationalen Einheit und der Versöhnung zwischen Ost und West gewesen.
Merkel: Wir verneigen uns
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte, Rau habe sich um Deutschland verdient gemacht: «Wir verneigen uns in Achtung und Dankbarkeit vor seiner politischen Lebensleistung.» Rau sei ein außerordentlich beliebter Bundespräsident und ein Freund der Menschen gewesen. Diese Haltung sei seinem christlichen Glauben entsprungen, danach habe er Politik gestaltet.
Schäuble: großer Staatsmann
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) würdigte Rau als großen Staatsmann. Während einer Rede in der Bundesakademie für Sicherheitspolitik in Berlin wurde Schäuble die Nachricht von Raus Tod überbracht. Der CDU-Politiker unterbrach daraufhin seine Rede vor knapp 100 Sicherheitsexperten aus Militär und Gesellschaft und legte gemeinsam mit ihnen eine Gedenkminute für Rau ein.Die CDU reagierte mit «tiefer Betroffenheit» auf den Tod Raus. Mit ihm sei ein «aufrechter Demokrat von uns gegangen, dessen politischer Stil vorbildhaft war», sagte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla. Mit seinem Motto «versöhnen statt spalten» habe er «immer wieder glaubwürdig vorgelebt, dass unabhängig von parteipolitischen Erwägungen im Mittelpunkt jeder Politik der Mensch stehen» müsse.
Platzeck: unschätzbare Verdienste
SPD-Chef Matthias Platzeck hat die Verdienste des verstorbenen Altbundespräsidenten gewürdigt. «Die deutsche Sozialdemokratie trauert um Johannes Rau. Wir haben einen unersetzlichen Freund verloren, der einer der bedeutendsten und beliebtesten Politiker unseres Landes war», erklärte er am Freitag in Berlin. Rau habe sich «um seine Heimat Nordrhein-Westfalen und um das ganze Land und seine Menschen unschätzbare Verdienste erworben». Platzeck fügte hinzu: «Er wird uns fehlen.»
NRW-Landesregierung: Mann des Ausgleichs
Auch die nordrhein-westfälische Landesregierung reagierte bestürzt über den Tod des früheren Bundespräsidenten. Der stellvertretende Ministerpräsident Andreas Pinkwart (FDP) würdigte am Freitag die Verdienste Raus als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen in den Jahren 1978 bis 1998. Er habe wie kein anderer Politiker in den letzten Jahrzehnten die Geschicke des bevölkerungsreichsten Bundeslandes bestimmt, sagte Pinkwart im WDR.Als Mann des Ausgleichs habe Rau auch stets den Weg in die Herzen der Menschen gefunden. Bis zuletzt habe sich der SPD-Politiker, der seine politische Karriere 1969 als Wuppertaler Oberbürgermeister begann, «in großartiger Weise» für das Gemeinwesen eingesetzt. Rau starb am Freitag im Alter von 75 Jahren in Berlin.
Stoiber: Überzeugungskraft und Charme
Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) hat sich tief betroffen über den Tod von Altbundespräsident Johannes Rau geäußert. Rau sei ein großer Politiker und ein großer Mensch gewesen, sagte Stoiber am Freitag in München. «Johannes Rau war ein Brückenbauer zwischen Politik und Bürgern mit seinem Lebensmotto »Versöhnen statt Spalten«». Er habe die Bürger mit Einfühlungsvermögen, Überzeugungskraft und Charme erreicht. Als Präsident sei er eine hoch geachtete Stimme Deutschlands gewesen. Verdienste habe sich Rau auch bei der Aussöhnung mit Israel erworben.
Spiegel: Mitgefühl für Frau und Kinder
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, hat Johannes Raus Einsatz für die Juden in Deutschland gewürdigt. «Mit Johannes Rau verliert die jüdische Gemeinschaft in Deutschland und der Staat Israel einen engen, verlässlichen Freund», sagte Spiegel am Freitag in Düsseldorf.Er sei zutiefst erschüttert und traurig über die Todesnachricht. Sein Mitgefühl gelte Raus «tapferer Frau und seinen Kindern». Er kenne Rau bereits aus dessen Zeit als Wuppertaler Oberbürgermeister vor 36 Jahren. «Ich bin sehr stolz darauf, dass er mich als seinen Freund bezeichnet hat», sagte Spiegel.
Grüne: Rau war großer Staatsmann
Die FDP würdigte Rau als eine der «prägenden Personen der Nachkriegsgeschichte». Der Ex-Bundespräsident habe sich weit über die Parteigrenzen hinweg Respekt verschafft und sich um Deutschland verdient gemacht, erklärten der FDP-Bundesvorsitzende Guido Westerwelle und der FDP-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Gerhardt. «Das Lebensprojekt von Johannes Rau war die Verbindung von Politik und Menschlichkeit. Die FDP verneigt sich vor seiner Lebensleistung.»Die Grünen würdigten den gerstorbenen Altbundespräsidenten als «großen Staatsmann» gewürdigt. «Johannes Rau war ein großer Staatsmann, dem Deutschland viel zu verdanken hat», erklärten die Fraktionsvorsitzenden Renate Künast und Fritz Kuhn am Freitag in Berlin. Sein Lebensmotto «Versöhnen statt Spalten» habe er allen beispielhaft vorgelebt.
FDP: Brücken gebaut
Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle und der FDP-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Gerhardt haben ihre Trauer über den Tod von Altbundespräsident Johannes Rau zum Ausdruck gebracht. Als eine der prägenden Personen der Nachkriegsgeschichte habe sich Johannes Rau weit über die Parteigrenzen hinweg Respekt verschafft und sich um Deutschland verdient gemacht, erklärten die beiden FDP-Politiker am Freitag in Berlin.Als Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens, als SPD-Vorsitzender und als Bundespräsident habe Rau niemals nur amtiert oder repräsentiert, sondern Brücken gebaut. Auch wegen seines Humors hätten ihn viele Deutsche in ihr Herz geschlossen. Das Lebensprojekt von Johannes Rau sei die Verbindung von Politik und Menschlichkeit gewesen. Die FDP verneige sich vor seiner Lebensleistung, so Westerwelle und Gerhardt.
EKD: glaubwürdiger Christ
Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat den verstorbenen Altbundespräsidenten Johannes Rau als glaubwürdigen Christen und Vorbild für Mitmenschlichkeit gewürdigt. «Unser Bruder Johannes Rau hat gelebt, wovon er stets gesprochen hat: die Menschen zu lieben», erklärte der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber. Als evangelischer Christ habe Rau ein Leben lang in außerordentlicher Weise öffentliche Verantwortung wahrgenommen.Das Zeugnis seines Glaubens habe viele Menschen in der evangelischen Kirche wie auch weit darüber hinaus ermutigt, ihren Glauben zu leben. «Unser tiefes Mitgefühl gilt in diesem Augenblick besonders seiner Familie.» Die evangelische Kirche wie ganz Deutschland verliere mit ihm eine herausragende Stimme, die sowohl innerhalb seiner Landeskirche, der EKD und der Ökumene als auch in Politik und Gesellschaft gehört worden sei.
Lehmann: tief ökumenischer Christ
Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, sagte, Raus Wirken sei stets von der Sorge um das Wohl der Menschen geprägt gewesen. Lehmann hebt hervor, Rau habe sich stets klar zum Christentum bekannt. Er habe ihn als «tief ökumenisch eingestellten evangelischen Christen» kennen gelernt.
Weltkirchenrat: Freund der Ökumene
Der Weltkirchenrat würdigte Rau als «Freund der ökumenischen Bewegung». Als Humanist und praktizierender Christ werde Rau in Erinnerung bleiben sowie wegen seines Einsatzes «zur Versöhnung mit den Opfern des Faschismus und des Holocaust», schrieb der stellvertretende Generalsekretär des Weltkirchenrates, Georges Lemopoulos, an die Mitgliedskirchen in Deutschland. «Rau war ein Freund der ökumenischen Bewegung und erkannte die Bedeutung, die die Religion nach dem Kalten Krieg für das bürgerliche und politische Leben der meisten Staaten spielte.»
Unicef: Gerechtigkeit und Verständigung
Das UN-Kinderhilfswerk Unicef hat den gestorbenen ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau als Brückenbauer über alle sozialen, kulturellen und politischen Gegensätze hinweg gewürdigt. «Unicef dankt Johannes Rau für seinen lebenslangen Einsatz für Gerechtigkeit und Verständigung», sagte der Geschäftsführer von UNICEF Deutschland, Dietrich Garlichs, am Freitag in Köln. Rau sei als Mensch und Politiker immer für die Rechte der ärmsten Kinder auf der Welt eingetreten. (nz)