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Versöhnen statt spalten: 

Rau-Porträt: «Bundespräsident aller Deutschen»

27. Jan 2006 12:58
Johannes Rau
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Johannes Rau galt über Jahre als einer der beliebtesten deutschen Politiker. Nachdrücklich setzte sich der Altbundespräsident für das Zusammenleben von Deutschen und Ausländern ein.

«Versöhnen statt spalten» - dieser immer wieder zitierte Grundsatz hat das politische Leben von Johannes Rau geprägt. Der «Menschenfischer» galt über Jahre als einer der beliebtesten deutschen Politiker.

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Als er vor eineinhalb Jahren aus dem höchsten Staatsamt schied, war er schon mehr als 50 Jahre politisch aktiv. 20 Jahre Ministerpräsident, das mit Abstand am längsten amtierende Mitglied des nordrhein-westfälischen Landtags und mehr als 10 000 Tage am Düsseldorfer Kabinettstisch, dazwischen auch mal SPD-Kanzlerkandidat, dann schließlich ab 1. Juli 1999 Staatsoberhaupt - eine einzigartige deutsche Politikerkarriere. «Das Ideal meiner Politik ist es, das Leben der Menschen im Laufe der Jahre ein Stückchen menschlicher zu machen», sagte Rau im Dezember 1985.

Seine politische Karriere begann der am 16. Januar 1931 geborene Sohn eines Wuppertaler Predigers 1952 in der Gesamtdeutschen Volkspartei, die sein politischer Lehrmeister Gustav Heinemann aus Protest gegen die Politik Konrad Adenauers gegründet hatte. Nach dem Wechsel zur SPD begann Raus rasanter Aufstieg. Im Alter von 51 Jahren gab Rau 1984 sein Junggesellendasein auf und heiratete Christina Delius, eine Enkelin Heinemanns. Das Paar hat drei Kinder.

Nicht immer ging für «Bruder Johannes» - wie Rau wegen seiner Bibelfestigkeit genannt wurde - alles glatt. 1987 scheiterte er als Kanzlerkandidat an Helmut Kohl. 1994 unterlag er bei seiner ersten Bewerbung für das höchste Staatsamt Roman Herzog. 1999 wurde Rau dann der achte Bundespräsident. Als Richtlinie für seine Amtszeit nannte er: «Ich will der Bundespräsident aller Deutschen sein und der Ansprechpartner für alle Menschen, die ohne einen deutschen Pass bei uns leben und arbeiten.» Nachdrücklich setzte er sich für das Zusammenleben von Deutschen und Ausländern ein.

Rau profilierte sich als politischer Präsident. In einem historischen Auftritt vor dem israelischen Parlament Knesset am 16. Februar 2000 bat Rau, der in Israel höchstes Ansehen genießt, um Vergebung für die Verbrechen Nazi-Deutschlands. In China prangerte er Menschenrechtsverletzungen an. In der Debatte um die Gentechnik warnte er vor einem unkritischen Umgang.

Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Amt wollte Rau weiter aktiv bleiben. Doch die Folgen von zwei schweren Operationen ließen dies nicht mehr zu. (nz/dpa)

 
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