Schon früh Kontakt zu Osthoffs Geiselnehmern
21. Dez 2005 12:19
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Das Schweigen der Bundesregierung während der Entführung der Deutschen Osthoff war Strategie: Schon seit Wochen sollen die Verhandlungsführer Kontakt zu den Geiselnehmern eines irakischen Stammes gehabt haben.
Thema: Osthoffs Freilassung |
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Die Bundesregierung wusste offenbar wesentlich mehr, als sie in den vergangenen Wochen zugab: Während Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) in Interviews zur Entführung der Deutschen Archäologin Susanne Osthoff im Irak beteuerte, es sei besser zu schweigen, verhandelten die Krisenmanager bereits mit dem Duleimi-Stamm. Das berichtet das Magazin «Stern». Die Angehörigen der Volksgruppe leben vor allem im Westirak.
Nur Lösegeld
Die Stammesangehörigen hätten zwar offiziell politische Forderungen erhoben, letztlich sei es ihnen aber nur um Lösegeld gegangen, heißt es. Schäuble hatte am 11. Dezember noch gesagt, es sei «im Interesse der Geisel, den Mund zu halten». Doch er habe bereits damals gewusst, dass Susanne Osthoff am Leben war und bald freikommen würde. Der ZDF-Terrorismusexperte Elmar Theveßen berichtete am 14. Dezember, dass die Bundesregierung Kontakte zu Vermittlern im Irak habe. Der Leiter des Essener Institutes für Terrorismusforschung und Sicherheitspolitik, Rolf Tophoven, hatte der Netzeitung gesagt, die Beteuerung aus dem Krisenstab des Auswärtigen Amtes in den vergangenen Wochen, es gebe noch immer keinen Kontakt, sei «taktisch begründet» gewesen. «Im Hintergrund wurde dann möglicherweise versucht, über schiitische und sunnitische Kanäle, über Stammesfürsten einen Vermittler zu finden, der seriös, vertrauenswürdig und verschwiegen ist.» Auch der frühere Ehemann Osthoffs könne bei den Verhandlungsversuchen «eine bedeutende Rolle gespielt haben». Der arabische Ex-Mann Osthoffs «soll dort einer einflussreichen Familie angehören», so Tophoven.
Freilassung durch Straßensperren verzögert
Wie der «Stern» weiter schreibt, habe sich Osthoffs Freilassung dadurch verzögert, dass wegen der irakischen Parlamentswahl am vergangenen Donnerstag die Überlandstraßen zwischen den Provinzen tagelang gesperrt waren. Die Entführte konnte so nicht aus ihrem Versteck nach Bagdad gebracht werden. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Nadee Elyas, hatte der Netzeitung gesagt, Osthoff sei deshalb freigelassen worden, weil die Entführer einsahen, dass sie sie fälschlicherweise für eine Agentin gehalten hatten. Die Frau sei zudem während der Zeitdauer ihres Verschwindens von einer Entführergruppe an eine andere weiterverkauft worden. «Die erste Gruppe war auf Lösegeld aus. Die zweite, höchstwahrscheinlich islamistisch orientierte, hat sie dann übernommen, weil sie Frau Osthoff für eine Spionin hielten», sagte Elyas.
Will Tochter treffen
Osthoff ist, so der «Stern», extrem erschöpft. Es graue ihr vor dem Medienrummel in Deutschland. Nur ihre Tochter wollte sie treffen. Zu Details der Entführung will sich die Bundesregierung bis heute nicht äußern. Bundesaußenminister Franz-Walter Steinmeier (SPD) hatte immer wieder betont, dass der Krisenstab des Auswärtigen Amtes keinen Kontakt zu den Entführern habe. Aus Expertensicht ist durchaus wahrscheinlich, dass Osthoff mit Geld, zumindest mit einer materiellen Gegenleistung frei gekauft wurde. Es sei «ein offizielles Ritual, zu sagen, wir zahlen nichts», sagte Tophoven. (nz)