09.12.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Khaled el Masri
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Im Fall der CIA-Entführung des Deutschen Masri verdichten sich Hinweise darauf, dass deutsche Sicherheitskreise Informationen an die USA weitergaben. Masri stand unter Beobachtung. Thema: Fall Masri Steinmeier will im Fall Masri Stellung nehmen Der Fall Masri: «. . . und alle Fragen offen» US-Armee betreibt Geheimgefängnis im Kosovo Der Fall Masri und die Heuchelei von Rot-Grün
Der Deutsch-Libanese Khaled el Masri stand schon vor seiner Entführung durch die CIA am 31. Dezember 2003 unter Beobachtung deutscher Sicherheitsbehörden. Das berichtet die «Welt am Sonntag» unter Berufung auf Sicherheitskreise.
Mit der Entführung des Mannes hätten deutsche Beamte allerdings nichts zu tun gehabt, betonten die Informanten demnach. «Masri war wegen seiner Kontakte zu Reda Seyam auf unseren Radarschirm geraten», zitiert die «Welt am Sonntag» einen Sicherheitsbeamten. Seyam gilt deutschen wie amerikanischen Geheimdiensten als hochrangiges Al-Qaeda-Mitglied. Er soll maßgeblich an der Finanzierung des Terroranschlages auf der indonesischen Insel Bali 2002 beteiligt gewesen sein.
«Ganz normaler Informationsaustausch»Masri habe Kontakt zu Seyam gehabt, da er sich wie dieser und andere Islamisten häufig im Multikulturhaus in Neu-Ulm aufgehalten habe. Der Deutsch-Libanese wird vom deutschen Geheimdienst allerdings nicht als aktiver Islamist angesehen. Masri habe sich lediglich «einen kurzen Flirt mit der Islamistenszene» geleistet, heißt es in dem Zeitungsbericht.
Als Teil eines «ganz normalen Informationsaustauschs» sei US-Behörden «das wenige, was wir über el Masri hatten» weitergegeben worden.
Masri wurde insgesamt fünf Monate von der CIA in einem Gefängnis in der Nähe der afghanischen Hauptstadt Kabul festgehalten. Er wurde Ende Mai wieder entlassen und klagt nun in den USA auf Entschädigung.
«Das normalste von der Welt»Ein deutscher Sicherheitsbeamter sagte der «Welt am Sonntag», die Weitergabe von Informationen an die USA sei «das normalste von der Welt» und notwendig: «Ohne den Informationsaustausch mit den Amerikanern und anderen befreundeten Diensten kann man keine vernünftigen Erkenntnisse über al Qaeda erlangen.» Niemand habe ahnen können, dass die US-Behörden Masri bei seiner Mazedonien-Reise fassen würden. In den Sicherheitskreisen vermute man, dass «die Amerikaner ihn vielleicht als Informanten gewinnen» wollten.
Masri selbst geht von einer deutschen Mitverantwortung aus. Der «Süddeutschen Zeitung» sagte er, kurz vor seiner Freilassung in Afghanistan im Mai 2004 sei ein Mann namens Sam aufgetaucht. «Er war hundertprozentig ein Deutscher.»
Regierung sagt nichtsMasri sagte der «Süddeutschen Zeitung», er sei von den Amerikanern ausführlich zu der Islamistenszene in Neu-Ulm vernommen worden. Dabei sei es vor allem um Seyam gegangen, gegen den wegen der Anschläge auf Bali ermittelt wird. Der Beamte in Afghanistan, der kurz vor seiner Freilassung aufgetaucht sei, habe einen norddeutschen Akzent gehabt und ihm erzählt, dass es in Deutschland einen neuen Bundespräsidenten gebe. Für wen der Mann arbeitete, wisse er nicht.
Die Bundesregierung verweigerte am Freitag unter Hinweis auf die Arbeit der Nachrichtendienste die Auskunft und löste damit harsche Kritik bei der Opposition aus. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm ließ die Frage nach einer möglichen Mitverantwortung deutscher Behörden für die Verschleppung Masris unbeantwortet.
Bei Vorgängen, die auch Nachrichtendienste betreffen, dürfe die Regierung nach Rechtslage nur dem zur Geheimhaltung verpflichteten Parlamentarischen Kontrollgremium berichten, begründete er das Zurückhalten weiterer Informationen. (nz)