netzeitung.deWarnung vor französischen Verhältnissen

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Demonstration von Migranten (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Demonstration von Migranten
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Auch Deutschland droht Unzufriedenheits- Randale, wenn die Integration von Migranten nicht vorankommt. Spätestens in 15 Jahren stehe der soziale Friede auf dem Spiel, sagt ein Betroffener. Thema: Unruhen in Frankreich Brennende Autos in Berlin, Bremen, Brüssel Bosbach warnt vor Parallelgesellschaften Mehr als 1400 Autos in Frankreich abgefackelt Paris plant Verstärkung der Sicherheitskräfte

Von Tilman Steffen

Der Bezirksbürgermeister des von zahlreichen Migranten bewohnten Berlin-Neukölln, Heinz Buschkowsky, sieht den sozialen Frieden in seinem Stadtteil langfristig gefährdet. Wenn die Politik von Zuwanderern nicht Integrationsbereitschaft, Bildung und berufliche Qualifizierung einfordere, würden «aus heute integrierten Stadtvierteln dieselben Elendsquartiere werden wie in Frankreich», sagte der SPD-Politiker der Netzeitung.

«Wir bestimmen, heute, ob der soziale Friede in 15 Jahren gefährdet ist oder nicht», so der 57-Jährige. Buschkowsky zufolge kaschiert das deutsche Sozialsystem die Konflikte, die etwa in Frankreich für Unruhen sorgen. «Der soziale Friede in Deutschland wird erkauft», sagte Buschkowsky, der in seinem Rathaus auch für Finanzen und Wirtschaft zuständig ist.

Keine «Geschenk-Klausel»
Hilfsleistungen «dürfen nicht beliebig sein und keine Geschenk-Klausel» enthalten. Nur dann könne Deutschland sicher sein, dass nicht «die gleichen China-Towns entstehen wie in Frankreich».

Berlin-Neuköllns Norden werde in 15 Jahren nur noch von Migranten und ihren Familien bewohnt sein, prognostiziert Buschkowsky. «Die soziale und ethische Segregation [Entmischung] schreitet fort.»

Hinweise seit 20 Jahren
Der Kulturanthropologe Werner Schiffauer sagte der Netzeitung, insgesamt kämen die Ereignisse in Frankreich nicht unerwartet. «Seit 20 Jahren gibt es Hinweise darauf, dass da Katastrophales im Anmarsch ist», so der an der Universität Frankfurt/Oder tätige Wissenschaftler.

«Wenn man die Entmischung aufhalten könnte, wäre eine gute Prognose gegeben», so Schiffauer. Mit Sorge betrachte er zudem die jährlichen Berliner Krawalle des 1. Mai. Das «primär von Migranten und Autonomen geprägte Klientel könnte auf so einen Zug aufspringen» und die Randale zu einem Protest gegen die sozialen Verhältnisse ausweiten, befürchtet Schiffauer.

Keine vergleichbare Situation
Bürgermeister Buschkowsky betonte, dennoch herrsche in Deutschland derzeit «keine vergleichbare Situation» wie in den französischen Unruhegebieten. Zu Benachteiligung und Unzufriedenheit müsse «immer ein Schuss Emotionalität hinzukommen, der Angriff auf die persönliche Ehre und ein Aufbegehren gegen die anderen», um derart gewaltsamen Protest zu entfachen.

In Frankreich begehren seit Tagen Jugendliche gewaltsam gegen soziale Benachteiligung auf. In der Nacht zum Montag brannten rund 1400 Autos aus, öffentliche Einrichtungen, selbst Kirchen wurden angezündet. Seit Frankreichs Regierung hartes Vorgehen gegen die Randalierer ankündigte, gewannen die Proteste noch an Stärke.


Für das Web ediert von Tilman Steffen