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PISA-Bundesländer-Vergleich: Chancenungleichheit wächst: 

PISA: Chancenungleichheit an Schulen wächst

30. Okt 2005 16:12, ergänzt 22:10
PISA-Test an deutschen Schulen
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Kinder aus reichen Elternhäusern haben deutlich bessere Chancen, das Gymnasium zu besuchen. 15-Jährige aus der Oberschicht sind laut PISA-Test gleichaltrigen Arbeiterkindern in ihrem Wissen bis zu zwei Jahren voraus.

Die Chancenungleichheit in den deutschen Schulen nimmt weiter zu. Dies geht nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) aus dem zweiten PISA-Bundesländer-Vergleich hervor, den die Kultusminister an diesem Donnerstag in Berlin vorstellen. Selbst bei gleicher Intelligenz und bei gleichem Wissensstand habe ein 15-jähriger Schüler aus reichem Elternhaus eine vier Mal so große Chance, das Gymnasium zu besuchen und damit das Abitur zu erlangen als ein Gleichaltriger aus einer ärmeren Familie.

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Insgesamt sei der Wissensvorsprung der 15-jährigen Schüler aus der Oberschicht - gemeint sind Kinder von Akademikern und Führungskräften - laut der neuen PISA-Untersuchung gegenüber dem ersten Test im Jahr 2000 noch deutlich gewachsen, berichtet dpa. In Mathematik und Naturwissenschaften seien diese Schüler inzwischen Gleichaltrigen aus Arbeiterfamilien im Bundesdurchschnitt über 100-PISA-Punkte voraus. Das entspreche einem Lernfortschritt von deutlich mehr als zwei Schuljahren.

Hintere Plätze: Sachsen-Anhalt und NRW

In Bayern ist die Chancenungleichheit auf dem Weg zum Abitur besonders stark ausgeprägt. Kinder aus der Oberschicht haben dort eine 6,65 Mal größere Chance, das Gymnasium zu besuchen und die Reifeprüfung abzulegen, als Schüler aus einem Facharbeiterhaushalt. In Bayern absolvieren nur 21,6 Prozent eines Jahrgangs das Abitur. Im Bundesschnitt sind es 27 Prozent, in einigen Länder über 30 Prozent.

Die PISA-Forscher stellten aber auch fest, dass Schulen in Bayern erheblich besser als in anderen Bundesländern Kinder aus bildungsferneren Schichten zumindest zu einem guten Hauptschulabschluss führen.

Mit einem Wert von 6,16 liegt Sachsen-Anhalt auf dem vorletzten Platz des Länder-Vergleichs über Chancengleichheit und soziale Durchlässigkeit. Auffällig ist zudem das schlechte Abscheiden von Nordrhein-Westfalen. Dort haben Kinder aus reichen Familien eine 4,35 Mal größere Abiturchance. Indem es die Gründung von Gesamtschulen vorantrieb, hatte das bevölkerungsreichste Bundesland versucht, den engen Zusammenhang von Schulerfolg und sozialer Herkunft aufzubrechen.

Brandenburg sozial ausgewogen

Als vergleichsweise sozial ausgewogen erwiesen sich Sachsen, Niedersachsen, Hessen und Schleswig-Holstein. Am besten Schnitt das Brandenburg mit einem Wert von 2,38 ab. Im bundesweiten Vergleich der Schülerleistungen hatte das land indes einen der letzten Plätze belegt.

Bereits der erste PISA-Test hatte belegt, dass in keinem anderen Industriestaat der Welt das Schulsystem bei der Förderung von Arbeiter- und auch Migrantenkindern so sehr versagt wie in Deutschland.

Bayern führt Leistungsranking

Die Ergebnisse der reinen Schülerleistungen beim jüngsten PISA-Test waren von den Kultusministern bereits im Juli veröffentlicht worden. Danach hatte Bayern beim bundesweiten Leistungsranking in den Testdisziplinen Mathematik, Naturwissenschaften und Textverständnis/Lesen seine deutsche Spitzenstellung gegenüber dem ersten Test 2000 weiter ausbauen können. Sachsen hatte bei der Leistung zugleich kräftig aufgeholt und Baden-Württemberg zum Teil auf Platz drei verwiesen.

Für die zweite PISA-Studie waren in Deutschland mehr als 45.000 Schüler im Alter von 15 Jahren getestet worden. Weltweit arbeiten 300 Wissenschaftler und ihre Mitarbeiter an Erstellung und Auswertung des Tests. Die Abkürzung PISA steht für «Programme for International Student Assessment».

Die deutsche Sonderauswertung durch das Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften in Kiel war von der Kultusministerkonferenz in Auftrag gegeben worden. (nz)

 
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