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Köhler: Kirchen nicht verdrängen

25. Sep 2005 16:06
Horst Köhler
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Bundespräsident Köhler davor gewarnt, die Kirchen aus der Mitte der Gesellschaft zu verdrängen. Gleichzeitig warnte er vor einer «Relativierung aller Werte und Haltungen».

Bundespräsident Horst Köhler hat vor einer Verdrängung der Kirchen aus der Mitte der Gesellschaft gewarnt. Bei einem Festakt zum 450. Jahrestag des Augsburger Religionsfriedens sagte Köhler, die Kirchen dürften nicht aus Bereichen herausgedrängt werden, in denen sie über Jahrhunderte ihren Beitrag
geleistet haben.

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Der Bundespräsident würdigte die Rolle der Kirchen in Deutschland, die sie auch künftig wahrnehmen müssten. «Ich denke hier besonders an die Schule und an den von den Kirchen erteilten Religionsunterricht, auf den wir nicht verzichten sollten.» Die Menschen suchten wieder stärker nach geistlicher Orientierung. Dies habe vor allem der Weltjugendtag in Köln gezeigt. Der Enthusiasmus der jungen Christen sei nicht nur eine Chance für die Kirche, sondern eine Chance für alle Deutschen.

Gleichzeitig warnte der Bundespräsident vor einer «Relativierung aller Werte und Haltungen». Die Menschen müssten wissen, was sie unterscheide und was sie verbinde. Köhler sprach sich für einen «Dialog der Kulturen für Frieden und Stabilität» aus. Nur so könne man die neuen Herausforderungen durch Fundamentalismus und Terrorismus bewältigen.

Auch Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) forderte einen stärkeren Dialog zwischen Christentum und Islam, um religiösen Fundamentalismus entgegenzuwirken. «Toleranz heißt aber auch Anerkennung und Achtung der Lebensweise, Gesetze und Traditionen des Landes, in dem man lebt.» Der Religionsfriede von Augsburg habe gezeigt, dass religiöse Konflikte mit Vernunft und Toleranz lösbar seien, sagte Stoiber.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber, würdigten in einem gemeinsamen Gottesdienst die Bedeutung des historischen Ereignisses für das Miteinander der Konfessionen. Der Religionsfrieden habe den Frieden zwischen den Konfessionen ermöglicht, sagte Huber. «Von Augsburg lernen, heißt Frieden lernen.» Lehmann sagte, der Religionsfrieden bestärke die Ökumene.

Nach langen Religionskriegen hatten der katholische Kaiser Karl V. und die evangelischen Reichsfürsten am 25. September 1555 in Augsburg vereinbart, die militärischen Auseinandersetzungen zu beenden. Die Lehren des Reformators Martin Luther wurde offiziell als neue Konfession anerkannt. So gelang es, einen religiösen Konflikt politisch zu lösen. Gleichzeitig wurde vereinbart, dass der jeweilige Landesfürst seinen Untertanen die Religion befehlen konnte und Andersgläubige auswandern durften. Der Religionsfrieden förderte die konfessionelle Zweiteilung Deutschlands und leitete die Trennung von Staat und Kirche ein. (nz)

 
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